https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
"Stolpersteine" in Gernsbach
'Stolpersteine' in Gernsbach
18.12.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Die Stadt beteiligt sich am Projekt "Stolpersteine". Das hat der Gemeinderat am Montag einstimmig beschlossen. Damit soll die beständige Erinnerung an verfolgte oder ermordete Opfer des Nationalsozialismus sichtbar gemacht werden, die in Gernsbach ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten oder sich dort als Opfer des NS-Regines zwangsweise aufhalten mussten. Die Federführung des Projekts übernimmt das Stadtarchiv, wobei insbesondere die weiterführenden Schulen (Realschule, Von-Drais-Schule, Albert-Schweitzer-Gymnasium) für die Pflege und kontinuierliche Erinnerungsarbeit mitverantwortlich sind. Die Kosten (circa 1 500 Euro im Jahr 2020 und rund 1 000 Euro in den Folgejahren) werden in den Haushalt eingestellt.

"Die Aufarbeitung unserer Geschichte ist mir ein besonderes Anliegen", erklärte Bürgermeister Julian Christ. Er nannte die "Stolpersteine" für Gernsbach eine "überfällige Geschichtsarbeit". Stadtarchivar Wolfgang Froese unterstrich dies mit drei Beispielen Gernsbacher Bürger, die unter der Schreckensherrschaft im Dritten Reich zu Tode kamen: "Es ist wichtig, dass wir diese Schicksale in der NS-Zeit ermordeter Gernsbacher nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen." Um das zu gewährleisten, sei die Beteiligung am 1992 gestarteten Projekt des Künstlers Gunter Demnig genau der richtige Weg. Die "Stolpersteine" gelten inzwischen als größtes dezentrales Mahnmal der Welt. Beteiligt sind Angaben Froeses zufolge etwa 2 000 Kommunen (darunter Gaggenau, Kuppenheim und Baden-Baden) mit insgesamt circa 70 000 verlegten Steinen.

Dabei handelt es sich um quadratische Messingtafeln mit einer Kantenlänge von 96 mal 96 Millimetern, die mit einem Betonsockel versehen sind und in der Regel vor dem letzten Wohnort in den Bürgersteig eingelassen werden. Sie weisen als Inschrift nach der Überschrift "Hier wohnte" Vor- und Nachname, Geburtsjahr, Deportationsjahr und -ort sowie Angaben zum Schicksal der Person auf. Es gilt der Grundsatz: "ein Mensch - ein Stein - ein Schicksal".

"Es wird genau da an Geschichte erinnert, wo sie stattgefunden hat. Eine stärkere Mahnung kann es kaum geben", meinte Thomas Hentschel (Grüne). "Das Thema ist aktueller denn je", fand Uwe Meyer (Freie Bürger). Es sei wichtig, dass das Ganze von der Bürgerschaft mitgetragen werde, von daher sei es ein gutes Zeichen, dass die Schulen Bereitschaft signalisiert haben, sich entsprechend zu engagieren. Dr. Irene Schneid-Horn (SPD), die sich im Arbeitskreis für Stadtgeschichte schon viele Jahre mit dem Gedenken an die NS-Opfer auseinandersetzt und viel Aufklärungsarbeit leistet, hätte sich gewünscht, dass sich eine Gruppierung explizit um das Projekt kümmert - so wie in Gaggenau die dortige Realschule. "Man braucht einfach die lebendige Auseinandersetzung mit dem Thema." Sie appellierte an die Bürger der Stadt, das Projekt zu unterstützen.

Mit gutem Beispiel voran gingen einige Gemeinderatsmitglieder, die zusagten, sich an den Kosten für die Stolpersteine beteiligen zu wollen. Lob gab es für Stadtarchivar Froese für die Vorbereitung des Themas. "Sie machen Archivarbeit erlebbar", freute sich Frauke Jung (CDU) und Uwe Meyer ergänzte: "Wir haben den Eindruck, das Thema ist bei Ihnen in guten Händen."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gernsbach
Hochwasserschutz verschlingt Millionen

13.12.2019
Millionenprojekt Hochwasserschutz
Gernsbach (stj) - Die Umsetzung der Pläne für das Pfleiderer-Areal hängen maßgeblich vom Hochwasserschutz ab. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigt nun entsprechende Maßnahmen auf. Diese kosten zwischen 8,4 und 15,1 Millionen Euro (Foto: Archiv). »-Mehr
Karlsruhe
Karlsruhe (red) - Für Engagement in der Völkerverständigung sind Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters, und Jan Linders, ehemaliger Chefdramaturg, mit der Fächer-Pyramide geehrt worden. Der Kulturpreis wurde am Samstag überreicht (Foto: Frühe/Staatstheater).

04.11.2019
Fächer-Pyramide verliehen
Karlsruhe (red) - Für Engagement in der Völkerverständigung sind Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters, und Jan Linders, ehemaliger Chefdramaturg, mit der Fächer-Pyramide geehrt worden. Der Kulturpreis wurde am Samstag überreicht (Foto: Frühe/Staatstheater). »-Mehr
Kuppenheim
Sieben neue Stolpersteine für Kuppenheim

29.10.2019
Kuppenheim: Neue Stolpersteine
Kuppenheim (red) - Der Künstler Gunter Demnig kommt am Dienstag, 29. Oktober, um 14 Uhr zum siebten Mal nach Kuppenheim, um sieben weitere "Stolpersteine" zu verlegen. Die Verlegestelle werden vom zuständigen Arbeitskreis und Bauhof vorbereitet (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Ein Dankeschön aus tiefstem Herzen

28.10.2019
Ehrenamtsabend findet Anklang
Baden-Baden (co) - Beim ersten Ehrenamtsabend der Stadt Baden-Baden herrschte großer Andrang in der Akademiebühne. Oberbürgermeisterin Margret Mergen ehrte zahlreiche engagierte Ehrenamtler aus Vereinen und Initiativen (Foto: Hecker-Stock). Cornelia Bitsch moderierte den Abend. »-Mehr
Gaggenau
Erste weiterführende Naturparkschule

24.10.2019
Weiterführende Naturparkschule
Gaggenau (uj) - Die Realschule Gaggenau ist die erste weiterführende Naturparkschule im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Geschäftsführer Karl-Heinz Dunker übergab am Mittwoch die entsprechende Urkunde samt und Plakette an Realschulrektor Axel Zerrer (Foto: Jahn). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Experten befürchten, dass sich das Coronavirus weiter ausbreiten könnte. Haben Sie Angst vor der Lungenkrankheit?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz