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Belzemärtel spielen in europäischer Brauchtumsliga
20.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Die Belzemärtel waren kurz vor Weihnachten wieder auf den Reichentaler Straßen und in den Gassen unterwegs. Die furchteinflößenden Gesellen wurden von dem Niederländer Arnold Jan Scheer mit der Kamera begleitet. Der Volkskundler war extra aus Amsterdam angereist, um den Auftritt der Belzemärtel zu dokumentieren.


Seit mehr als 30 Jahren untersucht der Niederländer europäische Winterbräuche. Sein Spezialgebiet sind dabei jene Bräuche, die aus vorchristlicher Zeit stammen. Er ist überzeugt, dass auch der Auftritt der Belzemärtel dazu gehört. Damit bestätigt er das, was in Reichental längst vermutet wird: Die Belzemärtel, die einige Tage vor Heiligabend erscheinen und sich wild und laut gebärden, haben mit der christlichen Weihnachtszeit nichts zu tun, sondern vielmehr mit den heidnischen Riten der Wintersonnenwende.

Arnold Jan Scheer war in ganz Europa unterwegs, um Winterfiguren wie den Reichentaler Belzemärtel zu erforschen. Er hat vor allem im Alpenraum die "Perchte" dokumentiert, schwarze, pelzbekleidete Gesellen. Scheer hat solche Figuren aber auch bei ihren wilden Auftritten in Spanien, Frankreich und Tschechien beobachtet. Und auf einer holländischen Nordseeinsel gibt es ein heidnisches "Nikolausfest".

Die Reichentaler Belzemärtel passen nach Auffassung des niederländischen Forschers perfekt ins Bild. Sie spielen damit quasi in der europäischen Brauchtumsliga. Und sie werden im Filmprojekt "Heidnisches Europa" mit dabei sein, kündigt der Brauchtunsforscher an. Interessant ist, dass alle von Scheer untersuchten heidnischen Winterfiguren ein vermummtes oder geschwärztes Gesicht haben, Ketten und Schellen mit sich führen, mit einer Rute züchtigen und "böse Kinder" in einen Sack stecken und wegtragen - oder zumindest damit drohen.

Arnold Jan Scheer war besonders daran interessiert, wie die Belzemärtel sich bei ihren Hausbesuchen gebärden. Auch dieses Detail passe genau in den europäischen Kontext, so der Forscher. Und für die Mitglieder des Fußballclubs Auerhahn, die unter der Vermummung stecken, ist dies eine Bestätigung, die Hausbesuche auch in Zukunft beizubehalten.

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