Spurensuche nach Motorrädern aus Gaggenau

Auch das Gaggenauer Motorrad des Unimog-Museums hat Siegfried Burow wieder fahrbereit gemacht. Am Wochenende ist er bei der Motorrad-Ausstellung in Ottenau. Foto: Wessel

Von Michael Wessel

Gaggenau - Bei alten Motorrädern schlägt das Herz des Wahl-Gaggenauers Siegfried Burow höher. Bereits als Lehrling zum Landmaschinen-Mechaniker schwatzte er den Bauern deren alte motorisierten Zweiräder ab. Nach dem Studium der Produktionstechnik und mehreren Jahren in der Entwicklung bei Klöckner-Humboldt-Deutz sowie Ford trat Burow 1976 als Service-Gebietsleiter in den Unimog-Kundendienst ein. "Ich kam überall herum und so erweiterte sich meine Sammlung rasch. Zu Spitzenzeiten waren es bis zu 37 Mopeds und Motorräder in meinem Keller", stellt Burow schmunzelnd fest.

Heute hat der Oldtimer-Liebhaber nur noch vier Motorräder. Darunter eines mit 3,5 PS, das 1926 in den Eisenwerken Gaggenau gebaut wurde und den Markennamen Ega hat. Und diese Ega hat es ihm besonders angetan. Hatte er doch bereits 2014 die Ega des Unimog-Museums in ungezählten Stunden wieder fahrfähig gemacht.

Bei der eigenen Ega war der Aufwand größer, denn sie war nicht komplett. Einzelteile mussten aufwendig beschafft oder auch nachgefertigt werden. Jetzt ist auch dieses Gaggenauer Motorrad fahrbereit.

Aber Siegfried Burow interessiert sich nicht nur für das Motorrad in Stahl und Eisen. Er will die Geschichte dieser Motorräder dokumentieren. Und dies gestaltet sich schwerer als ursprünglich gedacht. Zwischenzeitlich hat er nicht nur die Archive der Region, sondern auch die Nationalbibliothek in Frankfurt/Main, das Staatsarchiv in Berlin, das Archiv des Deutschen Museums in München und das dortige des ADAC durchforstet. Hinzu kommen mehrere Archive von Fachzeitschriften und Tageszeitungen.

"Diese Mühen wurden bisher nicht mit viel Erfolg belohnt", stellt er ernüchtert fest. So konnte er noch nicht belegen, wann genau der Motorradbau begonnen wurde, und es fehlt ihm auch ein Bild des ersten Modells.

"Bezüglich Motorrad-Werbung war man in den Eisenwerken sehr zurückhaltend. Angepriesen wurden häufig die Fahrräder oder Herde. Aber bisher ist mir weder eine Verkaufsanzeige noch ein Prospekt zum Motorrad begegnet", stellt Burow fest.

Derzeit geht Burow davon aus, dass das erste Motorrad um 1922 gebaut wurde und dass einschließlich zweier Nachfolgemodelle insgesamt etwa 600 Fahrzeuge produziert wurden.

Noch vier fahrbereite Modelle

Davon sind vier in fahrbereitem Zustand erhalten geblieben. Von anderen gibt es Fragmente.

Als besonders wertvolle Quelle für weitere Recherchen erwies sich für Siegfried Burow ein "Adressbuch der Kraftfahrzeugbesitzer", das 1926 im Karlsruher Verlag Braun erschienen ist. Danach waren in Gaggenau mit seinen heutigen Ortsteilen 53 Motorräder zugelassen - davon 21 aus den Eisenwerken. Meistens gehörten sie den Söhnen Gaggenauer Geschäftsleute. Aber auch der Direktor der Eisenwerke, Sellin, oder die Ärzte Dr. Agricola und Dr. Meyerhoff fuhren Motorrad.

Sein frisch restauriertes Ega-Motorrad wird Siegfried Burow auf der Ausstellung des Ottenauer Motorradclubs am 29. und 30. September in der Merkurhalle erstmals zeigen. An beiden Tagen ist die Ausstellung von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Burow hofft, dabei weitere Informationen, Fotos oder Dokumente zu den Gaggenauer Motorrädern zu erhalten. Er ist zu erreichen unter (07225)9897992, E-Mail: siegfriedburow@web.de.

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