Riesen-Sause im ältesten Stadtteil

Riesen-Sause im ältesten Stadtteil

Von Hans-Peter Hegmann

Gaggenau - Zwar ohne den angekündigten Fassanstich, dafür mit einem historischen Rückblick eröffnete Oberbürgermeister Christof Florus am Samstag die 775-Jahr-Feier in Ottenau. Zuvor war er mit Chauffeur Erwin Pfistner mit dem nachweislich ältesten Fahrzeug aus der Gaggenauer Automobilproduktion auf dem Festgelände vorgefahren.

Dabei handelt es sich um einem 1897 in Bergmanns Industriewerken hergestellten "Orient-Express". Das original erhaltene Fahrzeug befindet sich im Besitz des Unimog-Museums und hat eine große Symbolkraft für die Benzstadt. Wie das Stadtoberhaupt dann vor einer großen Schar von Ehrengästen erläuterte, ist das ehemalige eigenständige Ottenau der älteste Stadtteil von Gaggenau. Ursprünglich war es ein Dorf, das fast ausschließlich vom Weinbau auf den umliegenden Hängen lebte. Daher ist auf dem Wappen von 1290 auch nur ein Rebmesser abgebildet. 1690 kamen die Flößerhaken als weiteres Symbol mit Hinweis auf die neue Haupterwerbsquelle hinzu, bis ein wichtiges historisches Ereignis alles änderte. Das Benzwerk wurde auf Ottenauer Gemarkung gebaut und hatte zunächst überhaupt keinen Bezug zu Gaggenau.

Das änderte sich erst durch die Zwangseingemeindung im Jahr 1935. Dieser historische Hintergrund war bereits am Freitagabend bei der Jubiläums-Gala und dem Tanzabend mit der Kultband "Moonlights" ein Thema, als Klaus Dieter Kneisch, Vorsitzender der Ottenauer Vereinsgemeinschaft, die Gäste begrüßte. Er wies darauf hin, dass während des Fests wieder die alte Ottenauer Fahne mit Rebmesser und Flößerhaken auf dem Festgelände weht. Kneisch machte bei der offiziellen Eröffnung darauf aufmerksam, dass man hauptsächlich die aktuelle Situation im Stadtteil präsentieren wolle, und bedankte sich bei den mehr als hundert Helfern aus den Vereinen und den teilnehmenden Gewerbetreibenden.

Rebmesser ziert das alte Wappen von 1290

Das erneute Sommerwetter war vermutlich für viele Ottenauer einfach zu schön, um bereits um 14 Uhr auf die Festmeile rund um die Merkurhalle zu marschieren. Wie man beim einsetzenden Besucheransturm am späten Nachmittag gelegentlich hörte, nutzte man das herrliche Wetter für Gartenarbeiten oder genoss noch einmal die warmen Sonnenstrahlen am vorletzten Öffnungstag des Kuppelsteinbads. Das beeinträchtigte die gute Stimmung rund um die Festbühne allerdings nicht. Hier wurden die MMW-Dancers, die inklusive Band "Inkluba" der Murgtalwerkstätten, die Seilspringtruppe "Rope Skipping", die Jugendkapelle des Musikvereins Harmonie Ottenau, die OCC-Jugendgarde mit einem Showtanz und die "SVO Gumseln" für ihre Vorführungen mit reichlich Beifall belohnt. Die zahlreichen Gewerbebetriebe aus dem Stadtteil präsentierten sich und ihre Erzeugnisse oder Dienstleistungen. Sie sahen sich beim Festgeschehen hauptsächlich in der Rolle als Unterstützer der Vereinsgemeinschaft.

40 Mountainbiker hatten sich ebenfalls eingefunden, um auf zwei schwierigen geführten Runden fast 50 Kilometer und über 1000 Höhenmeter zurückzulegen.

Als sehr interessant bezeichneten die Besucher das Holzmaskendorf der Ottenauer Häsgruppen. 14 Figuren und ihre Entstehungsgeschichte konnten dort studiert werden. Nach Sonnenuntergang waren dann sämtliche Stände und Zelte der Vereine sehr gut besucht. Im Hauptzelt der Sänger gab es bis 23 Uhr wegen Rücksichtnahme auf die Nachbarn Partytime mit der Band "Son Rise". Danach konnte noch im Keller der Halle mit DJ Tom abgefeiert werden.

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