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Vom Maschinenbautechniker zum Erfinder
14.11.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau (stn) - Für seine Erfindung, die "Oszillierende Membranfiltertechnik", hat Edmund Erath (74) im Juli den Artur Fischer-Erfinderpreis Baden-Württemberg erhalten (wir berichteten) sowie den Sonderpreis für Umwelt- und Ressourceneffizienz. Nun wurde er ein weiteres Mal ausgezeichnet. Bei der internationalen Erfindermesse "iENA"Anfang November bekam er die Silbermedaille. Ein riesiger Erfolg für eine Technik, die eigentlich nur das Nebenprodukt einer ganz anderen Erfindung war.

"Die Idee, etwas zu erfinden, hatte ich schon vor mehr als 20 Jahren", erzählt Erath: "Damals wollte ich etwas entwerfen, mit dem ich Metalloxid oder -hydroxid zu Pellets pressen kann." Metallhydroxide erhält man etwa bei der Trink- und Abwasseraufbereitung. Schädliche Wasserinhaltsstoffe und Metalle werden mit Hilfe von Kreiselpumpen und der Cross-Flow-Filtrationstechnik aus dem Wasser gelöst und als Hydroxidschlamm herausgefiltert, erklärt der Gaggenauer.

Das so aufbereitete Wasser sei zwar rein gemäß den Vorschriften, doch der separierte schwermetallhaltige Hydroxidschlamm müsse als Sondermüll auf Deponien gelagert werden. Erath war auf der Suche nach einer Methode, um den wertlosen Hydroxidschlamm in einen hochwertigen Rohstoff zu verwandeln und ihn in einem zweiten Schritt so aufzukonzentrieren, dass daraus Pellets gepresst werden können.

"Seit circa 20 Jahren suchte ich nach einer Lösung, die das Pressen von Metallhydroxid und Metalloxid zu Pellets möglich macht. Diese habe ich auch vor circa vier Jahren gefunden, jedoch auch eine vollkommen neue Filtertechnik - und zwar die ,Oszillierende Membranfiltertechnik'", berichtet der in Bretten geborene 74-Jährige. Mit dieser ist ein präzises Separieren im Mikro-, Ultra- und Nano-Bereich möglich - zum Beispiel die Filtration von Viren, Bakterien, Molekülen und Ionen. Die Leidenschaft für das technische Handwerk besitzt der gelernte Maschinenbautechniker dabei nicht erst seit gestern. "Technische Probleme zu lösen, hat mir schon immer Spaß gemacht. Nur im Büro herumzusitzen, hat mir nie gelegen."

Seine harte Arbeit und sein Fleiß zahlen sich nun aus - im wahrsten Sinne des Wortes: Denn der Artur Fischer-Erfinderpreis Baden-Württemberg ist mit 10 000 Euro dotiert und der Sonderpreis für Umwelt- und Ressourceneffizienz mit 5 000 Euro. "Es freut mich, dass ich jetzt auch noch auf einer internationalen Erfinderpreisvergabe geehrt wurde. Der Leiter des Steinbeis Transferzentrums in Villingen-Schwenningen sagte, er betreue circa 150 Erfinder aus Baden-Württemberg, aber mehrfach ausgezeichnete Erfindungen seien selten dabei", verkündet Erath stolz.

Und wie sieht der nächste Schritt im Leben des Erfinders aus? "Zum einen muss jetzt ein größerer Prototyp der ,Oszillierenden Membranfiltertechnik' gebaut werden, und der kostet circa 20 000 Euro. Außerdem sollte dringend die zweite Filterstufe als internationales Patent angemeldet werden, und so etwas kostet circa 50 000 Euro", weiß der Maschinenbautechniker, der unter anderem auch für das Medizintechnikunternehmen B. Braun Aesculap gearbeitet hat.

"Bis jetzt habe ich die Anmeldung der zweiten Stufe immer vor mir hergeschoben, da ich voll mit der ,Oszillierenden Membranfiltertechnik' beschäftigt war und auch keine 50 000 Euro für die internationale Patentanmeldung hatte." Sein Patentanwalt konnte ihm diese Sorge dann allerdings nehmen, denn durch die Mehrfachprämierung erhält der Gaggenauer bis zu 10 000 Euro Zuschuss für den Prototypenbau und für die internationale Patentanmeldung bis zu 32 000 Euro. "Ich bin gerade echt happy. Für mich als alten, armen Erfinder ist das ein Glücksfall und es freut mich", frohlockt Erath.

"Außerdem laufen an den Münchner Universitäten derzeit zwei Forschungsprojekte, bei denen meine Erfindung integriert ist. Einmal bei der Ludwig-Maximilians-Universität bezüglich Nickelrückgewinnung aus Galvano-Abwässern und zum anderen bei der Technischen Universität und der Forschungsbrauerei Weihenstephan bezüglich der Bierfiltration. Es sieht also recht vielversprechend aus, dass es für mich mit meinen fast 75 Jahren noch eine Menge zu tun gibt. Aber das hält mich fit."

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