"Arbeiten ist mein Lebensinhalt"

Walterspacher in seinem Garten unter dem selbstgepflanzten Nussbaum als Schattenspender. Foto: gut

Gaggenau (gut) - "Gell, ihr bringt mir aber nichts mit!" Das ist der ausdrückliche Wunsch von Herbert Walterspacher in der Einladung zu seinem heutigen 70. Geburtstag. Da er sich nicht so wichtig nimmt, musste der Träger des Gaggenauer Bürgerpreises 2014 sich erst von seiner Frau überzeugen lassen für dieses Porträt: Es sei das gute Beispiel seines sozialen Engagements, das zähle, und nicht so sehr die Person.

Also durfte die Verfasserin wieder einmal ein Gespräch mit ihm führen, diesmal mit dem Fokus auf die Person Herbert Walterspacher. Die indes untrennbar verbunden ist mit seinen vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten im sozialen Bereich in Kirche und Gesellschaft.

Im kleinen Kreis seiner Familie und engsten Freunde wird der "Runde" begangen, und zum Schenken schrieb er weiter: "Von wegen Geschenkkorb! Gute Wünsche zu einem runden Geburtstag" dürfen es sein. Das erinnert an das Märchen "Hans im Glück", das zu seiner Lebenseinstellung passt ("Man nimmt nichts mit").

Gute Wünsche nimmt der frisch und agil wirkende Jubilar aber gern entgegen, denn er ist nimmermüde freiberuflich und ehrenamtlich unterwegs - neben der staunenswert strukturierten Arbeit auch am Schreibtisch. Von dem aus der Rotenfelser gern den vorüberkommenden Bekannten und Nachbarn lachend winkt.

Von Ruhestand keine Spur! Seit 1996 ist der Sparkassendirektor im Ruhestand als freiberuflicher Unternehmensberater tätig. Hier kommen die Gemeinsamkeiten der Eheleute in den Blick: Zur gleichen Zeit hatte seine Frau Edith als gelernte Bankkauffrau ihre Ausbildung zur Heilpraktikerin beendet - nach der Erziehung der zwei Söhne eine neue Herausforderung. Parallel hat ihr Mann den Ehrenamtskomplex aufgebaut, und auch dafür betont er diesen Aspekt: "Es ist uns wichtig, dass wir alles gemeinsam machen." Da ist der Lektorendienst in St. Josef oder die Gestaltung der Wortgottesdienste in zwei Altenheimen viermal im Jahr. In der im Jahr 2000 gegründeten Hospizgruppe sind beide seit 2002 als Hospizbegleiter, Herbert zudem im Leitungsteam tätig. Er ist Koordinator des 2005 mit Pfarrer Reuss aufgebauten Besuchsdienstes St. Laurentius. Von 2005 bis 2015 hat das Ehepaar sich im Notfallkrisenteam eingebracht, er war sechs Jahre davon Vorstandsmitglied. Ein großes Anliegen sind ihm seit zehn Jahren die jährlichen ehrenamtlichen Reisen (oft mit den Söhnen) in die äthiopischen Missionsstationen als Vorstand der Familienstiftung "Pro fratre et amico". Mit viel Einsatz übt er auch sein Ehrenamt als Handelsrichter beim Landgericht Baden-Baden in der Kammer für Handelssachen aus.

Gut organisiert und geordnet muss man schon sein bei dieser Vielfalt an Beschäftigungen. Kann man das lernen? Da zeigt der Jubilar Hefte aus seiner Ausbildungszeit zum Bankkaufmann - sorgfältig mit gestochen scharfer Schrift sind seine Eintragungen zu bewundern. Er habe sich alles mühsam erarbeiten müssen, sagt er über seine Zeit in der Volksschule Hilpertsau, wo er mit drei Geschwistern aufwuchs.

Zudem wurden gutes Familiengefüge und soziales Engagement schon in seiner Herkunftsfamilie gepflegt. Sein Vater war Schlosser und ist früh mit 51 Jahren 1965 verstorben, so dass dem jüngsten Sohn die Mitarbeit oblag, nachdem die Schwester und zwei Brüder bereits aus dem Haus waren.

Feldarbeit und Helfen daheim mit kleiner Viehwirtschaft prägten seine Jugend: "Ich weiß, was arbeiten heißt", sagt der Jubilar und ist glücklich über solche Erfahrungen. Zielstrebig hat er nach der Volksschule seine Ausbildung durchgezogen, mit Unterbrechung für den Wehrdienst. Sein bemerkenswerter beruflicher Werdegang mit umfangreicher Fachausbildung führte Walterspacher bis in die oberen Etagen der Sparkasse Gaggenau und der späteren fusionierten Sparkasse Rastatt-Gernsbach.

Gemeinsam packen die Eheleute alles an, die seit 1971 im schmucken Eigenheim in Bad Rotenfels leben. Gartenarbeit, Bäume schneiden und Holz machen sind für den fitten Herbert Walterspacher guter Ausgleich, der sich nicht wichtig nimmt: "Ich bin ein ganz normaler Mensch und arbeiten ist mein Lebensinhalt."

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