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Viele Projekte, viele Millionen
18.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Die Hochwassergefahr an der Murg zu minimieren ist eine Mammutaufgabe. Viele Jahre wird es brauchen und viele Millionen kosten, bis die Städte und Gemeinden entlang der Murg auch vor einem sogenannten 100-jährlichen Abfluss (kurz HQ 100 genannt) gewappnet sind. Die Machbarkeitsstudie, die am Montagabend im Gernsbacher Gemeinderat präsentiert wurde, verdeutlicht, welche Schritte für eine zeitnahe Umsetzung entsprechender Maßnahmen im Bereich des Gewässers erster Ordnung (von der Murginsel bis zur Gemarkungsgrenze Gaggenau) vonnöten sind.

Urban Ronecker vom Ingenieurbüro Wald + Corbe (Hügelsheim) verwies im Wesentlichen auf neun Schwachstellen im Stadtgebiet - unter anderem auf den Murgdeich und das Ufergelände beim Wörthgarten, die Stadtbrücke und den Katz'schen Garten - und zeigte jeweils mögliche Maßnahmen auf. Als eine Variante, die mit überschaubarem Aufwand und relativ kurzfristig realisierbar sei, schlägt das Ingenieurbüro zum Beispiel die Aufweitung der Murg im Bereich des derzeitig eingeengten Bereichs des ehemaligen Pfleiderer-Areals (Wörthgarten) vor, um so dem Aufstau in der Murg, der sich auf den Katz'schen Garten und bis zur Stadtbrücke hin auswirkt, zeitnah entgegenzuwirken. Weitere Vorhaben - etwa der Bau einer hochwasserschutztauglichen Mauer an der Igelbachstraße oder die Deichrückverlegung im Bereich der Gernsbacher Kläranlage - seien eher bei den mittelfristigen Maßnahmen und der Neubau der Stadtbrücke bei den langfristigen zu verorten.

"Der Hochwasserschutz in unserer Stadt ist ein überfälliges Thema, wenn wir an vergangene Überflutungen denken. Er betrifft uns an einigen Stellen und lässt sich nicht auf eine einzelne Maßnahme reduzieren. Hier wollen wir gemeinsam mit dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium zu einer Verbesserung kommen", erklärte Bürgermeister Julian Christ. Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat zu, die Machbarkeitsstudie als Grundlage weiterer Schritte für eine zeitnahe Umsetzung des 100-jährlichen Hochwasserschutzes zu beschließen und entsprechende Haushaltsmittel zu veranschlagen.

"Wir haben die Chance, hier eine maßgebliche Verbesserung zu erzielen", meinte Uwe Meyer. "Es wäre fatal, wenn wir das jetzt nicht weiter auf den Weg bringen würden", unterstrich der Fraktionschef der Freien Bürger. Eine zügige Umsetzung forderte auch Dr. Irene Schneid-Horn: "Es wäre fast fahrlässig, das durch zu viele Fragen zu verkomplizieren."

CDU und Grüne fordern andere Vorgehensweise

Dieser Seitenhieb der SPD-Sprecherin widmete sich dem umfangreichen Fragenkatalog der CDU-Fraktion. Die Christdemokraten sehen die Vorgehensweise der Verwaltung kritisch: "Die Beschlussvorlage für den Gemeinderat ist mit knapp einer DIN A 4-Seite in Anbetracht der finanziellen und tatsächlichen Bedeutung dieses Themas nicht besonders aussagekräftig", monierte Frauke Jung: "Es ist nicht erkennbar, wofür die Stadtverwaltung steht, insbesondere welche Ideen sie zur Finanzierung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz hat." Auch die Grünen zeigten sich alles andere als zufrieden: "Der Studie fehlt der ganzheitliche Ansatz", betonte Stefan Krieg. Seine Fraktion habe den Eindruck, die Studie diene in erster Linie dazu, Baurecht für das umstrittene Projekt auf dem kontaminierten Pfleiderer-Areal herzustellen, auf dem ein Investor Einkaufsmärkte, Wohnraum und Parkplätze schaffen will. Die Grünen forderten die Stadtverwaltung auf, zunächst die anderen Murgtal-Kommunen an einen Tisch zu bringen und das Thema Hochwasserschutz zusammen anzugehen - indem man auch die Gewässerabschnitte zweiter Ordnung mit aufnimmt und eine Art integriertes Murg-Programm (analog zum Rhein) auflegt.

Christ wies darauf hin, dass das Regierungspräsidium die Planungen festlegt, nicht die Stadt Gernsbach. Es sei nicht seine Aufgabe, weitere Kommunen mit ins Boot zu holen, zumal man erst ganz am Anfang des Verfahrens stehe. Gespräche führe er mit Gaggenau, weil die Große Kreisstadt mit ihrem Stadtteil Hörden unmittelbar von den Maßnahmen in der Nordstadt betroffen ist.

Ronecker nannte die Situation an der Gemarkungsgrenze zu Gaggenau "sehr knifflig".

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