Konflikt um Wasser und Weideland in der Heimat

Konflikt um Wasser und Weideland in der Heimat

Von Katharina Vogt

Forbach/Weisenbach - Bereits zum zweiten Mal ist Pfarrer Dr. Innocent Oyibo als Urlaubsvertretung in der katholischen Seelsorgeeinheit in Forbach-Weisenbach tätig. Er hat sich gefreut, auch in diesem Jahr ins Murgtal zurückzukehren: "Ich liebe diese Gegend hier und ich fühle mich hier anerkannt und akzeptiert", erklärt der 48-jährige Theologe aus Nigeria.

Mit seiner Heimat ist er über das Telefon und den Computer ständig verbunden. Er beobachtet sehr aufmerksam die politische Entwicklung - nicht nur in seiner Heimatprovinz Kogi, sondern in ganz Nigeria. Im nächsten Jahr wird gewählt, im Vorfeld stehen bereits Veränderungen im gesamten Land an.

Als Dozent an der Kogi-State-University in der Stadt Ayangba ist sein Forschungsgebiet vor allem der interkulturelle Dialog mit Extremisten. "Politisch ist in Nigeria derzeit der Konflikt zwischen den meist muslimischen Viehzüchtern aus dem Norden und den überwiegend christlichen Bauern im Süden ein sehr wichtiges Thema", erklärt Dr. Oyibo die angespannte Lage in seinem Heimatland.

Der Grund für die Auseinandersetzungen in dem 180-Millionen-Einwohner-Land liegt fast auf der Hand: Es geht um Wasser und Weideland. Die Viehzüchter haben große Rinder- und Ziegenherden, die sie durch das Land treiben, die Bauern dagegen verteidigen ihr Ackerland. Es ist bereits zu Überfällen gekommen. "Ganze Dörfer wurden nachts von bewaffneten Viehtreibern überfallen und die Bauern mussten um ihr nacktes Leben rennen", berichtet Dr. Oyibo.

Religiöse Spannungen

Bauern auf der Flucht verlassen Dörfer und Äcker. Die Landwirtschaft kann das Land nicht mehr versorgen, obwohl es eigentlich fruchtbar genug wäre. "Bei uns ist es schön grün, in der Mitte Nigerias gibt es sogar hohe Berge", erzählt der Theologe. Kogi liegt sehr zentral als eine von 36 Provinzen. "Früher gab es Korridore, durch die die Viehzüchter ihre Rinder und Ziegen getrieben haben, jetzt gibt es zu viele Viehzüchter und zu wenig Platz." Schlimm sei besonders, dass diese Unruhen auch zu religiösen Spannungen geführt hätten. Die Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Viehzüchtern würden von Politikern instrumentalisiert. "Der Präsident versucht die Situation zu beruhigen, indem intensiv mit den Nachbarländern verhandelt wird, damit keine illegalen Waffen ins Land kommen." Das Waffengesetz sei ähnlich streng wie in Deutschland.

Auch die Stromversorgung sei etwas besser geworden. Aber noch gibt es ohne den entsprechenden Ausbau der Leitungstrassen nur stundenweise Strom: "Ich habe keinen Kühlschrank", erklärt Oyibo.

Er hat Pfarrer Thomas Holler in Freiburg kennengelernt, als er 2003 dort an seiner Doktorarbeit arbeitete. Trotz der Ferienzeit wartete eine Menge Arbeit auf den Vertretungspfarrer. Doch so viel wie in seiner Dienstpfarrei in der Stadt Kano im Norden Nigerias, wo er an den Wochenenden eingesetzt ist, ist es nicht: "Dort haben wir sonntags sechs Gottesdienste im Stundentakt direkt hintereinander. Der erste beginnt um 6 Uhr morgens. Am Ende müssen die Leute vorne aus der Kirche gehen, damit die Menschen, die für den nächsten Gottesdienst anstehen, von hinten nachrücken können." Trotzdem sei das Verhältnis zwischen den Religionen im Allgemeinen sehr gut: "Mein bester Freund an der Universität ist Muslim und ein ziemlich strenger dazu." Oyibo, der von 1991 bis 1995 in Fulda Theologie studiert hat, spricht perfekt deutsch. "Ich bin ja schon ein paar Tage hier", meint er lächelnd.

Brunnen für sauberes Wasser

"Wenn ich nach Deutschland gehe, kommt mein Heimatdorf, kommen Rektoren der christlichen Schulen und bitten mich, in Deutschland für sie um Spenden für ihre verschiedenen Nöte zu bitten. Leider sind die Leute bettelarm, sie träumen davon, einen Brunnen zu bohren, um endlich sauberes Wasser zu haben." Es sei nicht immer ganz einfach daran zu glauben, dass die finanziellen Mittel, die der Staat an die Provinz leitet, auch da ankommen, wo sie hingehören. Manche politischen Entscheidungen seien nicht immer nachvollziehbar.

So erhält Oyibo gemeinsam mit zwei anderen Dozenten seit 13 Monaten keine Bezüge mehr von der Universität. Es scheint niemand zu wissen, warum das so ist oder wer das angeordnet hat.

Auch wenn er in vielen politischen Fragen eine kritische Haltung hat, alle Schuld auf den Gouverneur zu schieben, hält er für falsch. "Unser Gouverneur hat dafür gesorgt, dass es in unserer Provinz sehr viel sicherer geworden ist und die Kriminalität deutlich gesenkt werden konnte. Aber wir brauchen dringend Investitionen."

Ob er im nächsten Jahr wieder ins Murgtal kommen wird? "Wenn ich kommen darf, dann gerne. Ich habe hier viele nette Menschen kennengelernt, viele Familien haben mir ihre Türen geöffnet und ich habe dieses Jahr noch viel mehr von der Gegend gesehen, das war sehr schön."

Dr. Oyibo wird sich in den Sonntagsgottesdiensten am 9. September wieder verabschieden. Davor gibt es aber sicherlich Gelegenheit, mit ihm ein Gespräch zu führen.

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