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Ab Februar bleibt die Backstube kalt
Ab Februar bleibt die Backstube kalt
14.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Eigentlich könnte Hans-Dieter Asal schon seit fast drei Jahren das Rentnerdasein genießen, aber noch steht er gerne jeden Morgen ab 1.30 Uhr in der Backstube am Forbacher Kirchplatz. Trotzdem fiel im Dezember nach langem Ringen die Entscheidung: "Wir schließen zum 31. Januar."

"Wir" - das heißt bei der Bäckerei Asal in erster Linie seine Frau Maria, genannt Maja, und Tochter Stefanie, genannt Steffi, die mit Vater Hans-Dieter jeden Morgen dafür sorgten, dass im Verkaufsraum das Angebot liegt, das die Stammkundschaft oft schon seit Jahrzehnten einkauft. "Wir" heißt aber auch die ganze Großfamilie Asal, denn wenn Not am Mann war, dann packten in der Vergangenheit alle kräftig mit an.

Seit fünf Generationen ist die Bäckerei ein Familienbetrieb, erst als Bäckerei Dieterle, später unter dem Namen Gernsbeck und nun in der dritten Generation als Bäckerei Asal. Tochter Steffi (41), die seit frühester Kindheit in der Backstube und im Verkaufsraum das Handwerk kennenlernte, wird die Bäckerei nicht alleine weiterführen: "Das packe ich alleine nicht, dazu fehlt mir einfach der passende Partner", sagt sie mit großem Wehmut. Seit sie denken kann, war die Bäckerei ihr Lebensinhalt. "Das geht in einem solchen Betrieb auch nicht anders", davon ist Hans-Dieter Asal fest überzeugt.

Als junger Mann war er schon in der elterlichen Bäckerei auf ein Leben zwischen Mehlsäcken und Backofen hin erzogen worden, über einen anderen Beruf hat er nie nachgedacht: "Die Frage stellte sich nie." Und er hatte Glück, denn mit seiner Frau Maja hat er eine Partnerin gefunden, die sich den Anforderungen der Bäckerei unterworfen hat. Die Einzelhandelskauffrau hatte ihre Ausbildung bei Foto Zipprich in Gernsbach gemacht. Sie stand kurz vor dem 18. Geburtstag vor dem Traualtar und wurde so ein Mitglied im Mehrgenerationenhaus Asal.

Dreh- und Angelpunkt für die Großfamilie

Die Bäckerei im Erdgeschoss war Dreh- und Angelpunkt der Großfamilie, und das ist sie bis heute. Direkt hinter Verkaufsraum und Backstube liegt die Wohnung. In der gemütlichen Küche gehen Kinder, Enkelkinder und Freunde ein und aus. Ein kleiner Ausgleich für die eingeschränkte Freizeit der Bäckersleute. "Fortgehen am Freitagabend - das geht nicht", erklärt Steffi Asal ihren Beruf als "Beziehungskiller". "Wenn man um 1.30 Uhr in der Backstube stehen muss, dann muss man tags schlafen und Alkohol ist tabu", erklärt Hans-Dieter Asal, der in seiner Jugendzeit auch gerne Tanzmusik gemacht hat: "Da bin ich manches Mal direkt vom Fest in die Backstube - aber ohne Alkohol, sonst wäre ich in der Hitze umgekippt."

In den 43 Jahren, seit er von Opa Hans Asal die Bäckerei übernommen hat, hat sich vieles verändert. In der Anfangszeit waren die Fahrten mit dem Verkaufswagen nach Hundsbach ein wichtiger Faktor. Später kamen die Schichtarbeiter aus der Papierfabrik in Scharen vorbei, vor allem nach Schichtende um sechs Uhr morgens. Trotz der Konkurrenz der Discounter ist das Asal-Brot immer noch gut nachgefragt: "Ich backe noch wie mein Vater."

Erst in den vergangenen Tagen sei ihm bewusst geworden, was die Schließung der Bäckerei auch für die örtlichen Vereine bedeute: "Wir konnten kurzfristig bei einem Vereinsfest reagieren: bei schöner Wetterprognose haben wir mehr gebacken, bei schlechter deutlich weniger." Das Inventar allerdings will er vorerst nicht verkaufen. Und er plant nicht, seine Rezepte weiterzugeben. Auch nicht das für den berühmten Bermersbacher Pumpernickel, ein süßes Brot, das an Lebkuchen erinnert.

Seine Frau Maja freut sich vor allem auf Fahrradtouren mit dem E-Bike und die Möglichkeit, mit ihrem Mann auch einmal am Abend auszugehen. Tochter Steffi dagegen weiß noch nicht, wie ihre berufliche Laufbahn weitergehen wird. Sie kann sich nicht vorstellen, in einer anderen Bäckerei genauso glücklich zu sein.

Die Schließung fällt allen Asals schwer. Maja Asal und ihre Tochter bekommen feuchte Augen, wenn sie an den Abschied von der Stammkundschaft und den Mitarbeiterinnen denken. Und die beiden Enkelkinder Mia und Neo, die bisher auf dem Schulweg jeden Morgen einen Abstecher in den Laden gemacht haben? Für die ist es auch traurig, dass es zukünftig dort nichts mehr gibt, aber sie freuen sich schon sehr darauf, dass Oma und Opa bald mehr Zeit haben werden.

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