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Knisternd wie ein lebhaftes Kaminfeuer
Knisternd wie ein lebhaftes Kaminfeuer
02.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gaggenau - Wenn für ein Klassikkonzert in der Benzstadt alle Karten fast im Nu vergriffen sind, kann es sich tatsächlich nur um ein ganz bestimmtes Ereignis handeln: "Schluss mit?" füllte am Abend vor Silvester einmal mehr die Jahnhalle bis auf den letzten Platz. Das Spielen und Spenden für eine gute Sache hat Kultstatus erreicht.

Ersetzt wurde das Fragezeichen diesmal mit Beethoven, wenngleich nur zwei der acht gespielten Stücke aus der Feder des Komponisten stammten, dessen 250. Geburtstag 2020 wohl alles am Klassikhimmel überstrahlen wird. Die erbetenen Spenden waren für den Kinder- und Jugendhospizdienst Baden-Baden/Rastatt/ Murgtal bestimmt, wie König-Metall-Geschäftsführerin Nina Zwiebelhofer zu Beginn der Benefizveranstaltung sagte.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Kopfsatz aus dem Streichquartett op. 44 Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf dem Podium nahmen mit Marie-Christine Papadopoulos (Violine), Ulf Hoelscher (Violine) und Benedict Kloeckner (Violoncello) drei Künstler Platz, die auch international Konzertsäle zu füllen vermögen, ergänzt durch Christof Maisch, der zudem als künstlerischer Leiter der Reihe fungiert, an der Viola.

Der schnelle Satz mit der Vortragsbezeichnung Molto allegro vivace erinnert fast an ein Violinkonzert, so sehr steht die erste Geige immer wieder im Vordergrund. Das virtuose Spiel von Papadopoulos glich hier einem lebhaften Kaminfeuer, knisternd, leuchtend und voller Wärme.

Wie die genannten Vier gehört die Pianistin Elena Kuschnerova zu den renommierten Künstlern, die regelmäßig und offenkundig gerne für das Konzert am 30. Dezember nach Gaggenau reisen. Mit der Klaviersonate Nr. 3 a-Moll von Sergei Prokofjew führte sie sich ebenfalls mit einem Bravourstück ein. Mit ungeheurer Wucht, rasendem Tempo und nahtlosen Übergängen in zarteste Träumerei akzentuierte sie die Kontraste der Partitur.

Leidenschaft und Temperament, ganz wie die Satzbezeichnung Allegro con brio es verlangt, bestimmten auch die Wiedergabe des ersten Satzes der Violinsonate Nr. 7 c-Moll von Ludwig van Beethoven. Mit ungemein reicher Farbpalette gestalteten Papadopoulos und Kuschnerova die Komposition zu einem eindrücklichen Klanggemälde.

Wohl noch mehr galt dies für die Sonate a-Moll für Arpeggione und Klavier von Franz Schubert beziehungsweise deren Kopfsatz. Anstelle der längst wieder in Vergessenheit geratenen sechssaitigen Arpeggione wird heute meist das Cello verwendet. Mal sanglich, mal tänzerisch, mit großen Sprüngen und immer wieder mit feinsten Schattierungen gelang Kloeckner eine bewegende Interpretation, von Kuschnerova feinsinnig begleitet.

Zu den Besonderheiten dieser Reihe gehört, dass die einzelnen Stücke von den Künstlern abwechselnd angesagt werden, mit persönlichen Anmerkungen in lockerem Plauderton. "Ich spiele, die drei entspannen sich", meinte etwa Kuschnerova mit dem Schalk im Nacken zu Beethovens Klavierquartett C-Dur op. 36 Nr. 3, dessen Kopfsatz eine ausgesprochen heitere Note erhielt.

Maurice Ravels forderndes Duo für Violine und Violoncello verlangte nicht nur Kloeckner und Papadopoulos, sondern auch dem Publikum einiges an Konzentration ab. Zum Gedenken an den Initiator der Schluss-mit-Reihe, Otmar Zwiebelhofer, erklang nach 2015 ein zweites Mal der erste Satz aus Peter Tschaikowskys Klaviertrio op. 50, eine erschütternde Trauermusik, der eine lange Stille folgte, ehe das Klatschen einsetzte.

Umso beschwingter wirkte der Finalsatz aus Robert Schumanns Klavierquintett, der zum Abschluss alle fünf Künstler auf der Bühne vereinte. Der Schlussbeifall, teils stehend, wollte schier kein Ende nehmen.

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