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Großer Showdown beim Polterabend
Großer Showdown beim Polterabend
07.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Wie kompliziert es werden kann, wenn Liebe und Treue etwas durcheinander kommen, zeigte der verwickelte Dreiakter des SV Forbach bei der Winterfeier, den die Theatergruppe als 73. Kränzel präsentierte. Regisseurin Myrta Larsson hatte ihre zehnköpfige Theatergruppe noch durch Statisten (Anna Mast, Katja Gerstner, Achim Fritz, Sascha Frödert und Andreas Steinhart) und eine Abordnung von Blasmusikern (Selina Klumpp, Neo Fritz und Yannis Grajewski), die live spielte, verstärkt. Geschickt spielten die Akteure mit aktuellen Themen wie der Genderdiskussion, Demenz, Bombenlegern und die Pflege von Senioren.

Dazu kamen zeitlose Klischees wie die "geliebte" Schwiegermutter, ein paar Likörchen zuviel und Panik vor der Hochzeit sowie die Schwierigkeit, nur einem Partner treu zu sein. Das glänzend agierende Ensemble des SV war dieses Jahr mit drei neuen, aber bereits erfahrenen Theaterspielern ergänzt worden - und alle hatten eins gemeinsam: viel Spaß in ihren Rollen und auf der Bühne. In dem schönen Bühnenbild (Franz Schmuck, Freddy Kleehammer, Andreas Steinhart) zogen Spielfreude und viele kleine Ideen (aber mit großer Wirkung) das Publikum in ihren Bann.

Vom ersten Moment an fieberten die Zuschauer mit der Braut Andrea Weber (eine Rolle, die Marlene Krech auf den Leib geschrieben schien) mit, die sechs Wochen vor der Hochzeit erkannte, dass es ihr Bräutigam Siggi Schmitt (Herzensbrecher ohne Skrupel: Max Mungenast) nicht so genau mit der ewigen Treue halten würde, denn der hatte seine Verflossene Doris Prinz (überzeugend: Anja Kohler) eingeladen, die immer noch versuchte, den Bräutigam für sich zu gewinnen.

Die beiden hatten aber die Rechnung ohne den Exfreund der Braut gemacht: Dietmar, der als Transvestit unter seinem Künstlernamen Conny von Kessel mit Starallüren und in umwerfenden Kostümen den untreuen Bräutigam schnell überführte (eine glanzvolle Spezialrolle für Christian Schäfer, der nicht nur Tanzeinlagen, sondern auch den Catwalk auf High Heels perfekt beherrschte). Die Braut weinte sich an der Schulter des besten Freundes des Bräutigams aus, gerne zur Verfügung gestellt von Thorsten Kraner (klasse verkörpert von Marius Mungenast, dessen heimliche Liebe auch nicht durch eine Gießkannendusche zu stoppen war). Die Mutter der Braut Anna Weber (abgeklärt-souverän Marie-Louise Fritz, die ihr Leben und das ihrer Tochter ganz gut im Griff hat) und der Vater des Bräutigams Jochen Schmitt (Philipp Ruttau verkörperte sehr gut die Verzweiflung des Witwers) waren vor allem damit beschäftigt, Oma Else (brillant Evelyn Kirberg) und Opa Henning (saukomisch Jörg Krieg) im Griff zu haben.

Aber die beiden Altvorderen, verbunden durch Schwerhörigkeit, Demenz und eine alte Liebe, hatten eine ganz eigene Vorstellung von ihrer Freiheit, nachdem sie erkannt hatten, dass sie gemeinsam besser flüchten konnten. Garniert mit Lebensweisheiten von Oma Else und Opa Hennings Kriegsfantasien irrlichterten sie durchs Stück, bis es der Nachbarin Gerda Puvogel (sehr überzeugend dargestellt von Steffi Asal) zu bunt wurde. Eine selbst gebastelte Bombe sollte zumindest den notgeilen Opa ins Jenseits befördern. Aber wer anderen eine Grube gräbt, fällt bekanntlich selbst hinein und verbringt den Rest des Stücks lädiert im Rollstuhl, so auch Gerda.

Unaufhaltsam steuerten die Akteure auf eine Hochzeit zu, die das Brautpaar selbst nicht mehr wollte. Beim Polterabend kam es dann zum großen Showdown, und mit Hilfe von Oma Else und einigen Likörchen wurde die Pärchen neu sortiert, damit endlich das Happy End mit großer Doppelhochzeit zwischen der Braut Andrea in den tröstenden Armen von Thorsten sowie den beiden Eltern Anna und Jochen stattfinden konnte.

Das Publikum tobte zu Recht über diese Glanzleistung, die hinter der Bühne neben Regisseurin Myrta Larsson auch die beiden Souffleusen Tanja Peteroff und Jonas Krieg möglich gemacht hatten (Maske Tanja Krämer und Katja Gerstner).

Thorsten Kottler, Vorsitzender des SV Forbach, dankte allen am Theaterstück Beteiligten, bevor mit Tanzmusik von Franz Köninger der gemütliche Teil der Winterfeier begann und damit auch der Sturm auf die große Tombola.

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