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Zukunft ungewiss
Zukunft ungewiss
07.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "Es ist wie in einer Ehe: Ist das Vertrauen erschüttert, weil man vom Anderen einmal hintergangen wurde ...", verglich Karsten Mußler im Disput das Vorgehen seines Bürgermeister-Kollegen Julian Christ. Die Ehe der Kuppenheimer und Gernsbacher im Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal (WVV) ist bereits deutlich über die "Goldene Hochzeit" hinaus - doch ob sie die "Eiserne Hochzeit" erlebt, darf nun füglich bezweifelt werden.

Mußler tobte gestern bei der Verbandsversammlung im Gernsbacher Rathaus. Das Kuppenheimer Stadtoberhaupt wittert nicht nur Bestrebungen in Gernsbach, dem WVV den Garaus zu machen. Laut Beschluss des Tagesordnungspunkts 2 sollten nicht nur Optionen "alternativer Versorgungsvarianten" samt einer Auflösung ermittelt werden, sondern auch "Investitionen in die Infrastruktur" auf das "zwingend notwendige Maß begrenzt" werden. So will Christ verhindern, dass durch "riesige Ausgabenbeträge Fakten geschaffen werden", die den Fortbestand des WVV erzwingen.

Angesichts der Herausforderungen durch die steigende PFC-Belastung des Wassers, die gestern auch Thema war und weitere Investitionen in die Trinkwasseraufbereitung erforderlich macht angesichts strenger werdender Richtwerte, mochte sich Mußler mit solch einer Passage keinesfalls anfreunden. Dabei wusste der Kuppenheimer Bürgermeister den Geschäftsführer der Star-Energiewerke, Olaf Kaspryk, auf seiner Seite. Die Rastatter erledigen die technische Betriebsführung für den WVV. Obwohl der Streitpunkt auf zwei Abstimmungen verteilt wurde, unterlagen die beiden bezüglich der Investitionszurückhaltung durch ein Patt. Bei einem 2:2 entscheiden die größeren Anteilseigner - in dem Fall Gernsbach und Gaggenau.

Dessen Bürgermeister Michael Pfeiffer hatte zumindest zugestimmt, dass im ersten Teil beim Satz "... Optionen, welche auch die Auflösung des Verbandes ermöglichen", ein "auch" eingefügt wurde - um es nicht gleich so klingen zu lassen, als sei das Aus des Wasserversorgungsverbandes bereits so gut wie beschlossen. Dem konnten dann alle vier Vertreter zustimmen.

In dem aus Mußlers Sicht zwielichtigen Theater spielen die Gaggenauer eine Nebenrolle: Sie übernehmen zum Jahresbeginn die Verbandsverwaltung, die Gernsbachs Stadtbaumeister Jürgen Zimmerlin seit 16 Jahren und Stadtkämmerer Benedikt Lang seit knapp drei Jahren nebenher stemmen mussten. Gegen diese "Professionalisierung" mittels des Gaggenauer Fachpersonals, wie Christ dafür warb, hatten Mußler und Kaspryk keine generellen Einwände. Sie enthielten sich bei der Abstimmung dieses dritten Tagesordnungspunktes - gleichwohl die Kosten für den WVV dadurch um rund 30 000 Euro pro Jahr auf fast 80 000 Euro steigen, was letztlich die Wasserkunden bezahlen müssten, betonte Mußler.

Am meisten stieß dem stellvertretenden Verbandsvorsitzenden jedoch sauer auf, dass er sich von Christ mehrfach hintergangen fühlte. Den Verbandschef watschte er in einer zweiseitigen Pressemitteilung heftig ab. Von "gut vorbereiteten Entscheidungen, Transparenz, Kollegialität und Einbeziehung der jeweiligen Gemeinderäte" wie zu Zeiten von Christs Vorgänger Dieter Knittel könne beim WVV keine Rede mehr sein. "Leider gelten diese Prinzipien seit der Übernahme der Verbandsführung durch den heutigen Vorsitzenden wohl nicht mehr", leitete Mußler die Wasserschlacht mit Christ ein.

Es sei eine "Farce", ihn als Stellvertreter am 26. November zu einem "Vorgespräch" einzuladen, obwohl schon am 21. November die Tagesordnung übersendet worden sei, laut der es um die "Zukünftige Entwicklung des WVV" und die "Übertragung der Verbandsverwaltung an die Stadt Gaggenau" ging. Diese Vorlagen kamen für Mußler "sehr überraschend" und seien "in der Sache unvollständig" gewesen. Seine diesbezüglichen Hinweise seien überdies "ignoriert" worden.

Geheimverhandlungen mit Gaggenau

Unabhängig von den "gewohnt sehr dürftigen Sitzungsunterlagen" störte sich Mußler vor allem an den Geheimverhandlungen der Gernsbacher und Gaggenauer über die Übertragung der Verbandsverwaltung. In einer E-Mail vom 25. Oktober tat Christ kund, Zimmerlin und Lang hätten ihre Verbandsarbeit zum Jahresende gekündigt. "Leider hat es der Verbandsvorsitzende versäumt, seinen Stellvertreter und die Stadt Kuppenheim als zweitgrößten Gesellschafter des Verbandes darüber zu informieren, dass seit Monaten an einer Übertragung der Verbandsverwaltung gearbeitet wird." Im Nachhinein kam heraus, dass bereits 18 Tage vor der Kündigung der Stadtbediensteten, von denen laut einem Insider einer monatlich rund 1 000 Euro für sein Engagement erhielt, eine "finale Einigung" mit Gaggenau erzielt worden sei.

Mußler, der "keine Kritik an Zimmerlin und Lang" persönlich üben wollte und diesen wie Christ dankte für die Arbeit, befand letztlich: "Selbst wenn der Beschluss aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Verband satzungskonform sein sollte, ist die intransparente Vorgehensweise des Verbandsvorsitzenden bedenklich." Sein "Vertrauen sei missbraucht worden, das Verhalten lasse "tief blicken. So können Sie vielleicht in Gernsbach agieren - in Kuppenheim sind wir Anderes gewohnt".

Christ entgegnete auf die Vorwürfe nur wenig und schrieb Mußlers Attacken dessen "Abneigung gegen die Stadt Gaggenau" zu. Er wundere sich, dass ausgerechnet Mußler als "einer der härtesten Kritiker" des WVV "die Übergabe kritisch" bewerte. Der Kuppenheimer zeigte sich hierdurch aber unbeeindruckt und hinterfragte den Verwaltungswechsel gen Gaggenau auch bezüglich des Datenschutzes und weiterer zahlreicher offener Fragen. Zu "Protokollen" der Verhandlungen, die Mußler vorgelegt haben möchte, wollte Christ "keine Ausführungen machen".

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