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Lancaster-Maschine zerschellt am Wildsee
04.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Vor 75 Jahren, im Jahr 1944, wurde der Luftraum zunehmend von den Alliierten beherrscht. Auch über dem Murgtal sah man die hochfliegenden amerikanischen Bomberverbände und hörte nachts das monotone Dröhnen der britischen Lancaster-Bomber. Deutsche Städte sanken in Schutt und Asche. Auch Gaggenau wurde weitgehend zerstört, 200 Menschen starben.


Doch der unbarmherzige Luftkrieg forderte auch bei den Flugzeugbesatzungen seine Opfer. Drei Lancaster stürzten damals über dem Murgtal ab. In der Nacht des 4. Dezember brannte eine Maschine im Wildseemoor aus. Schon am 27. April waren zwei Bomber abgestürzt - eine Lancaster zerschellte auf der Schwarzmiss, die andere raste gegen den Latschigfelsen. Bei den drei Abstürzen kamen 14 Flieger ums Leben.

Die Maschine, die in der nasskalten Dezembernacht 1944 vor 75 Jahren ins Wildseemoor krachte, war um 16.30 Uhr vom englischen Flugplatz Metheringham gestartet. An Bord der viermotorigen Lancaster mit der Kennung PB 281 war eine ausgesprochen junge Crew. Flugzeugführer Thompson und sein Navigator waren gerade einmal 20 Jahre alt, die anderen fünf Besatzungsmitglieder kaum älter. Mit einer Ausnahme stammten die jungen Männer aus South Wales in Australien.

Die Lancaster flog im Verband mit weiteren 291 Flugzeugen in der hereinbrechenden Winternacht in 5 000 Metern Höhe über den Ärmelkanal. Die Operation "Sawfish" hatte die Bombardierung von Heilbronn zum Ziel. Nach drei Stunden Flugzeit hatten die Bomber ihr Zielgebiet erreicht, Heilbronn lag durch Leuchtbomben taghell angestrahlt unter ihnen.

1 300 Tonnen Bomben fallen auf Heilbronn

Bombenschütze Donald Hanscombe löste um 19.35 Uhr die Bombenlast aus. Die Flieger rochen durch ihre Atemmasken den beißenden Qualm der brennenden Stadt, doch das schreckliche Inferno, das sie anrichteten, konnten sie nur erahnen. Mehr als 1 300 Tonnen Bomben fielen zwischen 19.29 und 19.55 Uhr auf Heilbronn. 7 000 Menschen fanden den Tod.

Nachdem der Bombenschacht der Lancaster PB 281 wieder geschlossen war, steuerte Thompson das Flugzeug Richtung Südwesten auf Heimatkurs England. Die Besatzung hatte zunächst Glück, weder das Flak-Abwehrfeuer von Heilbronn noch die deutschen Nachtjäger behelligten ihre Maschine. Doch da gab es in jener nasskalten Winternacht ein verhängnisvolles Wetterphänomen - die von den Fliegern gefürchtete Vereisung. An den Tragflächen setzte sich Eis an, die Maschine ließ sich kaum mehr steuern - und schließlich zog ein tonnenschwerer Eispanzer das Flugzeug in eine kritische Fluglage.

Bereits außer Kontrolle zog die Lancaster gegen 20 Uhr über das Enztal, raste in einer Höhe von nur noch wenigen Metern über das Wildseemoor, riss eine breite Schneise in die Latschen und schlug in der Nähe des Wildsees auf. Tausende Liter Treibstoff gingen in Flammen auf. Sechs Flieger starben, nur Leslie Burton, der Bordschütze im Heckstand der Maschine, überlebte verletzt. Er schleppte sich vom brennenden Flugzeug weg, kehrte später noch einmal zum Wrack zurück, wo er zwei verstümmelte Körper fand, die er nicht mehr identifizieren konnte.

Früh am nächsten Morgen verließ Förster Fritz Mutterer das Forsthaus Grünhütte, um das Wild zu füttern. Familie Mutterer hatte vom Absturz des Bombers in der Nacht nichts bemerkt. Am Rand des Wildseemoores stieß Mutterer auf Fußspuren im Schnee, sie führten zu einer Jagdhütte. Dort fand er den verletzten Leslie Burton. Mutterer schleppte den Australier zur Grünhütte, wo er versorgt und später der Wildbader Polizei übergeben wurde. Burton wurde ins Flieger-Gefangenenlager Stalag IX C bei Weimar überstellt. Dort befanden sich auch sechs Besatzungsmitglieder der Lancaster ME 631, die bereits am 27. April 1944 auf der Schwarzmiss im Reichentaler Gemeindewald abgestürzt war.

In der nächsten Folge der kleinen Serie berichtet das BT darüber

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