"Die Reben stehen bilderbuchmäßig da"

Erlesener Jahrgang über Gernsbach: Winzer Jürgen Decker ist mit dem Spätburgunder an den Hängen seines Weinguts Schloss Eberstein äußerst zufrieden.  Foto: Gareus-Kugel

Von Hartmut Metz

Gernsbach - Die ersten Weintrauben sind im Badischen bereits gepflückt. In Leiselheim erntete die Winzergenossenschaft die frühe Sorte "Solaris" für Federweißen. Die Hauptlese ist damit nicht mehr weit. Die meisten Winzer warten aber noch ab, heißt es beim badischen Weinbauverband. "Ende August, Anfang September kann es dann richtig losgehen." So sieht es auch Jürgen Decker vom Weingut Schloss Eberstein.

"Wir haben ja keine ganz frühen Sorten wie Solaris oder Findling. Daher haben wir momentan noch eine entspannte Phase. Alles ist in den Weinbergen gemacht", beobachtet der Inhaber des Weinguts über den Hängen von Gernsbach nur das tägliche Wetter, um im rechten Moment zusammen mit Kellermeister Urban Jung den Startschuss zu geben. "Derzeit kalkulieren wir damit, dass in der Woche nach dem 1. September die erste Lese beginnt."

Während die Landwirte landauf, landab über die Dürre klagen, wird der badische Wein diesen Sommer besonders von der Sonne verwöhnt. "Überall wird von Trockenheit gesprochen. Wir dürfen nicht jammern und können zufrieden sein", betont Decker. Es habe auch schon anders ausgesehen: "Was sollen wir über die Natur klagen? Die Natur ist, wie sie ist. 2017 gab es Frostschäden. Wir verloren 40 Prozent unserer Ernte und bekamen keinen Ersatz. Nun wird es eben ein richtig gutes Jahr", sieht es der Herr der Reben am Schloss ganz pragmatisch als Mischkalkulation über viele Jahre hinweg.

Die Trockenheit könne seinen Reben wenig anhaben. "Die Stöcke sind so vital und grün. Die Reben stehen bilderbuchmäßig da!", freut sich Decker und erläutert dem Laien den Grund, "Rebstöcke sind Tiefwurzler, die ihre Feuchtigkeit in sieben, acht, neun Metern finden. Daher mussten wir sie auch nicht beregnen." Die Pflanzen befänden sich in einem optimalen Alter, um "dieser Hitze-Strapaze zu trotzen. Sie haben nun ein tiefes Wurzelwerk". Anno 2002 hatte der Winzer die Rebstöcke am Schloss gesetzt, 2003 folgten diese auf der Terrasse.

Gegen Regen hätte Decker auch nichts einzuwenden, solange es kein gewaltiger ist, der die Trauben schädigt. So weit wie eine rheinhessische Kollegin würde er aber am Fuße des Schlosses Eberstein oder gar im Schlosshof kaum gehen - eine Winzerin und 17 Mitglieder ihres Tanz- und Jazzgymnastikvereins Biebelnheim (bei Worms) hatten mit einem Regentanz ein Ende der Trockenperiode in den Weinbergen herbeigefleht. "Wenn wir jetzt keinen Regen bekommen, werden wir große Mengen ernten, aber wenig Saft rauspressen", erklärte die Tanzlehrerin ihre Beweggründe, obwohl die Trauben noch nie so früh so süß wie dieses Jahr waren.

Ein bisschen Regen fiel dann nach dem zweiten Regentanz "mit mehr Tänzern" doch herab. Ansonsten war die Aktion mit Filmchen auf Youtube aber wohl doch eher hilfreich bei der Vermarktung des kleinen Öko-Weinbetriebs. Decker hält solche Marketing-Gags für überflüssig, weil im Murgtal alles für einen edlen Tropfen passt: "Wir bekommen tolle, trockene Weine als Speisebegleiter! Oder man kann sie natürlich zum Genuss trinken."

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