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"Transformation nicht aufzuhalten"
'Transformation nicht aufzuhalten'
07.12.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau (red) - Die IG Metall Gaggenau nimmt die Mitgliederzahl von 25 000 in den Blick. Die Zahl stieg erneut, dieses Mal auf 24 981, davon 14 997 in den Betrieben. Im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung im Unimog-Museum stand aber zunächst die politische Lage.

Die 1. Bevollmächtigte Claudia Peter begann laut IGM-Mitteilung vor rund 100 Delegierten mit einem Lob für die Bundesregierung: "Bis heute verabschiedete diese Koalition auch einige für Arbeitnehmer ausgesprochen positive Gesetze, die jedoch kaum wahrgenommen wurden." Als Beispiel nannte sie paritätische Finanzierung der Krankenversicherung, zusätzliche Qualifizierungen für Langzeitarbeitslose, Brückenteilzeit, Teilhabechancengesetz und Entlastungspaket bei der Pflege: "Für mich steht fest: Am lautesten poltern ausgerechnet diejenigen gegen diese Arbeit, die sich am wenigsten politisch engagieren."

In vielen Betrieben der Region wirke sich bereits eine schwächelnde Wirtschaft aus, wurde anschließend deutlich. Delegierte berichteten von Abbau von Stellen bei den Leiharbeitnehmern, Personalkürzungen, Schließtagen, Stundenabbau und allgemeinen Kosteneinsparungen, erläutert Michael Kunst in seiner Mitteilung für die IG Metall.

"Die Ursachen für eine schwächer werdende Konjunktur sind diesmal ganz andere als vor zehn Jahren", betonte Peter. "Wenn ein politischer Scharfmacher wie US-Präsident Trump Handelspolitik macht, dann wirkt sich das in einer exportlastigen Wirtschaft wie der deutschen ganz besonders aus." Die Betriebe in Baden-Württemberg seien etwas stärker betroffen als im Bundesschnitt. "Hier sind besonders viele Automobil- und Maschinenbauer ansässig. Vor allem bei den Maschinenbauern und bei den Lkw macht sich eine schwächelnde Konjunktur schnell bemerkbar."

Sorgen wegen

schwacher Konjunktur

Doch dürften Themen wie Transformation und Digitalisierung in den Betrieben jetzt nicht verdrängt werden. "Die Veränderung wird nicht aufzuhalten sein", gab Peter zu bedenken. "Und ich weiß: Gerade zu den Transformationsthemen gibt es derzeit sehr kritische Diskussionen. Ist der Elektroantrieb wirklich die richtige, zukunftsweisende Technik? Und was ist mit den Umweltproblemen?"

Denn der Verbrennungsmotor werde an Bedeutung verlieren, "und darauf müssen wir uns einstellen. Wir sollten uns endlich die Frage stellen: Was können wir tun, damit unsere Nachkommen eine lebenswerte Zuku nft haben?" Bei alledem werde es die Aufgabe der Gewerkschaft sein, die Arbeitnehmer in der anstehenden Transformation zu begleiten und entsprechend die Arbeitsplätze zu sichern.

Die Reaktionen der süddeutschen Betriebe angesichts einer eher stagnierenden als tatsächlich nach unten weisenden Wirtschaftslage bezeichnete Peter als fragwürdig. "Arbeitsplatzabbau, Massenentlassungen, Tarifflucht, Einsparungsprogramme, Verlagerung von Produktionsstätten nach Osten." Doch es sei eben keineswegs geklärt, ob nun tatsächlich konjunkturelle Probleme oder Schwierigkeiten mit der Transformation oder Strukturprobleme eine Rolle spielen. Deshalb forderte Peter: "Keine Sanierung auf dem Rücken der Beschäftigten." Anschließend berichteten Betriebsräte über die Lage in ihren Betrieben. Dabei wurde deutlich, dass in den meisten Unternehmen die eher schwache Konjunkturlage zu Besorgnis Anlass gibt. Doch es gab auch Positives zu berichten.

Batteriefertigung als Hoffnungsschimmer

So wies Ulrich Zinnert, Betriebsrat bei Mercedes-Benz Rastatt, darauf hin, dass 200 Zeitarbeitnehmer übernommen werden. Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im "Benz" Gaggenau, berichtete im Rahmen der Transformation von weit vorangeschrittenen Gesprächen mit der Unternehmensleitung, die einen Eintritt der Gaggenauer ins Batterieersatzteilgeschäft ermöglichen können.

Der ehemalige 1. Bevollmächtigte Heinz Goll (81) verabschiedete sich nach 67 Jahren IG-Metallmitgliedschaft und 63 Jahren Zugehörigkeit als Delegierter mit den Worten: "Ich will Jüngeren Platz machen. Viel Erfolg - bleibt bei der Stange!"

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