https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Nach 50 Jahren darf′s kein bisschen mehr sein
27.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Loffenau - Ulrike Möhrmann kann man auch beim besten Willen nichts vormachen. Ob es um Fleischqualität, um Preise des angebotenen Aufschnitts oder um Catering geht. Nun heißt es nicht mehr "Darf's ein bisschen mehr sein?" Zum Jahresende geht Ulrike Möhrmann in den Ruhestand. Mit etwas Wehmut nach 50 Jahren im Metzgergeschäft Fieg, das zum Loffenauer Hotel "Sonne" gehört.

"In die Wiege gelegt" sei ihr dieser Beruf, scherzt sie noch heute, um im Gespräch hinzuzufügen: "Und das habe ich auch nie bereut. Unsere Loffenauer Dorfwurst ist berühmt. Für unseren Fleischsalat kommen manche Kunden nicht nur aus Loffenau, manche Autokennzeichen verraten eine weitere Anfahrt."

Wie zu einer Familie zugehörig empfindet sich Möhrmann, wenn sie ihre immer wiederkehrenden Kunden bedient. Und auch als Familienmitglied, wenn sie an ihre Kolleginnen und besonders die Metzgerfamilie Fieg denkt. "Ihrem Vertrauen zu mir verdanke ich meine berufliche Entfaltung." Dabei lernte Ulrike Möhrmann alle drei Metzgergenerationen der Fiegs kennen. Den Lehrvertrag unterschrieb im September 1969 Emil Fieg, von Ewald und Freya Fieg konnte sie sehr viel lernen, ihre jetzigen Chefs heißen Klaus und Ute Fieg. "Ihrer Förderung und ihrem Vertrauen verdanke ich, dass ich so manche Entscheidungen selbst treffen durfte."

Nun also soll Schluss sein. "Ein paar Tränchen werden am letzten Arbeitstag sicherlich fließen", ist sich Möhrmann sicher. Auch bei Heide Hörth, die noch bei Ulrike Möhrmann den Beruf der Fleischerei-Fachverkäuferin erlernte. Doch ein kleiner, augenzwinkernder Trost bleibt: "Wenn's doch mal personell eng wird, mein Anrufbeantworter hört mit." Denn auf Ulrike Möhrmann warten weitere Aufgaben - teilweise mehr als zuvor. Der Kirchenchor und die Mitgliedschaft im Loffenauer Kirchengemeinderat zählen immer noch dazu, ebenso wie die Zugehörigkeit zum Partnerschafts-Komitee, das Verbindung zum italienischen Montefelcino, zur sächsischen Gemeinde Kreischa und zum elsässischen Steinburg hält. Auch wieder mehr Sport, mehr Gymnastik, Laufen, vielleicht auch Tennis plant Ulrike Möhrmann für ihre Zeit des beruflichen Ruhestands. Kleine Theaterstückchen denkt sie sich für Seniorennachmittage aus, sie sorgt mit ideenreicher Tischdeko und wunderbaren Platten (eben eine Fachfrau) für kulinarisches Wohlfühlklima.

Bleibt da noch gemeinsame Zeit für ihren Mann Roland? "Der kennt mich seit fast 50 Jahren, weiß, dass ich noch längst nicht die Beine stillhalten kann", freut sich Möhrmann und ergänzt, "und ich kann immer auf ihn zählen." Bei der Fastnacht in Loffenau lernten sich Ulrike und Roland kennen. 1974 wurde aus dem Lautenbacher Fräulein Rothenberger die Loffenauerin Frau Möhrmann und aus dem Ehepaar eine Familie, als Sohn Alexander geboren wurde.

Überhaupt ihre Familie! "Die sorgt für Kraftnachschub", schwärmt Ulrike Möhrmann und zeigt ein Foto: darauf ihr Sohn, die Schwiegertochter und ihre beiden Enkelsöhne Nick und Mika. Kraft im normalen familiären Zusammenhalt, aber auch Kraft, wenn die sechs "Möhrmänner" wandermäßig in den schönsten Gegenden Bayerns und in Tirol unterwegs sind. "Das genießen wir, so oft es möglich ist, schon mal, um die Entwicklung unserer Enkel mitzuerleben."

Von Langeweile also keine Spur. Und ab 2020 wird noch ein weiteres Hobby endlich mehr zur Geltung kommen können, von dem alle Familienmitglieder, ihre Gäste und Freunde profitieren können: Das ist Ulrikes Leidenschaft für gute Küche und einfallsreiches Backen.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Umfrage

Jeder dritte Deutsche hat nach eigenen Angaben nicht ausreichend für das Alter vorgesorgt. Fühlen Sie sich beim Thema Altersvorsorge gut vorbereitet?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz