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"Olympia braucht neue Sportarten"
30.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Nora Strupp

Gaggenau - Mit zwölf Jahren stand Alex Mizurov das erste Mal auf einem Skateboard. Mit 31 Jahren ist er nun siebenfacher deutscher Meister, zweifacher Europameister (2006, 2019) und Mitglied im Olympiakader für 2020. Doch die Teilnahme an Wettbewerben ist für ihn nicht alles. Vielmehr steht für ihn der Spaß an dieser Sportart im Vordergrund.

Vier bunt bedruckte Boards mit einer großen "Eins" darauf, dem Titel "Overall Winner" und den Jahreszahlen 2013, 2014, 2015 und 2016, zieren als Trophäen die Wand von Mizurovs Wohnung. "Die anderen Boards aus den Jahren 2007 und 2009 liegen im Keller. Irgendwann ist leider kein Platz mehr an der Wand", erzählt er lachend.

Mizurov hat dieses Jahr - nachdem er zwei Jahre lang gesundheitsbedingt eine Pause einlegen musste - erneut am COS (Club Of Skaters)-Cup teilgenommen und nun bereits zum siebten Mal bei der deutschen Meisterschaft den Titel bei den Profis erkämpft (das BT berichtete). Im Europapark in Rust setzte er sich am 1. Dezember gegen 35 Konkurrenten durch.

Wie fühlt man sich als siebenfacher deutscher Meister? "Ganz gut", resümiert Mizurov schmunzelnd. Durch eine Operation am Fuß habe er die letzten zwei Jahren nicht die gewohnte Leistung abrufen können. Der siebte Meistertitel sei deshalb "ein krönender Abschluss fürs Jahr".

Mizurov, geboren in Astana in Kasachstan, kam im Alter von sieben Jahren mit seiner Mutter, seiner Schwester und seiner Tante nach Rastatt - sein Vater kam zwei Jahre später ebenfalls nach Deutschland. Seit 2012 wohnt er mit seiner Frau Denise in der Gaggenauer Kernstadt.

In Rastatt ist Mizurov zur Schule gegangen: Er besuchte die Hans-Thoma-Schule und anschließend die ehemalige Max-Jäger-Schule, die mittlerweile zu einem Mehrgenerationen-Wohnquartier umgebaut worden ist. Dort hat er seine ersten Erfahrungen mit rollenden Brettern gemacht. "Mit zwölf Jahren stand ich das erste Mal auf einem Skateboard", erinnert er sich. "Ein Freund, mit dem ich damals zusammen im Fußballverein FC Frankonia in Rastatt gespielt habe, hat eines Tages ein Skateboard mit in die Schule gebracht. Ich habe mich drauf gestellt und es hat mir gefallen. Als mein Freund umgezogen ist, hat er mir sein Board geschenkt. So hat alles angefangen."

Mit 15 Jahren habe er das erste Mal bei einem Skateboard-Contest mitgemacht. "Danach habe ich mich superschnell entwickelt." Kurz darauf (2004) folgte seine erste Teilnahme am COS-Cup in Chemnitz auf dem Splash Festival, nachdem er sich über die Red Bull Local Hero Tour dafür qualifiziert hatte. "Ich habe früh gemerkt, dass ich gut in Wettbewerben bin. Ich habe schnell dazugelernt und war kaum aufgeregt", so Mizurov.

2006 wurde er in Basel zum ersten Mal Europameister. Im selben Jahr gewann er außerdem das internationale "Game of S.K.A.T.E." in San Diego. Im Finale setzte er sich gegen seinen Mitstreiter und den US-amerikanischen Profiskater Chris Cole durch. "Cole war ein unschlagbarer Typ und damals schon eine Legende", weiß Mizurov. Der Sieg gegen Cole verhalf ihm zu immer größer werdender Popularität. Danach ging seine Erfolgsgeschichte weiter. Im Juni dieses Jahres gewann er die Europameisterschaft in Duisburg.

Als Mitglied des Olympiakaders könnte er sich zudem bis zum Sommer für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren. 80 weibliche und männliche Athleten treten dann in der japanischen Hauptstadt in den beiden Disziplinen "Park" und "Street" gegeneinander an.

Bei der Olympia-Disziplin "Street", bei der auch Mizurov nach erfolgter Qualifikation dabei sein wird, werden Treppen, Poller, Bordsteinkanten, Mauerstücke, Schrägen und Geländerstangen als anspruchsvolle Hindernisse für Tricks und Stunts genutzt. In der Disziplin "Park" sind sogenannte Halfpipes, Pools und Rampen als Parcours angeordnet.

Der Weg zu Olympia führt über verschiedene Wettkämpfe: "Bis Juni 2020 wird es weltweit noch fünf Wettbewerbe geben. In Peru, China, Japan, USA und Großbritannien. Pro Contest sammelt man Punkte. Wer in der Weltrangliste unter den

Top 20 ist, fährt nach Tokio zu den Spielen", verrät Mizurov. "Höchstens allerdings drei Sportler pro Land, damit nicht nur ein Land vertreten wird", fügt er hinzu. Auf der Weltrangliste steht Mizurov aktuell auf Platz 58 (Stand: 21. November 2019).

Eine Olympia-Teilnahme würde ihm zwar viel bedeuten, dennoch sei sie für ihn nicht allbestimmend. "Es wäre mega, dabei zu sein, aber es ist nicht mein Lebenselixier. Für mich ist es ein weiterer Wettbewerb, den man mitnimmt." Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er sein ganzes Leben nach der Olympia-Teilnahme ausrichtet. Er tue dies nicht.

Auch bei der Frage, welche Bedeutung es seiner Meinung nach hat, dass Skateboarden im nächsten Jahr als olympische Disziplin Premiere feiert, wird der Gaggenauer deutlich: "Braucht Skateboarding Olympia? Nein. Aber Olympia braucht neue Sportarten", befindet er selbstbewusst.

Olympische Spiele

das große Ziel

Doch bis zum Beginn der Olympischen Sommerspiele Ende Juli ist es noch ein langer Weg, der mit viel Arbeit und hartem Training verbunden ist. "Von Januar bis Juli bin ich komplett verplant", berichtet Mizurov. "Ich werde zu den ganzen Wettkämpfen fliegen und das Beste geben. Ich bereite mich auf jeden Fall vor und werde versuchen, so fit wie möglich ins neue Jahr zu starten, mein Fußgelenk wieder auf hundert Prozent bringen und dann werden wir sehen, ob es reicht. Im Juni entscheidet es sich, ob ich bei Olympia dabei bin."

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