Anrüchiges Ambiente im Bauhof-Keller

Der Keller des Weisenbacher Bauhofs aus der Gründerzeit liefert die Kulisse für 'Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm'. Am 13. September ist Kinostart.  Foto: av / Wörner

Weisenbach (ww) - Riesengroß war der Aufwand, als im vergangenen Jahr Ende März die Räumlichkeiten des Weisenbacher Bauhofs in der Schlechtau für Filmaufnahmen zu "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" genutzt wurden (das BT berichtete). Dort, wo sich sonst die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs um Streusalz, Filtermaterial für die Wasserversorgung oder zahlreiche sonstige Bau- und Bedarfsmaterialien kümmern, entstand für die Aufnahmen ein anrüchiges Ambiente. Am 13. September kommt der Film in die Kinos.

Anstelle der kommunalen Mitarbeiter waren Schauspiel-Größen wie Tobias Moretti und Hannah Herzsprung im Bauhof-Keller, der noch aus der Gründerzeit stammt, zugange. Am 3. März 2017 hatten in Starbesetzung die Dreharbeiten zu Joachim A. Langs außergewöhnlichem Filmprojekt begonnen.

"Mackie Messer - Brechts Dreigroschenoper" basiert auf einem Stück Weltliteratur, das völlig neu interpretiert wird. Erstmalig sind darin die legendäre Dreigroschenoper mit all ihren zu Schlagern gewordenen Songs, die noch nie verfilmte Drehbuch-Vorform Brechts und der Dreigroschenroman zu einer außergewöhnlichen und packenden Story zusammengeführt. Regisseur und Autor Joachim A. Lang verbindet seine Interpretation des Dreigroschenstoffs mit der turbulenten Entstehungsgeschichte und führt den Zuschauer ins Berlin der wilden 1920er Jahre.

Der Tanz auf dem Vulkan, Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und aufkommender Faschismus bilden den Hintergrund. Diese Rahmenhandlung ist eine Art Making-of eines Films, der nie gedreht wurde. Sie zeigt den Versuch, einen Film in Konfrontation mit der Filmindustrie zu machen, die Dreigroschenhandlung dagegen zeigt den nicht gemachten Film. Sie entführt in ein Kunst-London um 1900 zum legendären Gangsterboss Mackie Messer und zu seinem Kampf mit dem Bettlerkönig Peachum. Vieles ist anders als in der Oper - moderner, gesellschaftskritischer und mit einem überraschenden Schluss.

Der "Dreigroschenfilm" ist eine freche, musikalische Satire, die in der Gegenwart ankommt. Der Staub, der sich seit Jahrzehnten über den Klassiker gelegt hat, wird entfernt, der Haifisch bekommt wieder Zähne. Ein Film über eine Zeit großer Veränderung, über eine Welt in Aufruhr, über die großen gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart. Aber auch ein Film über die Liebe, die Lüge zwischen Menschen und über das Menschsein.

Regisseur und Autor Joachim A. Lang ("George", "Brecht - Die Kunst zu leben") war es gelungen, mit Lars Eidinger (Bertolt Brecht), Tobias Moretti (Macheath), Hannah Herzsprung (Polly), Joachim Król (Peachum), Claudia Michelsen (Frau Peachum), Christian Redl (Tiger Brown), Robert Stadlober (Kurt Weill), Britta Hammelstein (Lotte Lenya), Meike Droste (Helene Weigel), Peri Baumeister (Elisabeth Hauptmann) und Max Raabe (Moritatensänger) ein glänzendes Starensemble vor der Kamera zu versammeln.

Ehe die Filmaufnahmen beginnen konnten, wurden über rund zwei Wochen hinweg die Lager geräumt, gesäubert, gestrichen und der Boden poliert. Szenenbildner und Requisiteure waren im Einsatz und haben aus den tristen Räumen mit alten Säulen die passende Location geschaffen. Zahlreiche Requisiten wurden nach Weisenbach geschafft und dort aufgebaut. Der Regisseur Joachim A. Lang legte bei den Aufnahmen akribisch Wert auf kleinste Details beim rund 25 Personen umfassenden Darstellerteam. Diesem gehörten neben den Filmstars ein Tanzensemble sowie zahlreiche Komparsen an. Rund 50 Personen umfasste das Team "hinter den Kulissen".

Das Filmfest in München startete am 28. Juni mit "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm". Wenn nun am 13. September der deutschlandweite Kinostart ist, darf man gespannt sein, wie viel Weisenbach über die Kinoleinwände flimmert.

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