Versorgungssicherheit auch im Notfall

Wie selbstverständlich läuft bei uns sauberes Wasser aus dem Hahn. Um die Versorgung auch im Notfall garantieren zu können, sind große Anstrengungen notwendig. Foto: Archiv

Von Stephan Juch

Gaggenau - Der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal (WVV) schafft mit dem Aufbau einer umfassenden Ersatzwasserstruktur eine höhere Versorgungssicherheit für seine Mitglieder Gernsbach, Kuppenheim, Gaggenau (Versorgungsgebiet Selbach) und Rastatt (Versorgungsgebiet Förch). Gestern haben die Verantwortlichen um Bürgermeister Julian Christ (Gernsbach), Karsten Mußler (Kuppenheim) und Oberbürgermeister Christof Florus (Gaggenau) den Vertrag unterzeichnet, mit dem sich die Stadtwerke Gaggenau (SWG) für die Dauer von zunächst 20 Jahren verpflichten, im Bedarfsfall Trinkwasser in ausreichender Menge an den Verband zu liefern.

Christ blickte als Vorsitzender des WVV im kleinen Sitzungssaal des Gaggenauer Rathauses auf "engagierte Vertragsverhandlungen" zurück, die jetzt zu einem guten Ergebnis gekommen seien. Von einer "sehr guten Lösung für alle" sprach auch Hausherr Florus und betonte dabei die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit. "Wir haben ein Stück weit mehr Sicherheit für die ganze Bevölkerung geschaffen", ergänzte Mußler.

Der Kuppenheimer Rathauschef erinnerte daran, dass letztlich zwar die PFC-Belastung (per- und polyfluorierte Chemikalien) des Trinkwassers dafür gesorgt habe, den Ausfallplan zu realisieren, es aber immer auch zu anderen Notständen kommen könne. Dagegen sei man nun gerüstet, wenn die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt sind. In Kürze soll die Ausschreibung für den ersten von zwei noch zu realisierenden Anschlusspunkten erfolgen. Dieser befindet sich beim Presswerk in Kuppenheim, wo das Versorgungsgebiet der Knöpflestadt mit Förch und Schloss Favorite an das Netz der SWG angeschlossen wird. Für die bauliche Umsetzung rechnet man mit Kosten von knapp 200000 Euro.

Für die Versorgung von Gernsbach muss eine Verbindung vom Netz der SWG von Ottenau her zum Hochbehälter Galgenbusch hergestellt werden. Die dafür notwendige Leitungslegung wird derzeit geplant. Sie soll im kommenden Jahr erfolgen, ist aber wesentlich umfangreicher als das Projekt auf Kuppenheimer Gemarkung - wegen der Topographie und der Streckenlänge. Gernsbachs Kämmerer Benedikt Lang kalkuliert mit Kosten von mehr als einer Million Euro. Und auch die SWG sowie der Partner Eneregio investieren in die neue Ersatzwasserversorgung. Stadtwerke-Chef Paul Schreiner rechnet mit einer Summe von 700000 bis einer Million Euro, die man von Gaggenauer Seite für die zusätzliche Sicherheit ausgeben müsse. Ob sich die Gesamtinvestition von geschätzten 2,2 bis 2,5 Millionen Euro letztlich auf den Wasserpreis auswirkt, das lasse sich jetzt noch nicht sagen.

Die Große Kreisstadt ist laut Schreiner in der glücklichen Lage, nicht von PFC betroffen zu sein. Ihre Grundwasserbrunnen liegen in Bietigheim, Muggensturm und Kuppenheim; die Brunnen des WVV in Haueneberstein. "Wir haben genügend Kapazitäten, um den Nachbarn in der Not zu helfen", erklärte Schreiner. OB Florus verwies noch darauf, dass Gaggenau über ein sehr leistungsfähiges Netzwerk verfüge - unter anderem ist man vertraglich auch über Karlsruhe und Rastatt abgesichert.

Und wie sieht es beim WVV derzeit aus in Sachen PFC? Das Trinkwasser, das der Wasserversorgungsverband seinen Verbrauchern liefert, entspricht der Trinkwasserverordnung; PFC sei nur in sehr niedrigen Konzentrationen, deutlich unterhalb der gesundheitlichen Leit- und Orientierungswerte, nachweisbar. Das sagte der Gernsbacher Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin gestern und verwies auf die städtischen Internetseiten von Gernsbach und Kuppenheim, wo die aktuellen Werte stets eingesehen werden können.

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