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Brandstifter aus Gernsbach muss mehr als fünf Jahre ins Gefängnis
Brandstifter aus Gernsbach muss mehr als fünf Jahre ins Gefängnis
21.12.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Baden-Baden (uj) - Der Brandstifter aus Gernsbach muss ins Gefängnis. Das Schwurgericht am Landgericht Baden-Baden verurteilte den 26-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Den Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes sah das Gericht als nicht gegeben an.


Nach der ausführlichen Urteilsbegründung ging Richter Wolfgang Fischer gestern auf die Folgen der Tat für die Opfer ein. Das Ehepaar, das die Dachgeschosswohnung des Wohnschuppens in der Beethovenstraße an den 26-Jährigen vermietet und ihm wegen ausstehender Miete gekündigt hatte, war im Schlaf am 5. Juli von den Flammen überrascht worden - und konnte sich glücklicherweise in Sicherheit bringen. "Die Folgen der Tat sind schlimm für die Eheleute", betonte der Richter. Der Verlust des Gebäudes schmerze heute noch emotional, sie stünden unter psychischer Belastung und litten nach wie vor unter Schlafstörungen. Es habe einen hohen Schaden an Hab und Gut gegeben. Das ausgebrannte Gebäude ist mittlerweile abgerissen, die "Oase mit schönem Garten" (Richter Fischer) existiere nicht mehr.

Mit dem Urteil werde die Tat für den Angeklagten spürbar geahndet, meinte der Richter. Das Gericht blieb mit den fünf Jahren und drei Monaten unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für eine sechseinhalbjährige Freiheitsstrafe plädiert hatte. Oberstaatsanwalt Michael Leber sah in seinem Plädoyer am Mittwoch den Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes als gegeben. Ganz im Gegensatz zum Gericht, wie Richter Fischer in seiner Urteilsbegründung darlegte.

Der Richter stützte seine Begründung insbesondere auf den Sachverständigen Dr. Johannes Dietrich, der zahlreiche Anzeichen für eine "Schizophrenia simplex" vorliegen sah. Schon in der Vergangenheit sei der Angeklagte zweimal in einer Fachklinik gewesen. Sozial habe er sich zurückgezogen. Die Kündigung der Wohnung durch seine Vermieter habe er nicht verkraftet. Der Angeklagte hatte Leistungen von der Agentur für Arbeit bezogen. Die Zahlungen seien wegen seiner Alkoholprobleme von der Arbeitsagentur eingestellt worden. Deshalb habe er die Miete für Mai und Juni in Höhe von monatlich 250 Euro nicht zahlen können. Am 15. Juli sollte er ausziehen. Aus Überforderung habe er damit nicht umgehen können, meinte der Richter. Seiner Familie sei auch erst etwa eine oder zwei Wochen vor dem Termin bekannt geworden, dass er die Wohnung verlassen musste. Er stand nach eigener Auffassung vor der Alternative: wohnsitzlos oder in den Knast. Er zog sich zurück, grübelte und fasste auch aus Wut und Verärgerung den verhängnisvollen Entschluss, die Wohnung anzuzünden. Zwei Stunden nach der Tat stellte er sich auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes in Hörden und bat einen Autofahrer, die Polizei zu alarmieren.

Die Brandlegung sei, so das Gericht, spontan erfolgt. Möglicherweise habe er den Tod seiner Vermieter billigend in Kauf genommen. Es sei aber keine akute Notsituation eingetreten. Die schlafenden Eheleute bemerkten den Brand rechtzeitig und konnten sich in Sicherheit bringen. Die Angelegenheit sei für das Ehepaar noch glimpflich ausgegangen. Für das Strafmaß sei es nicht entscheidend gewesen, ob es versuchter Mord gewesen sei.

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