Keine Panik vor "Batman"

Keine Panik vor 'Batman'

Von Hartmut Metz

Murgtal - Fledermäuse findet Stefan Eisenbarth "unheimlich faszinierend". Nicht nur, dass sie "mit den Ohren sehen und den Händen fliegen" - es gibt sie auch "seit 50 Millionen Jahren fast unverändert", verweist der Gernsbacher Umweltschützer auf "Belege in der Grube Messel, in der auch Fledermäuse gefunden wurden". Den Menschen, betont der CDU-Gemeinderat, "gibt es deutlich kürzer. Aber jetzt hat er es bald geschafft, die Fledermäuse an den Rand der Ausrottung zu bringen".

Um doch die Kurve zu kriegen, organisiert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) seit 1997 eine "Batnight" - das klingt cooler, weil es Assoziationen zu der Kultfigur Batman schafft. Entsprechend hat sich das Projekt mittlerweile auf 35 Länder ausgeweitet. Im Südwesten seien viele der heimischen 20 Arten gefährdet, betont der NABU und verweist auf tödliche Insektizide sowie den Verlust von natürlichen Lebensräumen.

Im Murgtal gibt es zwar am Wochenende keine "Batnight"-Aktionen, aber Eisenbarth kämpft das ganze Jahr über für die Flugakrobaten. "Hier gibt es ein recht gutes Vorkommen", erzählt der Gernsbacher und verweist auf neun Arten allein in Hilpertsau und insgesamt elf im gesamten Stadtgebiet. "Grundsätzlich sind die alle gefährdet, obwohl sie streng geschützt sind", weiß er, obwohl die nächste von zwei jährlichen Zählungen noch im August aussteht. Der Experte kümmert sich dabei vor allem um die Grauen Langohren in Obertsrot und Gausbach. Während er in dem Gernsbacher Stadtteil sieben Fledermäuse entdeckte, waren es in Gausbach zehn - ein deutlicher Rückgang. "2016 waren es noch 26." Ob dies ein alarmierendes Zeichen sei, vermag er "schwer zu sagen. Viele ziehen sich in Spalten zurück", berichtet er von der Mühsal, mit dem für Fledermäuse kaum bemerkbaren Rotlicht die dunklen Ecken abzusuchen, wo sie hängen könnten.

Frohe Kunde gibt es wenigstens aus der Klingelkapelle: Dort wächst die Population. "Das wäre überall wünschenswert, aber an den anderen Orten im Murgtal stagniert die Zahl eher." Immerhin wurde dort anhand von Kotproben, in denen sich Haare der kleinen Putzteufel finden, das erste Vorkommen von Wimpernfledermäusen in Nordbaden festgestellt. Mit Lichtschranken ermittelte die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus die stattliche Zahl von 60.

Während eine Mückenfledermaus in eine Streichholzschachtel passt, haben die Mausohren eine Spannweite von bis zu 40 Zentimetern. 150 bis 200 Fledermäuse nutzen die katholische Kirche in Weisenbach als Domizil. "Die Sanierungen im Winter sind auch kein Problem", meint Eisenbarth. In der katholischen Liebfrauenkirche in Gernsbach logieren rund 35 Langohren.

Ausgerechnet die Kirchen sind heutzutage ein Segen für die Tiere - im Mittelalter brachte die Kirche vor allem Tod und Hass über die Hautflügler, weil die Teufel und Höllentiere ähnlich dargestellt wurden und so der Aberglaube gefördert wurde. "Viele fürchten sich noch heute vor ihnen. Dabei sind Fledermäuse bei uns Insektenfresser und keine Blutsauger", erinnert Eisenbarth an die schaurigen Dracula-Erzählungen.

Sollte im August nachts "Batman ins Schlafzimmer kommen", gäbe es auch keinen Grund zur Panik, schreibt der NABU auf seiner Webseite und gibt Tipps. Die flügge gewordenen Jung-Fledermäuse verschwänden meist wieder, wenn man das Licht ausschaltet und die Fenster weit öffne.

Um den Tieren mehr Lebensraum zu bieten, bedarf es der Erhaltung und Schaffung insektenreicher Lebensräume wie Wiesen, Feuchtgebiete, Feldgehölze - und Hecken. "Ist eine Hecke plötzlich weg, fehlt es der Fledermaus an Orientierung", verweist Eisenbarth auf die stark störungsanfällige Echoortung der Flugkünstler, deren Hörorgane etwa bei den Langohrfledermäusen rund ein Drittel der Länge ausmacht. Angesichts der überall zubetonierten Flächen findet das grüne Herz der Schwarzen im Gernsbacher Gemeinderat: "Die Ausgleichsmaßnahmen sind ein Witz. Es gibt immer weniger Streuobstwiesen!"

Auf diesen finden die bedrohten Tiere Nahrung und Baumhöhlen. Aber auch jeder Gartenbesitzer vermag sein Scherflein beizutragen mit "Wildwuchs", wie Eisenbarth betont. Zudem können neben Baumhöhlen und zugänglichen Dachstühlen auch Nistkästen, die es in Baumärkten gibt, im Garten oder an Hauswänden als Quartiere dienen.

www. batnight.de

www. nabu-bw.de

zurück