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Geschichte macht die Geschichte greifbar
Geschichte macht die Geschichte greifbar
11.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Ronja Schrimpf

Gaggenau - "Wessi" und "Ossi", "Pizza" und "Krusta", "Hamburger" und "Grilletta" - die unterschiedlichen Bezeichnungen scheinen das Sinnbild der Teilung Deutschlands in DDR und BRD zu sein. Für die Schüler des Goethe Gymnasiums Gaggenau (GGG) hingegen waren die Worte oftmals neu - die Teilung Deutschlands nur noch eine Geschichte. Zum Jubiläumsabend am Donnerstag verdeutlichten die Schüler mit Präsentationen, Plakaten und Tanz die Zeit der Teilung. Autorin Stefanie Wally las außerdem aus ihrem Buch "Akte Luftballon".

"Freiheit für alle", "Hier leben zu können und die Freiheit zu genießen", "Da war ich ein Jahr alt" oder "Die Liebe meiner Eltern": Mit kleinen Zetteln hatten die Besucher einen gelben Luftballon gefüllt mit der Frage: "Was bedeuten 30 Jahre Mauerfall für dich?"

Während die älteren Gäste des Jubiläumsabends die Teilung Deutschlands selbst erlebt hatten, haben die Schüler des Gymnasiums diese Zeit nur noch im Geschichtsunterricht kennengelernt. Durch Präsentationen, Tanz und eine Autorenlesung wurde die Geschichte noch einmal erlebbar gemacht.

Einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse der friedlichen Revolution verschaffte Jennifer Steiner. Svenja Heinze präsentierte das "Leben mit der Mauer" vom Mauerbau bis Mauerfall. Einen persönlichen Einblick in das "Leben in der DDR" gewährte Saskia Wilewski durch ein Interview mit ihrer Familie.

Außerdem ermöglichten die Plakate der Ausstellung "Der Weg zur deutschen Einheit" der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Auswärtigen Amts den Besuchern einen umfassenden Überblick über die Zeit von 1945 bis 1990. Höhepunkt des Jubiläumsabends war die Autorenlesung "Akte Luftballon" von Stefanie Wally und die begleitenden Tanzeinlagen der Tanz-AG unter der Leitung von Bettina Köditz.

"Wenig macht Geschichte so greifbar wie eine Geschichte", ist Wally überzeugt. Sie las aus ihrem Buch, das von ihrer eigenen Brieffreundschaft zu einem Mädchen aus der DDR handelt und von den Herausforderungen, die sich für die beiden Mädchen durch die Mauer ergaben. Während der Lesung zeigte sie Fotos von sich und ihrer Freundin, von Briefen und Paketen, die sich die Mädchen zugeschickt hatten, oder andere "typische" Dinge aus West und Ost.

Begleitet wurde Wally durch Auftritte der rund 30 Schülerinnen der Tanz-AG des GGG. Wie in der Geschichte trennte eine Mauer mitten auf der Bühne die Schülerinnen in zwei Gruppen. Angelehnt an die Mode der Zeit präsentierten die Tänzerinnen "aus dem Westen" bunte Röcke, die Tänzerinnen "aus dem Osten" hingegen graue Kleidchen. Passend erklangen beliebte Musikstücke aus West und Ost: Nenas "99 Luftballons", Karats "Über sieben Brücken musst du gehen" oder Udo Lindenbergs "Sonderzug nach Pankow", während die Schülerinnen Wallys Geschichte tänzerisch auf die Bühne brachten. Zum Schluss der Lesung fiel - wie auch in der Realität - die Mauer auf der Bühne und die Schülerinnen tanzten wieder gemeinsam.

"Die Teilung mussten unsere Kinder nicht miterleben. Sie haben die emotionale Kälte und Zerrissenheit der Mauer nicht kennengelernt", erklärte Wally: "In den letzten Wochen haben die Schüler des Goethe Gymnasiums viel über diese Zeit gelernt." Dabei hätten die Schüler nicht nur die wichtigsten Ereignisse, sondern auch das Leben in einem geteilten Deutschland kennengelernt, von unterschiedlichen Bezeichnungen wie "Pizza" und "Krusta" über die Lehrpläne in DDR und BRD bis hin zu den Einzelheiten einer Flucht aus der DDR.

"Meine Geschichte soll ein Zeichen der Menschlichkeit sein. Es ist eine Geschichte, die von Freundschaft erzählt, die Trennung und Grenzen überwunden hat. Deshalb mache ich die Lesungen", erklärte die Autorin.

Einblicke in das

Leben in der DDR

Besonders freue es sie, dass so viele junge Menschen den Abend mitgestaltet hätten, die mit Begriffen wie "Wessi" und "Ossi" nichts mehr anfangen könnten. "Durch die Wiedervereinigung sind wir wieder zusammengewachsen, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa."

Zum Schluss der Lesung plädierte sie an die Schüler: "Es ist wichtig, dass Ihr eure Freiheit nicht für selbstverständlich haltet. Ihr müsst für eure Freiheit aufstehen. Und das habt ihr heute Abend auch getan - mit der Kunst."

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