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Immer mehr Männer gehen auf die Matte
13.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - "Mach doch mal Yoga!" Diesen Satz höre ich nach dem donnerstäglichen Fußballtraining oft, wenn sich meine Frau abends auf der Couch über meine Wehwehchen lustig macht. Gerne garniert sie das süffisant mit einem Hinweis auf mein fürs Kicken nun mal schon leicht fortgeschrittenes Alter. Aber bin ich wirklich schon reif für Yoga? Ich spiele ja nicht mal Golf. Die Antwort lautet definitiv Ja! Denn durch Stress - oder durch Fußball - verspannte Muskeln, Sehnen und Bänder entspannen sich dabei.

















Das bekomme ich schon nach der ersten Anfängerstunde in der Yogaschule von Martine Möhrmann zu spüren - samt eines kleinen Muskelkaters, der sich tags darauf in Bereichen meines Körpers bemerkbar macht, die ich zuvor gar nicht mit Muskeln in Verbindung gebracht habe.

Es ist ein angenehmes Gefühl, das sich alsbald einstellt, als die ersten Aufwärmübungen hinter mir liegen und ich merke, dass mich die anderen zwölf Kursteilnehmer gar nicht beachten, sondern ausschließlich mit sich selbst beschäftigt sind. Der Anfängerkurs im Sandweg 6 in Gernsbach startet mit dem Kreisen der Fußgelenke. Bei mir knackt und knarzt es da gewaltig, aber ich halte durch. Es folgen die Bewegungsrichtungen der Wirbelsäule, drehen nach unten, drehen zur Seite ... Hier und da schreitet die Yoga-Lehrerin ein, gibt Tipps und Hilfestellung. "Ganz wichtig: Wenn irgendetwas weh tut, Übung einstellen", achtet Möhrmann auf das Wohlbefinden ihrer Schüler.

Unter ihnen befinden sich zuletzt immer mehr Männer, Tendenz steigend. In jedem ihrer zwölf Kurse, die sie pro Woche gibt, seien inzwischen mindestens ein, zwei männliche Teilnehmer, insgesamt sind sie aber noch in der Unterzahl. "Leider", findet Möhrmann, schließlich war Yoga einst ein klassischer Männersport, im alten Indien war den Frauen die Praxis sogar gänzlich untersagt. In vielen Teilen unserer Gesellschaft sind die Rollenbilder klar verteilt - und da werden Meditation, Entspannung und Selbstfindung wie beim Yoga nun mal klar dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben. "Schade", meint Martine Möhrmann, weil Yoga für Mann und Frau gleichermaßen gesund ist - für den Körper und den Kopf. Die 56-Jährige selbst ist dafür das beste Beispiel. Die gelernte Steinbildhauerin konnte nach einer schweren Wirbelsäulenverletzung nicht mehr in ihren alten Beruf zurück. Sie durfte sich im Alter von 35 Jahren mit ihrer versteiften Wirbelsäule nicht mehr bücken und nicht mehr als fünf Kilogramm heben, ihr drohte der Rollstuhl. Bis sie Yoga für sich entdeckte.

"Ich habe eine tolle Lehrerin gefunden", blickt Martine Möhrmann dankbar zurück. Als sich der Erfolg einstellte, sie durch die Kurse ihre Beweglichkeit zurückerlangte, reifte der Entschluss, das Erreichte selbst weiter zu geben. Es folgte eine Ausbildung zur Yogalehrerin in Waldkirch bei Freiburg mit dem Abschluss BDY / EYU (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland / Europäische Yoga-Union).

Gutes Mittel gegen

Volkskrankheit

Inzwischen gibt Möhrmann seit gut zehn Jahren Yoga-Kurse, anfangs im Murgtal-Wohnstift, dann im DRK-Haus am Bachgarten und seit sechs Jahren im Sandweg 6. Weil sie eine entsprechende Zertifizierung aufweist, die von den Krankenkassen anerkannt wird, können bis zu 80 Prozent der Kursgebühren übernommen werden.

Gut zu wissen, schließlich zwicken bei mir längst nicht nur die Fußgelenke, sondern nach einem langen Tag im Büro auch mal der Rücken. Sogar gegen diese Volkskrankheit hilft Yoga durch die Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur, die schon im Anfängerkurs ein zentrales Thema ist. Zudem lernt man das Zusammenspiel von Atem und Bewegung, den Aufbau von Beweglichkeit und Kraft sowie die Entlastung der Schultern. Zum Abschluss wird ein bisschen entspannt, das Licht ist gedimmt, Martine Möhrmann leitet die Teilnehmer an, in ihre Körper hinein zu spüren und alle Körperpartien intensiv zu entspannen. Ich schlafe dabei fast ein und denke an meine Frau, der das beim Yoga-Ausklang auch manchmal passiert.

Nach 90 Minuten gehe ich zufrieden und mit einem angenehmen Körpergefühl nach Hause. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, das zu wiederholen. Meinen Fußballkumpels erzähle ich natürlich nichts davon. Obwohl sich selbst die Nationalmannschaft längst mit Yoga fit hält, denken, so glaube ich, immer noch viele Jungs, das sei nur was für Frauen, Inder, Akrobaten oder Veganer, die am Küchenfenster Kresse anbauen. Dem ist aber nicht so, wie ich nun weiß. Die Übungen haben zwar mitunter lustige Namen wie Kobra, Krokodil, Hund, Held, Baum, Bogen oder Sonnengruß. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber erwiesen, dass Yoga mit ihnen in der Lage ist, erhöhten Blutdruck zu senken, Nervensystem, Herz- und Pulsschlag zu beruhigen und die Ausschüttung von Stresshormonen zu bremsen. Jetzt muss ich mir nur noch die Zeit freischaufeln, regelmäßig Yoga zu machen - beim Fußball klappt das schließlich auch!

www.yogaschule-

moehrmann.de

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