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"Passt alles zu dem Angeklagten"
'Passt alles zu dem Angeklagten'
27.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gernsbach - "Die Summe von Indizien reicht", meinte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch. Das Amtsgericht Gernsbach verurteilte gestern einen 22-Jährigen wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 300 Euro (20 Tagessätze zu je 15 Euro). Über Facebook soll der Beschuldigte seinen früheren Arbeitgeber unter anderem als "Oberarschloch" und "Nazi" bezeichnet haben.

Der Eintrag war, wie der Geschädigte gestern vor Gericht als Zeuge darlegte, auf seiner Firmenseite in Facebook unter einem Bild gepostet worden. Als Urheber des Eintrags war ein Profil mit dem Namen "Jonaz S." verantwortlich. Der Geschädigte erklärte, keinen "Jonaz S." zu kennen. Wegen verschiedener Behauptungen in dem Beitrag sei er auf den Angeklagten als Urheber gekommen. Der 22-Jährige wiederholte gestern seine Aussagen vom ersten Verhandlungstag, dass die Behauptungen in dem Eintrag zutreffen würden, dieser aber nicht von ihm stamme. Auch sei in dem Unternehmen Schwarzarbeit weit verbreitet. Eine Behauptung, die der Chef umgehend bestritt. Er verwies unter anderem auf Fotos von Tätigkeiten seiner Mitarbeiter, die er regelmäßig auf seiner Facebook-Seite veröffentliche.

Der Angeklagte sei zur Probe zwei Wochen bei ihm in der Firma beschäftigt gewesen. "Die Situation ist eskaliert, ich habe ihn nach Hause geschickt", sagte der Firmenchef, der dementierte, dass er dem 22-Jährigen eine Ausbildung zugesichert habe und diese bereits begonnen worden sei.

"Frech und

beleidigend"

Es sei um fachliche Dinge gegangen. Der Angeklagte sei "frech und beleidigend" geworden. Die Kündigung sei bestimmt ein Jahr her, meinte der Zeuge auf Nachfrage des Richters. Gestern Morgen habe der Angeklagte nochmals bei ihm angerufen und behauptet, er bekomme noch Geld von ihm, sagte der Firmeninhaber. Dabei, so der Angeklagte, soll es sich um einen Betrag in Höhe von 380 Euro handeln.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Baden-Baden sah es nach Abschluss der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der Angeklagte den betreffenden Post am 10. September 2018 in Facebook geschrieben habe. "Beleidigung in Tateinheit mit Verleumdung", dieser Vorwurf sei in der Beweisaufnahme bekräftigt worden. Sie forderte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen.

Der Angeklagte dementierte nochmals, Autor des betreffenden Facebook-Eintrags zu sein: Die in der Verhandlung dargelegten Beweise würden nicht für eine Verurteilung ausreichen. Zudem liege von Facebook keine Bestätigung bezüglich des Accounts vor.

Richter Koch sagte in seiner Urteilsbegründung, er habe keinerlei Zweifel, dass der Angeklagte der Urheber des Facebook-Eintrags gewesen sei. "Es passt alles zu dem Angeklagten." Schon von den Indizien her reiche es für eine Verurteilung. Neben der Geldstrafe muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen, deren Höhe der Richter auf Nachfrage des 22-Jährigen in diesem Fall mit etwa 140 bis 150 Euro bezifferte.

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