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Beglückendes musikalisches Erlebnis
Beglückendes musikalisches Erlebnis
21.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Barbara Gutmann

Gaggenau - "Musik tut Gutes" - wie wahr. Die glanzvolle Matinee am Sonntag mit Kammermusik für Cello und Klavier tat gut und war beglückendes Erlebnis für die zahlreichen Zuhörer im Gemeindesaal St. Marien. So hatte Marliese Kepplinger für die Kirchengemeinde nur lobende Dankesworte an die Solisten Mara Lobo und Andrej Jussow gerichtet: "Sie haben uns mit Ihrer Musik das Herz erwärmt. Wir sind begeistert von Ihrer Virtuosität und der grandiosen Gestaltung!"

Dem Konzert vorangestellt war die Verleihung des vom Projekt "Musik in St. Marien" ausgelobten "Carl-Flesch-Förderpreises 2018" an Mara Lobo. Sie hatte den Meisterkurs der Baden-Badener Akademie in der Cello-Klasse mit herausragenden Leistungen absolviert.

Eindrucksvoll stellte die anmutige brasilianische Musikerin ihr Können zunächst solistisch unter Beweis, indem sie mit der Suite Nr. 2 d-Moll für Violoncello solo, BWV 1008 von Johann Sebastian Bach das aufmerksame Publikum in den leider nicht ganz gefüllten Reihen in ihren Bann zog. In der üblichen Barocksuite sind die Einzelstücke in der Regel echte oder stilisierte Tänze, dem oft ein Präludium vorangestellt ist. Dieses begann hier gleichsam programmatisch mit den drei Tönen des d-Moll-Dreiklangs, auf dem die Cellistin schlichte Variationen sehr verinnerlicht ausdeutete. Die Allemande als formvoll stilisierte Eröffnung erinnerte mit einem reizvollen Thema an den würdevollen Charakter der Schreittänze des Mittelalters.

Filigran - und mit

viel Ausdruck

Sehr schön der Kontr ast zwischen den raschen Sätzen Courante und der abschließenden Gigue und dem Ruhepol Sarabande dazwischen. Es ist erstaunlich, welche Bandbreite Bach mit seinen Suiten in das zur damaligen Zeit noch wenig entdeckte Soloinstrument Violoncello hineinkomponiert hat. Mara Lobo hat dieses Spektrum mit ihrer technisch ausgefeilten Interpretation eindrücklich aufgezeigt, allerdings mit einem recht direkten Klangbild, das der Akustik des Raumes geschuldet sein mag.

Den vollen warmen, gewohnt sonoren Celloklang konnte das Publikum bei der vielleicht bekanntesten Sonate der klassischen Epoche auskosten. Die Beethoven-Sonate A-Dur für Klavier und Violoncello, Op. 69 stellt durchaus hohe Ansprüche an den Cellisten, aber auch an das Zusammenspiel mit dem Begleiter, der in diesem Werk absolut gleichberechtigter Kammermusik-Partner ist.

In wunderbar variationsreichen, faszinierend vielschichtigen musikalischen Dialogen wurde Pianist Andrej Jussow dieser Aufgabe, wie auch im folgenden Werk von Robert Schumann, mehr als gerecht. Seine Stimmführung bei den vom Klavier angeführten wichtigen Passagen, seine Zurückhaltung bei den eher begleitenden Abschnitten und sein Klangsinn als kongenialer Partner waren von außergewöhnlicher Qualität. Als einfühlsamer Pianist mit einem schlanken, flüssigen und fast filigranen, und doch ausdrucksstarken Stil empfahl sich dieser großartige Musiker vielleicht als die noch größere Entdeckung der Matinee. Allerdings bot gerade diese Sonate mit der Vielfalt an Ausdrucksmitteln, mit diesen temperamentvollen und feinsinnigen Zwiegesprächen zwischen den Instrumenten einen idealen "Spielplatz" für die Virtuosität der Musiker.

Im abschließenden Adagio und Allegro von Robert Schumann, ursprünglich für Horn und Klavier komponiert, aber schon von Schumann auch in einer Fassung für Violoncello vorgesehen, ist ein Paradestück für die Besetzung Violoncello und Klavier. Die hochromantischen Stimmungen von elegisch bis temperamentvoll wurden wieder von beiden Interpreten ausdrucksstark und mit Verve gespielt. (Manchesmal hätte man sich in der Höhe noch mehr Charme im Celloton gewünscht.)

Mit der Zugabe des Fantasiestücks Nr. 3 von Schumann für Klavier und Cello (ursprünglich für Klarinette) trafen die Künstler nochmal mitten ins Herz der Zuhörer und bekräftigten ihre beeindruckende Virtuosität. Vor allem berührten sie als zwei so sympathisch bescheiden und natürlich auftretende Musiker. In den begeisterten Applaus mischten sich verdiente Bravorufe. Einmal mehr blieb diese Reihe der "Musik tut Gutes" in St. Marien ihrem Motto treu: die Spenden dieses Konzertes gehen an die Caritas nach Skopje in Nordmazedonien.

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