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Rund um die Uhr im Einsatz
Rund um die Uhr im Einsatz
28.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Wessel

Gaggenau - Der in Gaggenau hochgeschätzte frühere Unfallarzt Dr. Ernst Borell wäre morgen 100 Jahre alt geworden. Für seinen unermüdlichen Einsatz bei Notfällen und darüber hinaus wurde ihm im Beisein zahlreicher Vertreter der Politik und Ärzteschaft 1984 vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Thomas Schäuble die Ehrenmedaille der Stadt Gaggenau verliehen.

Wenn der helle VW-Käfer mit dem Kennzeichen RA-S 1 durch die Stadt flitzte, wussten die Bürger, dass Dr. Borell mal wieder im Einsatz ist. Immer wieder wurde er auch zu sehr schweren Unfällen gerufen. Wie er diese seelische Belastung aushalten konnte, erklärt heute seine Tochter Sabine damit, dass ihr Vater im Zweiten Weltkrieg erst als Verletzter und dann in Vorbereitung seines Medizinstudiums in verschiedenen Lazaretten sehr viel Schlimmes mit ansehen und erleben musste.

Nach Kriegsende gelang es Borell, seine medizinische Ausbildung zügig zu absolvieren. Dabei und danach erwarb er sich umfangreiche Fachkenntnisse in den Krankenhäusern in Freiburg, Göppingen, Baden-Baden und Rastatt. Es war dann ein Glücksfall, dass der junge Unfallarzt 1959 in Gaggenau seine Praxis eröffnete.

Vielen Menschen das Leben gerettet

Oberbürgermeister Dr. Thomas Schäuble hob 1984 in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Bürgermedaille hervor, dass die ungewöhnlichen Leistungen von Dr. Borell zu bewundern seien. In all den vielen Jahren, in denen er den Menschen der Stadt helfe, habe er Einsatzbereitschaft gezeigt, die jedes übliche Maß bei Weitem übersteige. Tag und Nacht, an Sonn- und Feiertagen habe Dr. Borell seine ärztliche Kunst den in Not geratenen Patienten zur Verfügung gestellt. Dank seiner oftmals großartigen Ersten Hilfe, die er aufgrund seines großen Könnens leiste, habe er mit Sicherheit vielen Menschen - vor allem den Opfern von Verkehrsunfällen - das Leben gerettet. Er habe in seinem langjährigen segensreichen Wirken viel mehr geleistet als das, was selbst von einem pflichterfüllten Arzt erwartet werden könne. Daher habe der Gemeinderat einstimmig beschlossen, Dr. Borell mit der Ehrenmedaille auszuzeichnen.

Der so Geehrte bedankte sich auch bei seinen Mitarbeiterinnen und seiner Familie für deren Unterstützung und Verständnis. So erinnert sich Sabine Borell weiter, dass ihr Vater meist erst gegen 22 Uhr nach Hause kam. Einen einzigen Versuch, einmal Urlaub zu machen, beendete er nach zwei oder drei Tagen, als ein Hilferuf aus Gaggenau kam. Schließlich war er anfangs der einzige Unfallarzt. Erholung oder Entspannung erfuhr er wohl nur bei der gelegentlichen Jagd, zu der er zu nachtschlafender Zeit aufbrach. Aber selbst da habe er meist nur auf Wild angesetzt, das dem Jagdpächter durch ein Handicap aufgefallen war.

Ein Laster hatte Dr. Borell, an das sich fast alle seiner Patienten heute noch schmunzelnd erinnern: das Rauchen. So stand in jedem Behandlungszimmer ein Aschenbecher, und die Zigarette steckte schon mal im Mundwinkel, wenn er beide Hände benötigte, um einen Gipsverband anzulegen. Der beliebte Arzt verstarb mit 77 Jahren am 29. März 1997.

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