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Heimstätten-Genossenschaft: Kritik an "überhöhten Auflagen"
Heimstätten-Genossenschaft: Kritik an 'überhöhten Auflagen'
18.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Thom as Senger

Gaggenau - Die Gaggenauer Heimstätten-Genossenschaft blickt zuversichtlich in die Zukunft. Das wurde bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend im Gemeindesaal St. Josef deutlich. Vorstand und Aufsichtsrat kritisierten allerdings deutlich die aus ihrer Sicht überzogenen Auflagen und Erschwernisse beim Bau von Wohnungen.

Sich gemeinsam für ein sozialverträgliches Miteinander einzusetzen, diese Grundsätze der Genossenschafts-Urväter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch seien alles andere als veraltet, gab Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Freidel anfangs zu bedenken.

Oberbürgermeister Christof Florus richtete den Blick auf den boomenden Wohnungsmarkt: "Wir bauen fünf Stockwerke, sechs Stockwerke, aber die Wohnungen werden nicht billiger." Steigende Quadratmeterpreise in der Innenstadt und steigende Mieten seien zu verzeichnen. Die städtische Wohnbaugesellschaft habe ebenfalls "Schwierigkeiten, Wohnraum zu schaffen, der bezahlbar ist". Der Innenverdichtung komme dabei große Bedeutung zu.

"Sie kämpfen um jeden Quadratmeter", sagte der OB zum aktuellen Wohnbauprojekt der Genossenschaft in der Theodor-Bergmann-Straße: "Es geht voran, und das freut mich." Denn barrierearm zu bauen und dabei die dort bislang vorhandene Wohnungszahl zu verdoppeln, das zeuge von sozialer Verantwortung.

423 Mitglieder zählt die Genossenschaft, bilanzierte Vorstand Günter Dürr. 190 marktfähige Wohnungen mit verbesserten Standards bereitzustellen, sei durch stete Sanierung möglich; doch rücke der Bau neuer Wohnungen mehr und mehr in den Vordergrund. Schließlich könne die Genossenschaft nicht alle Nachfragen erfüllen. Ein Nachlassen dieses Trends sei nicht zu erwarten.

Bei einer Durchschnittsmiete von nur 5,20 Euro pro m 2 wende die Genossenschaft 2,73 Euro pro m 2 für Instandhaltung und Modernisierung auf, betonte er. Das Neubauvorhaben mit insgesamt 27 Wohnungen sollte bereits 2018 im 100. Jubiläumsjahr realisiert werden. Zwischenzeitlich liege die Baugenehmigung vor, das alte Haus sei abgerissen, es werde dort "mit voller Kraft" gearbeitet. "Leider verzögerte sich das Projekt aufgrund eines zu erstellenden Bebauungsplans samt der damit einhergehenden Problemstellungen um ein weiteres Jahr", monierte Dürr. "Zugeständnisse an den Ausweis als urbanes Gebiet sowie die Vermeidung von überhöhten Auflagen bezüglich des Lärmschutzes machten für den ersten Bauabschnitt eine Umplanung erforderlich", kritisierte er weiter. Deshalb entstehen zunächst als Gewerbeflächen drei Büroeinheiten und sechs Zweizimmerwohnungen.

Steigende Zahl

von Vorschriften

Nach Fertigstellung und Umsiedlung der betroffenen Mieter werde umgehend mit dem Abriss des nächsten Hauses für einen weiteren Neubau begonnen. Dürr: "Es zeigt sich aber, dass es aufgrund einer steigenden Zahl von Vorschriften und Anforderungen sowie steigender Baupreise immer schwieriger wird, bezahlbaren Wohnraum zu erstellen." Mehr bezahlbarer Wohnraum "und damit sozialer Ausgleich kann nur durch mehr Baugrundstücke, vereinfachtes Baurecht und angemessene Förderprogramme erreicht werden", betonte Dürr, "Vorschriften wie die Begrünung von Dächern und Gebäudehülle, projektspezifische Auflagen sowie ständig steigende energetische Anforderungen werden das Bauen unwillkürlich weiter verteuern." Die Folge sei, "dass sich der geforderte Neubau von Wohnungen insbesondere für Menschen mit kleineren Einkommen kaum beziehungsweise nicht mehr über die Mieten refinanzieren lässt".

Die Rahmenbedingungen müssten sich verbessern; es brauche auch neue Wohnbauprogramme, "unbürokratische Genehmigungsverfahren" sowie eine stärkere Berücksichtigung der Wohnungsbaugenossenschaften bei der kommunalen Grundstücksvergabe. Ähnlich argumentierte Aufsichtsratsvorsitzender Freidel: "Alle reden vom Abbau des Verwaltungsaufwands. Die Praxis sieht aber ganz anders aus."

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