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Schwierige Zeiten im Forbacher Gemeindewald
Schwierige Zeiten im Forbacher Gemeindewald
19.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Forbach - Der Gemeindewald wird im zu Ende gehenden Jahr erstmals seit 2004 ein negatives Betriebsergebnis aufweisen. Forstbezirksleiter Markus Krebs schätzte das Defizit am Dienstagabend im Gemeinderat auf voraussichtlich 50 000 bis 70 000 Euro. Auch im Betriebsplan für 2020 wird mit einem Verlust kalkuliert.


Die finanziell guten Jahre sind für den Forbacher Gemeindewald erst einmal vorbei. Geschuldet ist dies nicht zuletzt dem Klimawandel, der laut Krebs "im Wald angekommen ist". Er habe zwar einige "Päckchen" dabei, meinte der Forstdirektor bei seinem Bericht über das Forstwirtschaftsjahr 2019 und der Vorstellung des Betriebsplans für 2020, diese stünden aber nicht auf der vorweihnachtlichen Wunschliste.

Zwar konnte bei der Holzernte mit 18 700 Festmetern nahezu eine Punktlandung erreicht werden, doch stammten 56 Prozent des Einschlags aus nicht geplanten Nutzungen wie Käfer-, Sturm- und Dürreholz. Daraus resultierten höhere Hiebskosten und zugleich geringere Erlöse, da für solches Holz derzeit europaweit ein massives Überangebot herrsche und die Preise entsprechend "im Keller" seien, sagte Krebs. Als Beispiel nannte er einen "gefährlichen und kostspieligen" Verkehrssicherungshieb an der Landstraße von Bermersbach nach Forbach, wo Buchen mit absterbenden Kronen gefällt werden mussten.

Sowohl bei der Jungbestandspflege - 38,4 statt 47 Hektar - als insbesondere auch bei der Wertästung mit 700 statt 2 340 Bäumen blieb man hinter dem Plan für 2019 zurück. Teils sei man, so Krebs, angesichts vieler unvorhergesehener Aufgaben nicht mehr nachgekommen, teils seien die Arbeiten auch aus Kostengründen zurückgefahren worden.

"Gewinnwarnung" zur Jahresmitte

War für 2019 ursprünglich ein Überschuss von 160 000 Euro aus dem Gemeindewald erwartet worden, musste Krebs bereits zur Jahresmitte eine "Gewinnwarnung" aussprechen. Entgegen dem damals noch prognostizierten Plus von 70 000 Euro wird es aufgrund einer weiteren Verschlechterung in der zweiten Jahreshälfte jetzt wohl ein Minus in annähernd gleicher Höhe geben.

Krebs wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Wald keine "Gelddruckmaschine" sei, sondern auch weitere "immens wichtige Funktionen" wie Wasser-, Boden- und Artenschutz erfülle und der Erholung diene. Positiv konnte Krebs vermelden, dass die Brennholzversorgung gesichert und preisstabil sei.

Für 2020 sei beim Einschlag jetzt "aktives Bremsen das Gebot", so Krebs. Statt der in der Forsteinrichtung als nachhaltig angesehenen Menge von 20 500 Festmetern sollen lediglich 15 900 Festmeter Holz geerntet werden. Dabei wird aus betriebswirtschaftlichen Gründen verstärkt auf "Rothölzer" wie Lärche und vor allem Douglasie zurückgegriffen, die anders als Fichte und Tanne noch gute Preise erzielen. Die Douglasie hat am Hiebsplan einen Anteil von 13 Prozent, während ihr Waldanteil lediglich sieben Prozent beträgt. "Wir plündern sie damit nicht", sagte Krebs auf Nachfrage von Margrit Haller-Reif (Grüne), die darauf hingewiesen hatte, dass die Douglasie angesichts des Klimawandels zu den "Bäumen der Zukunft" gehöre.

Die Jungbestandspflege soll auf 52,4 Hektar ausgeweitet und damit gezielt in "Qualität und Stabilität" des Waldes investiert werden. In Ergänzung zur weiter vorherrschenden Naturverjüngung sollen 1 400 Atlaszedern, 1 450 Esskastanien und 1 650 Douglasien gepflanzt werden, um den Wald angesichts des Klimawandels zukunftsfester zu machen. Der Betriebsplan sieht einen Zuschussbedarf im kommunalen Ergebnishaushalt von 78 000 Euro vor. Hinzu kommen 42 000 Euro im Finanzhaushalt für die Anschaffung eines neuen Betriebsfahrzeuges.

Sabine Reichl (CDU), Barbara Ruckenbrod (FWG) und Harald Mungenast (SPD) bedauerten übereinstimmend das negative Betriebsergebnis und befürworteten das notwendige Umdenken bei der Waldbewirtschaftung. Der Betriebsplan für 2020 wurde einstimmig gebilligt.

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