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Selten, dass gebrochene Herzen so viel Freude bereiten
Selten, dass gebrochene Herzen so viel Freude bereiten
16.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - "Ich liebe es, Theater zu inszenieren, das Publikum zu packen und es mitzunehmen an einen anderen Ort", sagte Willy DeVille einmal in einem Interview. Die Formation "Broken Heart" hat sich mit Leib und Seele der Musik des US-amerikanischen Sängers und Songwriters verschrieben. Am Wochenende begeisterte sie, zehn Jahre nach Willy DeVilles Tod, mit zwei Konzerten in der Gaggenauer klag-Bühne. Zu diesem besonderen Anlass war unter anderem auch eine kleine Willy DeVille-Fangruppe eigens aus München angereist.

Mit großem Einsatz, Leidenschaft und Authentizität schaffte es die Band, ihr Publikum mitzunehmen auf eine Reise voller Liebe und Herzschmerz. Als die Musiker, bis auf Sänger Mario Götz alle in Schwarz gekleidet, die Bühne betreten, brandet ihnen warmer Applaus entgegen. Hier muss in den ersten Minuten kein Eis gebrochen, keine Distanz überwunden werden, weil die Musiker vom ersten Ton an sofort ganz nah an ihren Zuhörern dran sind, sie umarmen mit ihrer Bühnenpräsenz und Spielfreude.

Mit einer theatralischen Geste, die Willy DeVille sicherlich gefallen hätte, verneigt sich der im Kolonialstil gekleidete Mario Götz tief vor dem Publikum und lässt seinen Blick mit breitem Lächeln wandern. Dann, wie aus dem Nichts, verfällt Schlagzeuger Martin Schumacher in den Rhythmus zu "Jump City" - und die Show beginnt. Gunther Arntz (Saxophon), Rolf Asal (Trompete) und Marc O. Dopf (Piano) überrollen die klag-Bühne mit einem gewaltigen Klangbild. Dann erhebt Mario Götz die Stimme und spätestens jetzt wird auch dem letzten Zweifler klar, dass es kaum einen geeigneteren Sänger gibt, der Willy DeVilles Ausdruck so nahe kommt wie er.

Zwischen Hypnose und Begeisterungssturm

Immer wieder bekommt das Publikum zu spüren, mit wie viel Herzblut die Musiker bei der Sache sind und wie sehr sie in den Stücken aufgehen. Stimmgewaltig und doch engelsgleich unterstützen die Sängerinnen Angela Fülle und Argentina Schumacher Mario Götz, der immer wieder zwischen den Liedern prägnante Textpassagen in deutscher Übersetzung rezitiert und damit die Gefühlsintensität hautnah 'rüberbringt.

"Broken Heart" möchte mit der Hommage an Willy DeVille ein "Bollwerk der Liebe" errichten, was ihnen mühelos gelingt. Mit "This must be the Night" und "All in the Name of Love" berühren sie die Seelen der Zuhörer, die teilweise wie hypnotisiert an den Lippen des Sängers haften. Begeisterungsstürme brechen los, als Eckhard Rein die Violine gegen eine Mundharmonika tauscht und Roland Hasenohr den Bottleneck in einem bemerkenswerten Solo zum Einsatz bringt. Abgerundet wird der Sound durch den harmonischen Einklang mit den Bassgrooves von Ludwig Weber und dem Einsatz von Marc O. Dopf am Akkordeon. Unter die Haut geht die "Storybook Love". Hier ist es nicht nur der einfühlsame Pianopart, sondern sind es auch die ausdrucksstark gesungenen Liedzeilen, einem Gebet gleich, die anrühren. Vor der Pause begeistern "Broken Heart" ihre Zuhörer mit "Spanish Harlem" und "Hey Joe", das die unverkennbar mexikanisch geprägte DeVille-Note durch Bläsersatz und Percussiondominanz nicht vermissen lässt.

Nach "Love and Emotion" und "No such Pain as Love" sorgt "Still (I love you still)" für Begeisterungsrufe im Publikum. Beeindruckend präsentieren Angela Fülle und Argentina Schumacher im Duett eine emotionale Interpretation von "Bridge over troubled Water", die mit frenetischem Beifall belohnt wird.

"Musikalisch erfolgreich ist, wer es schafft, dass das Publikum so still und gefesselt ist, dass man eine Nadel fallen hört", sagte Willy DeVille einmal. Genau das ist "Broken Heart" gelungen bei "When the Night falls", einem begnadet schönen Liebesbekenntnis. Als die letzten Akkorde verklingen, herrscht sekundenlang ergriffene Stille, dann bricht der Applaus los.

Mit dem technisch anspruchsvollen "Keep a knockin'" treten die Latino-Einflüsse in den Vordergrund und bilden den Schlusspunkt des Konzerts, das mit stehenden Ovationen belohnt wird. Nach zwei Zugaben endet die Show.

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