https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
15 Jahre Stillstand sind Geschichte
15 Jahre Stillstand sind Geschichte
11.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Pünktlich zum Tag der Neujahrsansprache von Bürgermeister Julian Christ haben gestern die Vorbereitungen zum Abbruch der Gebäude auf dem Pfleiderer-Areal begonnen. Dabei handelt es sich um Rodungsarbeiten auf dem stark kontaminierten Grundstück eingangs der Stadt. Diese finden "in engster Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde" statt, betonte Christ auf BT-Anfrage. "15 Jahre Stillstand sind Geschichte", freute er sich wenige Stunden später beim Neujahrsempfang in der Stadthalle.

Dabei nutzte der Bürgermeister die Gelegenheit, an den steinigen Weg hin zu einer Entwicklung der Industriebrache zu erinnern. Vom ersten Tag seiner Amtszeit habe er sich "massiv für den Dialog mit allen Beteiligten, für die Information der Bevölkerung sowie für die Nutzung des Geländes eingesetzt". Kritik gehöre dazu, betonte der Schultes, "aber was ich in den letzten zwei Jahren erleben durfte, ist weit mehr als das. Von Gerüchten, Mutmaßungen bis hin zu Unterstellungen und persönlichen Beleidigungen wurde vor keinem Mittel zurückgeschreckt, um einen Fortschritt beim Pfleiderer-Areal zu verhindern."

Christ sagte, es seien Behauptungen in den Raum gestellt worden, er wolle die Bevölkerung vergiften, alle Bäume abholzen oder das ganze Areal für anonyme Märkte zubetonieren. "Richtig war nichts davon." Ganz im Gegenteil habe man die Sanierung eines wesentlichen Teils der Altlasten mit der Krause-Gruppe verhandelt, habe eine Lösung für den Hochwasserschutz erarbeitet, bei der ein Großteil des Baumbestands am Ufer erhalten bleibe, und werde ein Areal schaffen, das für Nahversorgung, Wohnraum und Naherholung stehe - "und eben nicht nur Beton sein wird".

Der Bebauungsplan "Im Wörthgarten" sei nun nahezu abgeschlossen und die Nutzung des Areals geklärt. Von daher sieht Bürgermeister Christ "jetzt keine Notwendigkeit mehr, die Gefechte vergangener Tage jeden Monat aufs Neue aufleben zu lassen".

Eine gänzlich andere Auffassung hat die Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach (BiGG), die darauf hinweist, dass das Gift nicht nur in tieferen Erdschichten und in einem eng begrenzten Raum in minderen Mengen vorhanden sei. Ihre Aussage stützt sich auf entsprechende Gutachten der vergangenen Jahre. So werde der gesetzlich festgelegte Grenzwert in Teilen des Geländes "in einer Tiefe von fünf Zentimetern um das 300-fache überschritten. Messpunkt 14 in der Altlastenkartierung ist einer von vielen, die das Ausmaß der Kontaminierung zeigen", wird Peter Kugler, Sprecher der BiGG, in einer Mitteilung zitiert: "Entgegen der eigentlichen Verantwortung der Stadt und der immer wieder versprochenen Transparenz, die Gernsbacher Bürger umfassend zu informieren, sind keine Details über die anstehenden Arbeiten und die benötigten Schutzmaßnahmen bekannt." Die BiGG fragt, inwieweit sichergestellt werde, dass bei den Arbeiten mit schweren Maschinen und ein- und ausfahrenden Lkw das Gift nicht in der Stadt verteilt wird?

Des Weiteren seien die Ausmaße der geplanten Abbrucharbeiten nicht bekannt. "Werden die Bodenplatten der Gebäude ebenso entfernt oder geschieht das bei der späteren Sanierung?" Der Sprecher der BiGG mahnt: "Im direkten Bereich der Gebäude, die abgebrochen werden sollen, wird der zulässige Grenzwert um das 2 800-fache überschritten. Messpunkt 28 auf der Kartierung zeigt die höchste Kontaminierung in einer Tiefe von weniger als 0,5 Metern." Die BiGG fordert die Verwaltung auf, die Bürger im Zuge einer Infoveranstaltung über das Vorgehen des Abbruchverfahrens sowie die daraus resultierenden Gefahren zu informieren.

Auf BT-Anfrage teilte Bürgermeister Christ mit, dass der Abbruch der Gebäude voraussichtlich bis Ende März abgeschlossen sein soll.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Durmersheim
Schorpp blickt auf Herausforderungen

07.01.2020
Kleinklima verbessern
Durmersheim (hr) - Beim Neujahrs-Bürgertreff im Gemeindezentrum Würmersheim hat Ortsvorsteher Helmut Schorpp auf die Aufgaben in diesem Jahr geblickt. Dabei nannte er auch die Verbesserung des Kleinklimas im Ort durch Umgestaltung öffentlicher Flächen (Foto: hr). »-Mehr
Weisenbach
´Unendliche Geschichte´ vor dem Abschluss

09.12.2019
Radwegbrücke: Beginn im Januar
Weisenbach (mm) - In eine fast "unendliche Geschichte" ist Bewegung gekommen - der Radweg-Lückenschluss zwischen Weisenbach und Hilpertsau soll bald vollzogen sein. Dort wurden Rodungsarbeiten ausgeführt, um mit dem Bau einer Brücke beginnen zu können (Foto: RP/Archiv) »-Mehr
Umfrage

Der ADAC hat seine ablehnende Haltung in Sachen Tempolimit aufgeweicht. Befürworten Sie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen?

Ja.
Nein.
Das ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz