Die zweite fünfte Jahreszeit im Fachwerkdorf

Auf mehreren Bühnen spielt die Musik. Die zahlreichen Gäste des 22. Michelbacher Dorffests genießen das in der idyllischen Atmosphäre des Fachwerkdorfs.Hegmann

Von Hans-Peter Hegmann

Gaggenau - Am Abend am illuminierten Michelbach entlang bummeln, Freunde treffen, die unterschiedlichsten kulinarischen Angebote ausprobieren und abwechslungsreiche Musik hören: Das alles und noch viel mehr bietet das Dorffest in Michelbach. Die Dorfgemeinschaft und der Ortschaftsrat haben am Wochenende zum 22. Mal eine tolle Festmeile und einen gelungenen Festumzug auf die Beine gestellt.

Dieser Meinung waren auch die zahlreichen Besucher, die am Wochenende ins Fachwerkdorf strömten. Aus dem ursprünglich als "Hockete" am Lindenplatz entstandenen kleinen Fest ist inzwischen eine Veranstaltung geworden, deren Bekanntheit sich immer weiter ausdehnt und die immer wieder für ein volles Dorf sorgt.

Bereits am Freitagabend gab es beim FZC Ranch ein "Warm-up" mit Musik von Volker und Stefan. Trotz Nieselregens herrschte ein überraschend hoher Besucherandrang. Unter den großen Schirmen und in der Bar standen die Gäste dicht beisammen. Vermutlich gab es am Samstagvormittag noch einige bange Blicke nach oben, denn zunächst sah es nicht nach Festwetter aus. Zum Sternmarsch auf den Lindenplatz, wo Oberbürgermeister Christof Florus ab 16 Uhr die vielen Gäste im "anerkannt schönsten Ortsteil Gaggenaus" begrüßte, und dem anschließenden kleinen Umzug zur Festbühne vor dem alten Rathaus strahlte aber schon wieder die Sonne. Ebenso der Oberbürgermeister, dem nach einigen zaghaften Schlägen auf den Zapfhahn der obligatorische Fassanstich ohne Bierdusche gelang.

Mit dieser offiziellen Festeröffnung begannen auch die Vorführungen auf der Sparkassenbühne. Dort wechselten sich Blasmusikkapellen und Volkstanzvorführungen mit Gesangseinlagen ab. Beim Freizeitclub Ranch sorgte am Samstagabend besonders der "Chefclub" mit Rockmusik für einen vollen Hof. Ergänzt wurde das musikalische Angebot am Sonntag mit einer Gospelmesse in St. Michael und einem Frühschoppenkonzert mit Blasmusik und Akkordeon-Orchester sowie am Abend mit dem einheimischen "Handtaschenfourmat". Ab 14 Uhr zog der Festzug mit einer großen optischen Vielfalt am Bach entlang durch das Dorf.

Nach wie vor soll das Dorffest aber auch der Darstellung von handwerklicher und bäuerlicher Tradition dienen, die einst im Ort alltäglich war. Von Anfang an dabei sind die Steinhauer um Georg Wipfler. Inzwischen ist bereits sein Enkel Samuel der junge Handwerksgeselle, der den Opa sowohl beim Bearbeiten des großen Sandsteins unterstützt als auch den einen oder anderen Satz wiederholt, den der schwerhörige Opa nicht verstanden hat.

Wie bei jedem Fest fertigen die Steinmetze in ausschließlicher Handarbeit aus einem Felsbrocken aus der Umgebung ein Kunstwerk, das danach im Ort oder der Umgebung aufgestellt wird. Dieses Jahr ist es ein großer Sandsteinblock-Findling aus dem "Doowall", der die Grundlage für einen Brunnentrog bildet.

Er wird nach seiner Fertigstellung den Lindenplatz zieren und eine Steinplatte mit dem eingemeißelten Namen wird am "Hirschbrünnele" angebracht. Schon einige Jahre dabei sind auch die Schildermacher Dieter Jentzen und Alfred Kraft. Sie renovieren in der Bude bei den Steinmetzen die alten Holzschilder, die seit Jahrzehnten quasi die Straßenschilder an den vielen Waldwegen rund um Michelbach darstellen.

Ergänzt werden die Männer durch Mathilde Kugel, die in burschikoser Kleidung elegant vorführt, wie eine Sense gedengelt wird. Daneben zeigen in ihrem Wohnzimmer mit Werkstatt die Spinnerin Cornelia Brunner mit ihrem Radel, wie Wollfäden entstehen. Und der Schreiner Alexander Rieger lässt die Späne aus dem Hobel fliegen. Zum ersten Mal dabei ist der mobile Schmied Andreas Retzer mit Gehilfe, der in seinem rauchgeschwängerten Leinenzelt nicht nur arbeitet, sondern auch die Nacht verbringt. Ebenfalls als eine Reminiszenz an die ehemalige Jugend im Dorf ist "Tante Emmas Gutselladen", wo man immer noch ab fünf Cent einzelne Bonbons kaufen kann.

Mit diesem umfangreichen Angebot bestätigte sich wieder einmal, dass der Begriff von der zweiten fünften Jahreszeit in Michelbach absolut zutreffend ist. Zudem wird ein Teil des Festerlöses für soziale und kulturelle sowie weitere dörfliche Zwecke zur Verfügung gestellt.

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