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180 000 Briefmarken für einen guten Zweck
180 000 Briefmarken für einen guten Zweck
19.11.2019 - 00:00 Uhr
Loffenau (red/uj) - Woher die Idee Anfang des Jahres kam, kann im Nachhinein niemand mehr sagen: Ein paar Briefmarkensammler hatte es schon vorab bei der Loffenau-Bad Herrenalber Pfadfindergruppe, den "Buntspechten", gegeben, auf Vereinsebene sogar ein paar Sammlertreffen, und dass einige Eltern oder Großeltern zuhause Sammlungen besaßen, konnten auch ein paar Kinder noch berichten.

Irgendwo bei den Älteren im Pfadfinderstamm "Cherusker" schnappte man schließlich die Idee auf, dass früher häufig Briefmarken gesammelt wurden - nicht für sich selbst, sondern für die Behindertenwerkstätte in Bethel, in der Menschen mit Handicap auch heute noch eine Möglichkeit gegeben wird, eine sinnstiftende Tätigkeit zu finden und ebenso einem Verdienst nachzugehen.

Die Geschichte von der nordrhein-westfälischen Behindertenwerkstätte ist quasi eine moderne St.-Martins-Legende: Sie erzählt von dem evangelischen Pastor Friedrich von Bodelschwingh, der vor 150 Jahren als Anstaltsgeistlicher in einem Krankenhaus sich, ob seiner Länge, lieber ein Loch in das Fußende seines Bettes sägte als Geld für ein neues auszugeben - und das Geld lieber für die Speisung der Bedürftigen verwendete. Sein Beiname war bald "Vater der Landstraßenbrüder", für die er sich neben den Kranken besonders einsetze. Schließlich schuf er die "Brockensammlung", bei der weggeworfene Gegenstände neu aufbereitet und wieder verkauft wurden.

Heute arbeiten in Bethel 125 Menschen, um Briefmarkenspenden aufzubereiten und an Philatelisten wieder zu verkaufen. Über eine Großspende dürfte sich Bethel in den kommenden Tagen freuen: 42 Kilogramm an Briefmarken - rund 180 000 Stück - sammelten die Pfadfinder in diesem Jahr. Und das nicht alleine, denn ganz Loffenau war eingeladen, an der Jahresaktion teilzunehmen.

Das wurde umfänglich genutzt: Über 100 Einzelspenden wurden an den örtlichen Sammelstellen - unter anderem dem Loffenauer "Lädle" in der Dorfmitte - abgegeben, darunter viele alte Briefmarkenalben und Sammlungsauflösungen oder aktuelle Marken aus der Tagespost. Die selbst gebastelte Sammelbox war übrigens die Idee des neunjährigen Paul. Aus einem Nachlass entstammte die Großspende eines ehemaligen Bad Herrenalber Philatelistenvereins, auch Horst Kottwitz hatte aus früherer Leidenschaft noch einen ganzen Reisekoffer voller Briefmarken, den er gerne übergab. Und über Freunde und Verwandte brachten die Pfadfinder auch aus entlegensten Orten bis hin nach Belgien Briefmarkenspenden ein, ein großer Wäschekorb mit Briefumschlägen einer Rastatter Baufirma gehörte ebenfalls dazu.

Etwa ein Drittel der 180 000 Briefmarken kam direkt aus Loffenau, erklärt Jörg Klasser, Leiter der Pfadfindergruppe "Cherusker" des Pfadfinderbunds Süd. Die Gruppe selbst existiert in Bad Herrenalb seit rund 20 Jahren. Vor eineinhalb Jahren habe es sich ergeben, dass sich Kinder aus Loffenau der Pfadfindergruppe anschlossen. Derzeit sind es vier Kinder. Deren Eltern sind nach Angaben von Klasser begeistert über das Angebot, das nach seinen Worten in nächster Zeit in der Gemeinde ausgebaut werden soll.

"Helfertage" im

nächsten Jahr geplant

"Wir sind hier alle überwältigt von der gewaltigen Resonanz", fasst Klasser zusammen und lässt die "Buntspechte" gerne noch ein paar schöne Briefmarken für die eigene Sammlung heraussuchen. "Das haben sich die Kinder wirklich verdient." Und wenn die Kinder für sich dabei ein schönes Hobby entdeckt haben, sei ja auch ein gutes Werk getan.

Die Kinder seien im Übrigen auf den Geschmack gekommen, dort helfen zu wollen, wo Not am Mann sei, erzählt Jörg Klasser. Auch Kinder können viel bewirken, und wer sich schon in jungen Jahren gesellschaftlich engagiere, wird es später sicherlich weiterhin tun. Die Kinder zu aktiven Bürgern unserer Gesellschaft zu machen, sei ein Grundanliegen der Pfadfinder.

Das Jahresmotto für das kommende Jahr sei daher das der "Helfertage", bei denen über das ganze Jahr hinweg Aktionen in Bad Herrenalb und Loffenau stattfinden werden und die Kinder sich ihren Heimatort so auch näher erschließen werden.

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