Wo Fantasie, kreative Gestaltung und Abenteuergeist gefragt sind

In den einzelnen Renaissance-Werkstätten wird gezeichnet, gemalt, gehämmert, gesägt, gegipst, fotografiert oder mit Ton gearbeitet.  Foto: Haller-Reif

Von Margrit Haller-Reif

Gaggenau - "Die Reise geht weiter ...", jedes Jahr in eine unbekannte Welt, die es mit viel Fantasie und Gestaltungslust zu erobern gilt. Die 16. Auflage des einwöchigen Workshops in der Sommerakademie für Kinder führte 25 junge Entdeckungsreisende in die Kunst und Kultur der Renaissance. Neben vielen kleinen Kreativ-Abenteuern hatten die Reiseteilnehmer zwischen sieben und 17 Jahren offensichtlich eine Menge Spaß. Wie intensiv sie in die Epoche des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert eingetaucht waren, bewies der abschließende Rundgang mit Besuchern durch die "Renaissance-Galerie".

Charlotte, Laura, Mia und Klara treffen letzte Vorbereitungen für die Tombola, deren Erlös krebskranken Kindern zugutekommen wird. Selbst gemalte Acryl- und Kreidebilder von "berühmten Renaissance-Menschen" sollen hier verlost werden, doch momentan sorgt ein vermeintlicher "Kunstraub" für kurzzeitige Aufregung. Nebenan zeigt Lucia (7) stolz ihr "Natur-Konfetti", sprich zweigeteilte Ahornsamen, vor. "Die Flugtauglichkeit haben wir auf dem Schlossbalkon ausprobiert", lacht die neue Akademieleiterin Katharina Beckmann, "es funktioniert bestens." Ihre "Die Reise geht weiter"-Premiere habe sie "in ein mir wohlbekanntes Land" geführt, so die Kunstpädagogin. "Vor allem aber hat die Renaissance-Reisegruppe nicht nur mir, sondern allen im Reiseleitungsteam viel Freude bereitet."

Kursleiterin Susanne Wadle kann dem nur zustimmen: "In diesem tollen Rahmen mit einem tollen Schlossteam hat unsere Reisegruppe enormen Teamgeist, Fleiß und Kooperationswillen bewiesen." Jedes Jahr aufs Neue neue Ideen, "das ist auch für mich als Künstlerin inspirierend". Ein großes Kompliment gibt sie auch an ihre Co-Reiseleiterinnen weiter, Katinka Falk für die künstlerische Unterstützung und Lena Dilger, Azubi der Stadt Gaggenau, für die engagierte Mithilfe.

In den einzelnen Renaissance-Werkstätten wurde gezeichnet, gemalt, gehämmert, gesägt, gegipst, fotografiert, getont und obendrein eine Wasserrutsche zur Abkühlung gebaut. Dankbar waren die jungen Renaissance-Reisenden für Rat und (Mit-)Tat bei den vielfältigen Aufgaben. "Es war super in der Renaissance und ganz oft richtig lustig", sind sie sich einig. Oder wie Klein-Maggie es ausdrückt: "Mir hat alles am meisten gefallen."

Auf den Spuren von Leonardo

Isabella de' Medici alias Michelle (13) ist noch damit beschäftigt, über acht Meter Samt so zur stattlichen Robe zu drapieren, dass sie nicht ständig verrutscht. Gemeinsam mit Dienerin Bia (Freundin Berit, 12) und dem zweibeinigen Kätzchen Lorena führt sie den Spaziergang durch das Freiluft-Renaissance-Städtchen an. In den jeweiligen Werkstätten stellen die Jung-Künstler die Früchte ihrer kreativen Arbeit vor: Knatter-Säge und Bohrer zum Bau von Flugobjekten nach Ideen des Künstlergenies Leonardo da Vinci kommen in der Holzwerkstatt zum Einsatz. Bemalte Figuren, Mini-Statuen und Tiere aus Draht und Gips sind in der Werkstatt nebenan entstanden. Eine Miniaturausgabe von da Vincis "Mensch im Spagat" offenbart den für die Renaissance typischen mathematischen Blick auf den menschlichen Körper.

Mit Schreibfedern aus echten Federn und Tusche wurde in der Schreibwerkstatt gearbeitet. In der Ton-Werkstatt, vom Schloss-Hausmeister neu errichtet, gibt es in einer kleinen Ausstellung neben altertümlichen Objekten auch neuzeitliche wie eine Eistüte oder ein Handy zu bestaunen. Farbenprächtige Bilder, darunter auch etliche "Spritzbilder", auf Leinwand, Holz oder Pappe werden in der Malstation vorgestellt. Als Vorlage dienten meistens Fotografien aus Büchern oder Fotos in Echtzeit.

Mit einem reichen Fundus an Stoffen wartet die Verkleidungsstation auf. Hier darf sich, wer will, in Albrecht Dürer oder Mona Lisa "verwandeln". Für Letztere stand Sabine Peters, stellvertretende Akademieleiterin, Modell: "Herrlich, wie mich drei Mädels optimal auf die Dame getrimmt haben." Die Ketten, Armbänder, Ohrringe und Schlüsselanhänger aus der Schmuckwerkstatt waren für den Erlös der Tombola bestimmt. Die Leckereien am Ende des Rundgangs für hungrige Kindermägen - entsprechend schnell wurde das reichhaltig bestückte Buffet gestürmt.

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