Teurer Hieb am Fest der Liebe

Teurer Hieb am Fest der Liebe

Von Hartmut Metz

Gernsbach/Weisenbach - Ein "teures Weihnachtsgeschenk" hat sich ein Gaggenauer beim letzten Fest der Liebe selbst eingebrockt: Ein Hieb im Suff am 24. Dezember nachts um 4.05 Uhr im Weisenbacher Ortsteil Au dürfte ihn letztlich an die 25000 Euro kosten. Immerhin blieb dem 22-Jährigen eine Haftstrafe erspart, obwohl er - trotz eines Antiaggressions-Trainings - bei seinem fünften Körperverletzungsdelikt seit 2012 noch unter Bewährung stand.

Der Verletzte berichtete, wie er mit einem Freund, dessen Ehefrau und einer Bekannten kurz nach 4 Uhr durch Au schlenderte. Ein mitten auf der Straße stehendes Auto veranlasste den 31-Jährigen zur Aussage, "man könne ja noch bescheuerter parken". Ein Anwohner, der mit seinen zwei Kumpels nur kurz Halt machte, konterte: "Das geht dich nichts an, ich wohne hier." Das Quartett lief zunächst rund 15 Meter weiter, eine kurze Schimpftirade provozierte jedoch den 31-Jährigen, der zurückkehrte.

Details der einsetzenden Wortgefechte wussten die Beteiligten teilweise nicht mehr - auch, weil jede Menge Alkohol durch die männlichen Adern quoll. Der 31-Jährige hatte gegen 4.30 Uhr auf der Polizeiwache wegen einer abendlichen Gin-Probe noch 1,72 Promille im Blut. Die drei Männer wohl mehr. "Wir hatten zu dritt eine Flasche Whiskey vernichtet", gestand der erste Zeuge. Später war noch die Rede von einer Flasche Gin und "mehreren Freigetränken".

Der erste Zeuge war sichtlich angespannt, sprach äußerst bedächtig und sehr, sehr leise - bis ihn Richter Ekkhart Koch geschickt an der zu spürenden Unsicherheit packte und aus der Reserve lockte: "Ja, er sagte, dass er ihn geschlagen hat." Koch lobte und tadelte ihn: "Weil sie ein guter Kumpel sind, haben sie nichts gesagt und hier so lange rumgeeiert."

Nach der folgenden Verhandlungspause brach der Angeklagte sein Schweigen. Der Wiederholungstäter hatte trotz der Kälte seinen Oberkörper entblößt und getönt: "Ich mache seit neun Jahren Kampfsport!" Der Schlag ins Gesicht des Opfers kam so schnell und unerwartet, dass weder der Verletzte noch Zeugen Details benennen konnten. Das Opfer knallte auf den Bordstein und hatte Glück, dass sein Rucksack Schlimmeres verhinderte. Eine Jochbeinfraktur führte auch so zu einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt, der sich im Januar verlängerte. Ein erst spät bemerkter tückischer Abszess auf der tauben Gesichtshälfte schwor besondere Gefahr herauf. Eine Nachbehandlung im Frühjahr folgte.

Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten zugute, er habe ein Geständnis abgelegt und sich "im Rahmen seiner Möglichkeiten entschuldigt" - diese hatte der in Forbach aufgewachsene Täter arg linkisch und dem Opfer nur halb zugewandt abgegeben: "Tut mir schon leid. Ich war alkoholisiert, du auch." So klang nicht all zu viel Reue durch. Sie plädierte schweren Herzens auf eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, der Verteidiger war für fünf. Koch brummte dem Täter acht Monate zur Bewährung über vier Jahre auf sowie die Verfahrenskosten. Zudem sprach er dem Opfer 4000 Euro Schmerzensgeld, zahlbar in 40 Monatsraten, zu. Auf eine Geldstrafe verzichtete der Richter, weil der Gaggenauer wohl weitere "20000 Euro" bedienen muss, wenn die Forderungen des Krankenhauses, der Krankenversicherung des Geschädigten und von dessen Arbeitgeber (mindestens 7000 Euro) kommen.

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