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In Selbach wird noch gebacken, aber nicht mehr verkauft
11.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau/Baden-Baden - In Selbach wird es weiter einen Bäcker geben - aber zum Brötchenkaufen müssen die Selbacher ab Januar woanders hinfahren. Während Philipp Bleier, Inhaber der traditionsreichen Bäckerei Hornung, in der Brunnenstraße weiter die Backstube betreiben will, wird der Verkaufsladen dort am 31. Dezember schließen.

Die Verkaufsfiliale im benachbarten Ebersteinburg werde er weiterhin betreiben, erläutert Philipp Bleier im BT-Gespräch. Darüber hinaus plane er, von seinem Verkaufswagen in Haueneberstein in ein festes Verkaufsdomizil umzuziehen: in die leer stehenden Räume der ehemaligen Metzgerei Kahles in der Eberbachstraße. Dort war zuletzt für einige Monate der Hofladen des Landseehofs untergebracht.

Der Verkauf an der Produktionsstätte in Selbach sei aber auf Dauer nicht rentabel, begründet Bleier die Schließung in Selbach. "Wir sind nicht an der Durchfahrtstraße, sondern weg vom Schuss." Nachdem er den Betrieb übernommen habe, "haben wir alles Mögliche probiert", um den Verkaufsladen wirtschaftlich zu betreiben. Aber auch der Schritt, das Geschäft nur noch vormittags zu öffnen, habe nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt.

Für Selbachs Ortsvorsteher Michael Schiel ist die Schließung das Ende einer langen, unguten Entwicklung. Der letzte Bäcker im Ort mache nun zu, einen Metzger gibt es seit Anfang 2012 nicht mehr. Schiel und den gut 1 500 Selbachern bleibt nur die Erinnerung an die Zeiten, als Bäckermeister Hans Hornung und seine Frau eine beliebte Institution waren. Doch Hans Hornung starb im März 2017 im Alter von 61 Jahren, nachdem er in der Backstube einen Herzinfarkt erlitten hatte. Mit ihm war die Selbacher Bäckerei in der fünften Generation in Familienbesitz - gegründet 1828. 2015 war Hornung anlässlich seines 60. Geburtstags mit der großen Ehrenurkunde der Handwerkskammer Karlsruhe ausgezeichnet worden. Er war seit 1994 Meisterbeisitzer im Prüfungsausschuss.

"Alles Geschichte", sagt Ortsvorsteher Schiel traurig. Wer ein Auto hat, der kauft mittlerweile im benachbarten Ottenau ein. Aber was machen die, die nicht mobil sind? "Schlimm gerade für ältere Leute" sei die Situation. Sieben Tante-Emma-Läden habe es in seiner Jugend noch in Selbach gegeben.

Doch habe deren Sterben bereits begonnen, als die Alten von heute noch die Jungen waren, erinnert sich Schiel an die 70er Jahre: "Einmal in der Woche hat man im EKZ den Kofferraum vollgemacht." Und im Wohnort nur eben das gekauft, was man in Oberndorf vergessen hatte.

Den Gedanken an einen Dorfladen auf genossenschaftlicher Basis hat Schiel mittlerweile verworfen. "Die potenziellen Ehrenämtler wären jetzt auch zu alt", gibt er zu bedenken. Und die Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf in Ottenau und Hörden sind als starke Konkurrenten viel zu nah.

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