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Ohne Stall nur wenig Schutz
Ohne Stall nur wenig Schutz
16.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Weisenbach - Zuerst sind sie neugierig, dann scheu. Aber wenn Sven Strobel mit dem Futtereimer kommt, dann drängen sich seine Ziegen um ihn, schubsen und knuffen. Der Weisenbacher beweidet mit seinen Tieren Flächen auf der Gemarkung im Latschigbachtal, in Langenbrand und in Gernsbach - und wünscht sich einen Winterstall. Vier seiner Schafe wurden kürzlich Opfer eines Wolfsangriffs - "eine Lösung muss her", sagt Strobel.

Die Situation sei deprimierend, für sein Hobby investiert der Schreiner viel Zeit. Seine Ziegen sind in einem eingezäunten Areal in den Bachwiesen im Latschigbachtal untergebracht. Schutz vor der Witterung bieten dort einige Heuhütten und Unterstände. Rund 60 Ziegen sind es, davon 25 "Fresser", die im Winter geschlachtet werden, und 40 Muttertiere. Rund 30 davon erwarten Nachwuchs.

Die Schafherde mit etwa 70 Tieren weidet weiter hinten im Tal, von rund 50 Muttertieren wird es Nachwuchs geben. Heidschnucken und Skudden brauchen keinen Stall, "die bringen ihre Jungen auch bei Minusgraden auf die Welt." Offene Unterstände für die Tiere stehen dort zur Verfügung.

"Man hat halt Angst, wenn die Tiere draußen sind", beschreibt Strobel seine Gefühle nach der Wolfsattacke. Der im Murgtal mehrfach "aktive" GW 852 m hatte vier seiner Schafe gerissen. Ohne Stall sind die vierbeinigen Landschaftspfleger schlecht zu schützen. Derzeit versucht er dies mit Zäunen und hofft, dass der Wolf nicht zurückkommt. Die Zäune sind wolfsabwehrend, "so gut wie man es bei unserer Lage machen kann."

Zaunbau kostet viel Geld

Für einen sicheren Zaun gebe es noch keine Lösung, auch nicht dafür, wer das alles bezahlt. Einen wolfsabwehrenden stationären Zaun mit fünf stromführenden Litzen zu bauen kostet viel Zeit und Geld. Um zehn mobile Netze aufzubauen brauchte er früher eineinhalb Stunden, jetzt sind es rund drei Stunden wegen der geforderten Vorgaben zur Wolfsabwehr, beschreibt Strobel den Mehraufwand. Dies ist abhängig von der Lage der Grundstücke; wenn Mauern oder Wasserläufe dort vorhanden sind, wird es aufwendiger.

Um Schadenersatz für gerissene Tiere vom Land zu bekommen, muss der Zaun fünf Litzen haben und dadurch wolfsabwehrend sein. Für die getöteten Schafe bekommt er keinen Schadenersatz, der eingesetzte mobile Zaun hatte lediglich drei Litzen.

Eine sichere Zaunanlage wäre eine Lösung. Derzeit fragt Strobel bei Firmen die Kosten für einen festen Zaunbau ab. Zu klären sei, wer diesen bezahlt und ob die Gemeinde einen Anteil davon übernimmt.

"Kein gutes Gefühl" ist es, jeden Tag die Weiden zu kontrollieren. "Ich schaue in jede Ecke, ob der Zaun noch intakt ist und ob der Wolf nicht wieder zugeschlagen hat."

Der Sommer sei nicht ganz so problematisch wie der Winter: Schnee drückt die stromführenden Netze zu Boden, die Stromzufuhr mit den geforderten 4 000 Volt ist problematisch. Eine feste Zaunanlage bleibt dagegen stehen. Seit vier Jahren ist ein Winterstall ein Thema, große Hoffnung auf einen Bau hat Strobel keine mehr. Rund 20 Hektar beweidet er in Weisenbach, etwa drei in Langenbrand sowie eine kleinere Fläche bei Scheuern am Bergkopf mit 20 Ziegen. Für die Freihaltung der Flächen gibt es Fördergeld vom Land. "Das ist auch ein Pluspunkt für die Gemeinde, wenn das Tal offenbleibt."

Am Anfang hat es alles Spaß gemacht, die Hoffnung auf einen Stall war da. Er habe sich die Tiere nicht einfach so angeschafft. Bevor man einen Stall bekommt, braucht man Weideflächen. Zum Bewirtschaften der Fläche braucht es die Tiere, für die Tiere braucht man einen Stall - so beschreibt Strobel die Situation. "Wenn das nicht funktioniert, steht man da wie ich jetzt", lautet sein ernüchtertes Fazit. Nach vier Jahren ist der Spaß an der Tierhaltung geringer geworden.

Man suche nach einer Lösung, heißt es bei der Gemeinde. Feste Zäune mit fünf Litzen, das wäre eine aus Strobels Sicht für das Latschigbachtal. Wenn eine Fachfirma die Arbeit übernimmt, gebe es Garantie - dann fehlt noch der Winterstall.

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