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Holzmachen ist nicht nur Männersache
12.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Murgtal - Das Aufschichten von Brennholz kann eine zufriedenstellende Tätigkeit sein. Und doch wäre es manchmal schön, wenn man auch als Frau in der Lage wäre, eine Motorsäge zu bedienen, hat sich Elke Rohwer aus Bad Rotenfels gesagt. Dass hier eine gewisse Nachfrage besteht, bestätigt ein Blick ins Jahresprogramm 2019 des Infozentrums Kaltenbronn, in dem auch ein Motorsägen-Grundlehrgang für Frauen vom Forstlichen Bildungszentrum Karlsruhe zu finden ist. Im Folgenden der Bericht ihrer erfolgreichen Teilnahme.

Als Frau beschränkt sich die Arbeit beim Holzmachen meistens darauf, abgetrennte Äste von A nach B zu schleppen oder klein gesägte Stücke im Holzlager aufzuschichten. "Die Stücke, die zu groß sind, lässt du einfach liegen, die säge ich nachher klein", hieß es - bislang.

Sechs Frauen sitzen an einem Donnerstagmorgen im Seminarraum im Forstlichen Hauptstützpunkt Calmbach, Landkreis Calw. Manche von ihnen kommen aus den umliegenden Ortschaften, andere haben mehr als eine Autostunde Fahrt auf sich genommen, um an dem Kurs teilzunehmen. Innerhalb von zwei Tagen sollen sie den sicheren Umgang mit der Motorsäge in Theorie und Praxis erlernen.

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde beginnt der theoretische Unterricht. Zunächst steht die grundsätzliche Einteilung der Motorsägenarten auf dem Programm. Anschließend geht es um den detaillierten Aufbau der Sägen. Besonders ausführlich geht Forstwirtschaftsmeister Bastian Lorenz dabei auf die verschiedenen Sicherheitseinrichtungen ein. Die Teilnehmerinnen nutzen die Gelegenheit, sich ausführlich über die Funktion zum Beispiel der Kettenbremse, des vorderen und hinteren Handschutzes sowie des Kettenfängers zu informieren, der im Falle eines Reißens der Kette dafür sorgt, dass die Sägekette sich nicht unkontrolliert in Richtung des Maschinenbedieners bewegt.

Vorsicht, wenn

es spannend wird

Immer wieder weist Bastian Lorenz auf die gefährliche Arbeit und das überdurchschnittliche Unfallrisiko hin, das mit der Motorsägenarbeit verbunden ist. In diesem Zusammenhang geht der Kursleiter auch auf die persönliche Schutzausrüstung (PSA) ein, die im Umgang mit einer Motorsäge vorgeschrieben ist: Schutzhelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe mit Schnittschutzeinlage und Handschuhe.

Ergänzend zur Bedienung der Motorsäge geht Bastian Lorenz anschließend auch ausführlich auf die Wartung und Pflege von Motorsägen ein. Um das Ganze zu veranschaulichen, begibt er sich mit den Teilnehmerinnen in die Betriebswerkstatt. Wo sitzt der Vergaser? Wie schärfe und spanne ich die Kette? Wie reinige ich die Maschine? Diese und weitere Fragen werden in der Praxis geklärt. Keine Frage bleibt unbeantwortet, erscheint sie auch noch so banal.

Besonders wichtig ist dem Kursleiter die Wahl der möglichen Betriebsstoffe. In diesem Zusammenhang spricht er sich klar für die Verwendung von Bio-Sägekettenhaftölen und Sonderkraftstoff aus, der sowohl für den Bediener, die Kettensäge selbst und die Umwelt Vorteile bietet, schließlich bauen sich die Emissionen in der Natur deutlich besser ab als herkömmliche Betriebsstoffe.

Am Nachmittag stehen die verschiedenen Baumfällwerkzeuge sowie die gängigen Schnitt- und Fälltechniken an. Was bedeutet Schneiden mit einlaufender Kette? Was ist ein Stechschnitt? Und was ist zu beachten, wenn das Holz unter Spannung steht?

Mit der Übung

kommt die Sicherheit

Am Ende des ersten Kurstages stellen die Teilnehmerinnen ihr theoretisches Wissen unter Beweis, denn zum Erwerb des Motorsägenscheins gehört ein schriftlicher Test, den alle Teilnehmerinnen meistern.

Am zweiten Tag steht der praktische Umgang mit der Motorsäge auf dem Plan. Es regnet, doch das kümmert die sechs Frauen nicht. Zum einen hält die Schutzkleidung einiges ab, zum anderen sind alle gespannt auf den praktischen Teil der Ausbildung und darauf, endlich selbst loslegen zu können. Aufgeteilt in zwei Gruppen bringen die Forstwirtschaftsmeister Bastian Lorenz und Jens Debertshäuser die Teilnehmerinnen mit Transportern in den nahe gelegenen Wald. An einem Hang bekommen die Frauen Gelegenheit, das am Vortag erlernte Wissen in die Tat umzusetzen. Die meisten von ihnen haben zum ersten Mal eine Motorsäge in der Hand. Das Starten der Maschine ist zunächst eine Herausforderung, doch mit jedem Mal klappt es besser. Auch bei den verschiedenen Sägeübungen werden die Frauen immer selbstsicherer. Am Ende des Tages hat jede von ihnen einen Baum gefällt und entastet, nach einer vorausgegangenen Beurteilung des Baumes und dessen Umgebung. Stolz auf das Geleistete, mit einem guten Gefühl im Bauch und der offiziellen Lehrgangsbescheinigung in der Tasche verabschieden sich die Frauen von einander. Ob man sich wieder trifft? Vielleicht zu einem der angebotenen Aufbaukurse im kommenden Jahr.

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