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Brunnenbau von Hand mit Murgtäler Hilfe
24.12.2019 - 00:00 Uhr
Forbach - Seit drei Jahren ist Pfarrer Dr. Innocent Oyibo im Sommer gerne gesehene Urlaubsvertretung für Pfarrer Thomas Holler in der katholischen Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach. Bei einem kurzen Heimatbesuch in Afrika vor wenigen Wochen besuchte er ein Brunnenbauprojekt, das vor allem mit Spendengeldern aus dem Murgtal finanziert wird. Im Gespräch mit BT-Mitarbeiterin Katharina Vogt erzählt er von den Wassersuchern in Nigeria.

BT: Herr Oyibo, wie muss man sich die Situation beim Brunnenbau vorstellen?

Innocent Oyibo: Ogbafiala ist ein kleines Dorf, 25 Kilometer weit entfernt von der Universitätsstadt Ayangba. Rund 800 Menschen leben dort. Es gibt keine Infrastruktur oder gar eine öffentliche Wasserversorgung. Wer Wasser braucht, muss mindestens sieben Kilometer weit zum nächsten Fluss laufen, um das Wasser von dort mit Kanistern oder Eimern zu holen. Eine Schule gibt es auch nicht, die nächste liegt über zehn Kilometer weit weg. Daher schaffen es nur eine Handvoll Kinder, einen Schulabschluss zu machen. Es fehlt einfach an ganz vielem.

Interview

BT: Wie kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet in diesem Dorf zu helfen?

Oyibo: Ich kenne den Pfarrer Isaac Achemu. Er ist Mitbruder im Bistum Idah. Viele Amtsbrüder aus meiner Heimat bitten mich und meine Kollegen, die wie ich in Europa arbeiten, Spenden für die Entwicklungshilfeprojekte zu sammeln. Sie erzählen mir von ihren Anliegen und den Nöten in den Pfarreien. Da hat man irgendwann viele Projekte im Herzen. Allen kann man nicht helfen, man muss die Spenden schon gut aufteilen.

BT: Wie kann man sich die Arbeit der Wassersucher vorstellen? Gibt es überhaupt das erforderliche schwere Gerät, um einen tiefen Schacht bis zum Grundwasser zu bohren?

Oyibo: Nein, große Bohrmaschinen gibt es dort nicht. Man müsste sie für viel Geld aus einer Großstadt holen. Aber die Jungs, die diese Brunnen graben, haben sehr viel Erfahrung. Die Unfallquote ist sehr gering. Sie graben die Brunnen bis in eine Tiefe von etwa 170 Metern von Hand. Die Experten vor Ort sagen, dass diese Brunnen langlebiger seien. Außerdem könne man die Wasserpumpe im Falle einer Panne problemlos austauschen. Sie lassen sich an langen Seilen in das Brunnenloch hinab und graben dort von Hand, bis sie auf Wasser treffen. Das Brunnenloch bietet zwei Menschen Platz. Die Methode funktioniert, die Jungs haben das mehrfach gemacht. Und das viel billiger als mit Maschinen.

BT: Ist der Brunnen jetzt schon fertig?

Oyibo: Nein, noch nicht. Die Arbeiten dauern noch an. Wir hoffen, dass der Brunnen Ende Januar 2020 fertig wird.

BT: Was kostet es, einen solchen Brunnen zu bauen?

Oyibo: Ungefähr 8 000 Euro einschließlich zweier großer Wasserbehälter, dem Betongerüst dafür und der Stromgenerator. Die Spende aus dem Murgtal deckt nur einen Teil der entstehenden Kosten.

BT: Kommen Sie wieder ins Murgtal?

Oyibo: Das Murgtal und vor allem die Menschen hier sind mir sehr ans Herz gewachsen. Wenn ich hier bin, werde ich von vielen Familien eingeladen. Die Menschen sind überwältigend freundlich, da kommt man gerne wieder her, wenn man gebraucht wird.

Pfarrer Thomas Holler ist mir sehr wohlgesonnen und ein besonderer Freund geworden. Es ist schon fast üblich, dass Pfarrer Holler die Kollekte an meinem letzten Sonntag für Hilfsprojekte gibt. Damit konnten wir den Brunnenbau beginnen und dafür bin ich und die Menschen in meiner Heimat sehr dankbar.

Wer das Brunnenbauprojekt von Pfarrer Oyibo unterstützen möchte, kann das Spendenkonto der Pfarrei St. Bonifatius in Schlüchtern unter Stichwort Brunnenbau Nigeria nutzen: Bankverbindung Kreissparkasse Schlüchtern, IBAN: DE 5553 0513 9600 0000 8019, BIC: HELADEF1SLU. Eine Ausstellung von Spendenquittungen ist möglich.

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