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Gezecht, getanzt, geprügelt
Gezecht, getanzt, geprügelt
08.01.2020 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj) - Wegen eines Vorfalls auf dem Altstadtfest 2018 mussten sich gestern zwei junge Männer vor dem Amtsgericht verantworten. Ihnen wird Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.

Während der geständige 27-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro an den Sozialen Kraftsportverein Gaggenau verurteilt worden ist, muss sein 28 Jahre alter Kumpel am 28. Januar (ab 13.30 Uhr) noch einmal vor Gericht erscheinen. Sein Verfahren wurde abgetrennt, weil weitere Zeugenaussagen notwendig sind, um den Hergang in einem Partyzelt an der Stadthalle genauer zu eruieren. Nicht geklärt werden konnte gestern, ob der zweite Angeklagte an jenem Freitagabend im Zuge einer Massenschlägerei einem Barkeeper eine Bierflasche über den Kopf gezogen hat.

Die Zwei waren mit drei weiteren jungen Männern und einer Frau am ersten Abend des Altstadtfests nach Gernsbach gekommen, um ordentlich zu feiern. Zur Einstimmung gab es zuvor schon mindestens eine Flasche Wodka, beim Fest legte man mit Jackie Cola, Cuba Libre und Bier nach. Die Stimmung war prächtig, wie der Betreiber des Festzelts an der Stadthalle, der dort auch Musik aufgelegt hat, als einer von zehn Zeugen betonte. Der DJ habe die Gruppe stets im Blick gehabt, schließlich habe sie direkt vor ihm getanzt. Als sich das Partyzelt mehr und mehr füllte, wurde es allmählich eng. Doch die teilweise stark alkoholisierten jungen Männer tanzten immer ausgelassener - und rempelten mehrfach andere Gäste an.

"Ganz übel einen über den Durst getrunken"

Irgendwann sei es dem Zeltbetreiber zu bunt geworden, er schritt ein und bat die Gruppe, es ruhiger angehen zu lassen. Aber ohne Erfolg. Als der DJ die Musik kurz abstellte und den aggressiven Tänzern ein Platzverbot aussprach, eskalierte die Situation. Es kam zu einer Massenschlägerei, in der mehrere Verletzte zu beklagen waren. Unter anderem soll ein Mann an der Bar eine Bierflasche über den Schädel bekommen haben. Ein Gast rief die Polizei. Als diese eintraf, konnte die Gruppe in Höhe der Waldbachschänke gestellt werden, wo die Beamten die jungen Männer nach ihren Ausweisen fragten. Daraufhin seien diese gleich sehr aggressiv und gewalttätig gegen die Ordnungshüter vorgegangen. Einer der Angeklagten habe versucht, einem Polizisten den Einsatzstock zu entreißen. Der 27-Jährige, der zurzeit in Forbach wohnt, biss einem anderen dermaßen heftig in den Finger, dass dieser trotz Handschuhen eine klaffende Wunde davontrug und ins Krankenhaus musste. Ein gutes halbes Jahr später entschuldigte sich der "Beißer" schriftlich bei dem Polizisten und zahlte 350 Euro Schmerzensgeld. Auch gestern betonte er noch einmal, wie leid ihm die Sache tue. Er hatte an dem Abend mehr als zwei Promille und "ganz übel einen über den Durst getrunken", wie sein Pflichtverteidiger erklärte: "So kann man sich gegenüber Polizeibeamten nicht verhalten", räumte er ein, verwies jedoch auf die bislang strafrechtlich weiße Weste und die selbstständige Bemühung seines Mandanten um einen Täter-Opfer-Ausgleich.

Dies erkannte auch Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch an, genauso wie eine mögliche verminderte Schuldfähigkeit durch die starke Alkoholisierung. Koch erklärte dem Angeklagten das Gewaltmonopol, das in Deutschland bei der Polizei liegt. Wenn die einen kontrolliert, habe man das hinzunehmen - selbst wenn die vorangegangene Massenkeilerei nicht von den Angeklagten ausgelöst worden wäre.

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