Pionierprojekt für die Elektrifizierung

Seit 100 Jahren besteht das Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach.  Foto: Willi Walter

Forbach (red) - Das Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach besteht seit 100 Jahren. Im Juni wurde das Jubiläum dort groß gefeiert. Das Badische Tagblatt blickt in einer heute beginnenden fünfteiligen Serie auf die Historie der Stromgewinnung an der Murg zurück.

Das Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach gehörte zu den Pionierprojekten in der Geschichte der Elektrifizierung, informiert die EnBW als Betreiber. Eindrucksvoll sind Bauchronik und Nachhaltigkeit, mit der sich das Wasserkraftwerk an der Murg über viele Jahrzehnte hinweg als stabile Säule der Energieversorgung bewährt hat. Vor dem Hintergrund der Energiewende mit ihren besonderen Herausforderungen wird die nächste Etappe dieser Schwarzwälder Erfolgsgeschichte nicht lange auf sich warten lassen - die Ausbaupläne zu einem Pumpspeicherkraftwerk wurden bereits vorgestellt. Das Vorhaben befindet sich derzeit im Planfeststellungsverfahren.

Wasser als Helfer bei der Arbeit des Menschen hat eine lange Geschichte. Ratternde Mühlräder waren auch seit dem Mittelalter im Murgtal zu finden. Die technische Vorgeschichte des Werks begann Ende des 19. Jahrhunderts: Wasserkraft wurde als effektives Mittel zur Stromerzeugung entdeckt. Seit Mitte der 1880er Jahre gab es in Deutschland Kraftwerke zur regionalen Stromversorgung. Weltweit setzte 1895 das erste Groß-Wasserkraftwerk an den Niagarafällen Maßstäbe. Nicht weit von Forbach entfernt, im badischen Rheinfelden, gingen ab 1898 die 20 Turbinensätze des damals größten europäischen Wasserkraftwerks in Betrieb.

In Zeiten allgemeiner Aufbruchstimmung und wachsenden Energiebedarfs in den Metropolen Mannheim und Karlsruhe verfolgte auch die badische Staatsregierung ehrgeizige Ziele. Berge und Flüsse des Schwarzwalds waren topographisch ideal für die Erzeugung von Strom mit Wasserkraft. Für den Stromtransport in die Städte gab es auch Grund zum Optimismus. Schon 1891 war die Fernübertragung von Hochspannungs-Strom über beachtliche 175 Kilometer von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main gelungen.

Für die Murg entstanden erste Konzepte zur energetischen Nutzung von Wasserkraft, zunächst auf Initiative der sich ansiedelnden Papierindustrie. Schnell jedoch nahm die Regierung das Heft in die Hand, um Elektrizität für breitere Bevölkerungsschichten verfügbar zu machen. Im Juli 1912 richtete das badische Innenministerium in Karlsruhe bei der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus eine "Abteilung für Wasserkraft und Elektrizität" ein. Im Dezember desselben Jahres verabschiedete das Parlament das "Gesetz betreffend den Bau und Betrieb eines Murgwerks durch den Staat".

Ein erster Entwurf für das Projekt lag schon vor. Theodor Rehbock, renommierter Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe, hatte sich ausgiebig den Kopf über das Thema zerbrochen. Seine Ideen fanden das Interesse der Badischen Staatseisenbahn, deren Generaldirektion 1908 eine Denkschrift mit dem Titel "Die Wasserkraftanlage im Murggebiet oberhalb von Forbach" herausgab.

Seitens der Staatsregierung Baden übernahm Oberingenieur Rudolf Fettweis Anfang 1913 die Regie. Er und seine Mitarbeiter optimierten Rehbocks Pläne. 1914 begann der Bau des "Badischen Murgwerks". Bis 1918 setzten Bauteams "auf Rechnung des Staates" die erste Ausbaustufe des Projekts - Murg-Hochdruckwerk und Murg-Niederdruckwerk - um. 1917 ging das Niederdruckwerk in Betrieb, 1918 folgte das Hochdruckwerk. 1919 floss erstmals Strom durch eine 110-kV-Hochspannungsleitung nach Karlsruhe und Mannheim. Aufgrund massiver Kohleknappheit nach dem Krieg waren brennstoffunabhängige Energiequellen zu jener Zeit dringend nötig.

(Fortsetzung folgt.)

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