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Wettbüro mit schlechten Chancen
Wettbüro mit schlechten Chancen
30.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Die nördliche Hauptstraße ist einem steten Wandel unterzogen. Während das Damenmoden-Geschäft Hanife nach kaum vier Monaten die Räume neben der Kirche St. Josef schon wieder verlassen hat, soll ein paar Meter nördlich, auf der anderen Straßenseite, ein Leerstand dem Ende zugehen. Doch die Chancen stehen schlecht. Denn ein Wettbüro will die Stadt an dieser Stelle nicht. Sie wird eine Verfügung erlassen, die diese Nutzung untersagt.

Seit ein paar Tagen schon sind die Schaufenster foliert mit eindeutigen Schriftzügen: "Sportwetten, Livewetten" des Anbieters Tipwin werde man hier abgeben können - täglich von 11 bis 23 Uhr.

"Der Betreiber hatte bei der Stadt Gaggenau die Einrichtung einer Wettannahmestelle beantragt, die auch genehmigt wurde", bestätigte gestern Judith Feuerer, die Pressesprecherin des Rathauses. Aber: "Nachdem durch Mitarbeiter der Baurechtsbehörde festgestellt wurde, dass sich in dem Objekt Monitore für Livewetten befinden, wurde der Betreiber auf die Unzulässigkeit hingewiesen. Eine Wettannahmestelle ist möglich, aber ein Wettbüro mit Livewetten nicht."

Innenstadt gilt als schützenswert

Das Rathaus verweist auf eine maßgebliche Änderung des Bebauungsplans aus dem Jahr 2011. Diese wiederum nimmt Bezug auf das städtische Einzelhandelskonzept. In der Folge verabschiedete der Gemeinderat Leitlinien für die Duldung von Vergnügungsstätten.

Deren Ausbreitung will die Stadt bestenfalls kontrolliert zulassen. Nur in Mischgebieten sollen Vergnügungsstätten möglich sein, "solange nicht die städtebauliche Qualität negativ beeinflusst wird", heißt es in den Leitlinien. Hier wiederum müssen Anfragen vom Gemeinderat gebilligt werden. Gemeint sind insbesondere Spielhallen, Wettbüros, Nachtlokale, Diskotheken und Swinger-Clubs.

"Es gibt ständige, hartnäckiger werdende Anfragen", stellte die Verwaltung bereits im Jahr 2011 fest. Daran hat sich augenscheinlich nichts geändert. Doch einer unkontrollierten Ausbreitung will man weiter entgegenwirken. Denn negative Folgen seien zu befürchten:

Verdrängungseffekt auf Einzelhandel, Gastronomie, tägliche Dienstleistungen, Wohnen.

Hochwertige Nutzungen ziehen fort, weil sie die Nähe der Vergnügungsstätten meiden (Trading-Down-Effekt).

Geringere Aufenthaltsqualität durch Erscheinungsbild.

Ein Totalausschluss von Vergnügungsstätten ist nach Ansicht der Stadtverwaltung nicht möglich. Grundsätzlich sollen aber "Ausschlusszonen" def iniert werden; als Grundlage dient das Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Versorgungsbereiche sollen freigehalten werden, ebenso Gewerbe- und Industriegebiete sowie Wohngebiete.

Das bedeutet, dass Innenstadt und Stadtteilkerne von Vergnügungsstätten frei bleiben sollen. Bestehende, genehmigte Betriebe sind von der Regelung nicht betroffen.

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