Test für emissionsfreie Mobilität

Test für emissionsfreie Mobilität

Gaggenau (stj) - Beim Pilotprojekt "eWayBW" handelt es sich um einen Feldversuch zur Erprobung elektrischer Antriebe bei schweren Nutzfahrzeugen. Er zielt auf die Sicherstellung eines zuverlässigen und realitätsnahen Betriebs von Hybrid-Oberleitungs-Lkw auf der Pilotstrecke zwischen Kuppenheim und Obertsrot über eine Zeitdauer von drei Jahren ab. Bevor die Experten heute in Gaggenau den Bürgern des Murgtals Rede und Antwort stehen und über den aktuellen Sachstand informieren (siehe: Zum Thema), fasst das BT die bisherigen Erkenntnisse und Geschehnisse rund um das Projekt zusammen.

Wie kam das Pilotprojekt ins Murgtal?

Das Kuppenheimer Speditionsunternehmen Fahrner hat sich im Frühjahr 2017 an das Land Baden-Württemberg gewandt mit der Bitte, eine Versuchsstrecke für Oberleitungs-Lkw auf der B 462 einzurichten. Mit - für die Politik erstaunlich schnellem - Erfolg: Schon am 11. September desselben Jahres übergab die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Förderbescheid auf dem Werksgelände der Spedition Fahrner.

Warum ausgerechnet die Strecke von Kuppenheim nach Obertsrot?

Auf der 18 Kilometer langen Pilotstrecke werden jährlich mehr als 500000 Tonnen Papier und Pappe im 24-Stunden- und Sieben-Tage-Betrieb von den Papierherstellern in Obertsrot und Hilpertsau ins Logistikzentrum nach Kuppenheim gebracht. Pro Kalendertag ergebe sich so die hohe Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. "In Summe werden die Oberleitungs-Lkw damit pro Jahr über 250000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurücklegen", erklärte Dieter Fahrner bei der ersten Bürgerinfoveranstaltung zum Projekt am 11. April in der Wörtelhalle: "Die Strecke stellt eine große Chance dar, den längst fälligen Wandel im Transportbereich zu vollziehen."

Was kostet das Projekt?

Für die Herstellung der Oberleitungsinfrastruktur fallen Kosten in Höhe von 17,6 Millionen Euro einschließlich Planungs- und Begleitungskosten an. Der Bund stellt hierfür Fördermittel in Höhe von 16,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das Land Baden-Württemberg bringt sich mit einem Eigenanteil von 800000 Euro ein. Die Fördergelder aus dem Bundesumweltministerium decken allerdings zunächst nur Planung und Bau ab. Unklar ist bislang, wer den vorgesehenen Rückbau der Infrastruktur am Ende der Versuchsphase finanziert.

Müssen die Straßen durchgängig mit Oberleitungen ausgestattet werden?

Nein, lediglich zwei Abschnitte (Höhe Oberndorf und Ottenau) werden damit ausgestattet, um einen großen Teil der Lkw-Transporte mit Elektrobetrieb abzuwickeln. Weil der Lkw über eine Batterie verfügt, die während des Kontakts mit den Oberleitungen aufgeladen wird, können die anderen Abschnitte ohne Oberleitungen überbrückt werden.

Gibt es Kritiker?

Eine ganze Menge. Sie befürchten Auswirkungen der Stromleitungen auf den übrigen Straßenverkehr, beklagen den erheblichen Eingriff in die Landschaft durch Masten und Leitungen, Verkehrsbehinderungen, Staus, fehlende Nachhaltigkeit für das Murgtal und nicht zuletzt die offene Kostenfrage des geplanten Rückbaus.

Warum will man die Anlage nach drei Jahren zurückbauen?

Die Projektverantwortlichen begründen das damit, dass sich die Anlage im Murgtal sehr wahrscheinlich nicht wirtschaftlich betreiben lässt. Das letzte Wort über den Rückbau ist laut Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) aber noch nicht gesprochen.

Warum überhaupt Oberleitungs-Lkw?

Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, rücken strombasierte Kraftstoffe sowie der direkte Stromeinsatz bei Lkw immer stärker in den Fokus. Derzeit werden rund 29 Prozent der CO2-Emissionen im deutschen Verkehrssektor sowie rund sechs Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland durch den Straßengüterverkehr verursacht. Und die Verkehrsprognosen gehen von einem weiteren starken Wachstum der Straßengüterverkehrsleistung aus. Sollte es gelingen, die für die Oberleitungs-Lkw zusätzlich benötigte Energie rein aus regenerativen Quellen zu generieren, wäre der Beitrag dieser Technologie zur Minderung der Treibhausgasemissionen sehr relevant, sind sich die Projektverantwortlichen sicher.

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung aus?

Die gesamte Testphase im Murgtal wird insbesondere vom Fraunhofer-Institut und dem Forschungszentrum Informatik begleitet. Unter anderem geht es um eine Akzeptanzstudie (Bevölkerung, Autofahrer) und um Fragen zur Energieversorgung. Innovationen wie die "rollende Elektrotankstelle" werden ebenfalls untersucht.

Wie ist der Zeitplan?

Das baden-württembergische Umweltministerium rechnet mit dem Baubeginn für die Teststrecke im Jahr 2019. Für 2020 ist der Beginn der dreijährigen Testphase geplant. Vergangene Woche haben bereits Erkundungsbohrungen stattgefunden, um die Umsetzungsmöglichkeiten des Projekts zu überprüfen.

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