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Das 7:0 im "UEFA-Cup war das Highlight"
29.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Es war fast Halbzeit seines bisherigen Lebens. Den 2. November 1993 vergisst kein Fan des Karlsruher SC, der damals dabei war im Wildparkstadion - und noch weniger die Fußballer des Bundesligisten, die den FC Valencia mit 7:0 überrollten und ins Achtelfinale einzogen. "Der UEFA-Cup war das Highlight", erinnert sich Matthias Fritz gerne. Der ein oder andere Held von damals wird vielleicht heute auch beim bisher besten Fußballer aus dem Murgtal anrufen, denn der einstige Bundesligaspieler wird 50.

Zu sehr gerät Fritz aber nicht ins Schwelgen. "Ich war ja nur Tourist", bemerkt der Kicker, der beim SV Forbach das Fußball-ABC erlernte, ohne allzu viel Pathos. "Ich war zwar stets im Abschlusstraining dabei - saß aber im Spiel nur auf der Tribüne. Damals durften ja lediglich vier Ersatzspieler auf die Bank", erzählt der Jubilar von seinem häufigen Schicksal und ergänzt augenzwinkernd, "die Gastgeschenke der Vereine erhielt ich aber auch immer - die haben meine Eltern deponiert, weil sie bei allen Spielen dabei waren."

Im Hause Fritz wurde deshalb gerne auch bei passender Gelegenheit die Videokassette mit den Höhepunkten der dreijährigen KSC-Karriere eingelegt - bis das Band einmal riss. Die Wiederbeschaffung fiel schwer. "Mittlerweile gibt es aber alles auf Youtube", berichtet Matthias Fritz und schiebt grinsend nach, seine zehnjährige Tochter Sara "lacht sich immer tot, wenn sie die alten Bilder von mir sieht". Dabei hat sich der Ex-Profi im Gegensatz zu alten Weggefährten wie Sergej Kirjakow kaum verändert. Der einstige russische Flügelflitzer sah vor drei Wochen in Ettlingenweiher ziemlich alt aus im Vergleich zum drahtigen Fritz, als der Mann mit der üppigen Wampe neben dem Staufenberger für Fotos posierte. Nach zehn Minuten beim Altstar-Match zwischen den KSC-Altstars und St. Petersburg musste "Kiki" auch noch mit einem Muskelfaserriss vom Platz. Die Freude über das zweite fußballerische Wiedersehen, das diesmal 4:4 endete, trübte das allerdings kaum beim Nachtrunk im "Alten Bahnhof" in Malsch.

Sein "persönliches Highlight" der dreijährigen Zeit unter Heißmacher Winfried Schäfer war jedoch nicht das 7:0 gegen Valencia, sondern sein einziges Tor bei den insgesamt 14 Bundesliga-Einsätzen. Daran erinnert sich Fritz sehr genau. "Nach fünf Minuten lief ich allein aufs Tor von Richard Golz zu", doch der Keeper des Hamburger SV wehrte den zu weit vorgelegten Ball noch ab. In der zwölften Minute lief es jedoch besser für den Forbacher, den Rainer Ullrich beim Spiel der KSC-Amateure gegen den VfB Gaggenau entdeckt und nach Karlsruhe geholt hatte: "Mehmet Scholl gab die Ecke herein, ich stieg zum Kopfball hoch und Golz erwischte mich mit der Faust. Ich musste blutend raus und wurde in der Pause genäht" - der Ball zappelte aber an diesem 2. Mai 1992 zum 1:0-Sieg im Netz. "Eine Woche später spielte ich aber schon wieder."

Heute steht der 50-Jährige selten auf dem Platz. Nur bei den KSC-Altstars und ein paar AH-Spielen seiner Forbacher Kumpels und gelegentlich in der Halle. "Da sind mittlerweile 35-Jährige dabei. Und ich bin nicht der Trainingsfleißigste", gesteht Fritz, der sich jedoch mit seinem Mountainbike und beim Skilaufen im Winter fit hält.

Mit dem Verlauf seiner Karriere hadert der 50-Jährige nicht. "Mir war klar, dass es für mich nicht bis ganz nach oben reicht", konstatierte der Junge aus Forbach rasch und büffelte nebenher an der Uni für seinen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur. Nach zwei Jahren beim SV Sandhausen, mit dem er 1995 Meister der Oberliga wurde, war er beim SSV Ulm 1846 neben Rainer Widmayer (Co-Trainer beim VfB Stuttgart) der einzige Nicht-Profi. An die zwei Jahre bis zum Karriereende wegen eines Achillessehnenanrisses 1998 erinnert sich Fritz nicht nur wegen des Zweitliga-Aufstiegs gerne. Vor allem Ralf Rangnick beeindruckte ihn in Ulm als "super Trainer".

Manche KSC-Legende vom 7:0 machte nach dem Ende der aktiven Laufbahn weiter Karriere im Fußball. Slaven Bilic, Dirk Schuster und Wolfgang Rolff etwa als Trainer. Der gleichaltrige Oliver Kahn, der am 15. Juni 50 wurde, soll nun gar den FC Bayern München als Vorstand auf Kurs halten.

Andere Karriere

als Kahn, Bilic & Co.

Den Ex-Nationaltorhüter hatte Fritz auch beim Jubiläum zu 125 Jahre KSC getroffen. "Er hat mich nicht mehr richtig erkannt", zeigt Fritz Verständnis - schließlich umschwirrten Kahn genügend Motten wie das Licht. Neid verspürt er dabei keinen, weder auf die Karrieren der alten Kameraden als erfolgreiche Trainer und Manager noch die Verdienstmöglichkeiten heutiger Profis. "Die Nachfrage bestimmt den Preis - und die Nachfrage steigt weiterhin", konstatiert Fritz. Zudem hat er auch tragische Abstiege einstiger KSC-Mannschaftskollegen vor Augen wie den wegen Betrugs verurteilten Arno Glesius.

Fußball-Karriere ein "netter Türöffner"

Von seiner Fußball-Karriere profitiert der Jubilar außerdem immer noch ein bisschen. Seit zwei Jahren ist der Wirtschaftsingenieur freiberuflich als Interimsmanager tätig. Er springt ein, wenn in einem Unternehmen "im kaufmännischen Bereich eine operative Vakanz" - etwa durch Krankheit oder Kündigung eines Managers - entsteht. Die Mitarbeiter googeln natürlich rasch nach dem Neuen. "Es ist ein netter Türöffner, wenn sie sehen, dass ich mal in der Bundesliga kickte", wird Fritz "immer wieder darauf angesprochen." Dass bei seinem aktuellen Brötchengeber in Karlsruhe eine Festanstellung daraus wird - wie es etwa Hansi Flick bei weiteren Erfolgen als Interimslösung bei den Bayern sicher erhofft -, kann sich der Jubilar nicht vorstellen. "Dafür schätze ich meine Freiheiten als Selbständiger zu sehr", betont der 50-Jährige, zumal der "Markt derzeit toll ist für mich". Heute und morgen lässt der Wirtschaftsingenieur aus Staufenberg allerdings Markt Markt sein und feiert mit Gattin Beate und Töchterchen Sara im Europapark Rust den runden Geburtstag.

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