Fünf Millionen und noch kein Ende

Fünf Millionen und noch kein Ende

Von Thomas Senger

Gaggenau - Fünf Millionen Nutzfahrzeug-Getriebe aus dem Standort Gaggenau: Dies war Anlass für eine Feierstunde im Werkteil Rastatt. Dort werden diese Einheiten gefertigt. Ein großes Lob für die Mitarbeiter gab es dabei vonseiten des Managements. Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht mahnte gleichzeitig weitere Investitionen in den Standort an.

Die Ahnengeschichte der Nutzfahrzeuggetriebe aus Gaggenau reicht bis ins Jahr 1951: Der Produktionsanlauf des Unimog machte hier einen Neustart der Getriebefertigung nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig. 1955 begann dann der Getriebebau für Busse und Lkw. Die Produktionszahlen wuchsen rasant; im Jahre 2012 wurden die vier Millionen erreicht. Während ein Urahn, das fünfgängige Getriebe G 3, in modifizierter Form immer noch in Indien gebaut wird, ist das G 330 von heute ein automatisiertes Hochtechnik-Getriebe mit zwölf Gängen.

"Großes Lob für die super Mannschaft" hatte Dr. Frank Reintjes parat. Sein Titel "Leiter Global Powertrain, E-Mobility Manufacturing Engineering" bei Daimler Trucks verweist auf die Internationalisierung des Konzerns und die globalen Herausforderungen für das Unternehmen. Hier sieht er den Standort sehr gut aufgestellt, schloss er in sein Lob "das sehr gute Management" ebenso ein wie den Betriebsrat: Dieser helfe "im besten Sinne des Wortes Co-Management im brutalen globalen Wettbewerb".

Standortleiter Dr. Matthias Jurytko zeigte sich "wahnsinnig stolz" auf die Mitarbeiter: "Die Produktion von Getrieben in dieser Größenordnung und in dieser Qualität kann man nur erfolgreich meistern, wenn eine hochqualifizierte und motivierte Mannschaft Hand in Hand und mit größtem Engagement zusammenarbeitet."

Diese Vorlagen des Managements griff Michael Brecht gerne auf. Er ist Vorsitzender des Standort-Betriebsrats und des Daimler-Gesamtbetriebsrats. "Ein paar Erweiterungsinvestitionen wären ein tolles Dankeschön" an die Mitarbeiter, das sich überdies auch für das Unternehmen lohnen werde. "Ich habe da schon ein paar Ideen", sagte er launig im Rahmen der Podiumsrunde vor der Belegschaft. Im BT-Gespräch konkretisierte Brecht seinen Vorschlag: Er habe auf die Investitionen zur Kapazitätserweiterung im Bereich Räder und Wellen bei den schweren Getrieben angespielt. Hier müsse das Management nun "in nächster Zukunft" eine entsprechende Entscheidung treffen. Branchenkenner gehen von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus.

Rund 1 500 Mitarbeiter sind unmittelbar mit dem schweren Getriebe beschäftigt, so Brecht. Am gesamten Standort - inklusive Stammwerk Gaggenau - sorge Getriebebau für 3 500 bis 4 000 Arbeitsplätze. Da müsse man für die nächsten zwanzig Jahre planen, betonte er mit Blick auf die Elektromobilität. "Man muss nicht für die nächsten fünf Jahre Angst haben", versicherte Brecht, die Transformation im Nutzfahrzeigbereich werde nicht über Nacht passieren können. Aber was man jetzt nicht frühzeitig entwickle, könne man später nur sehr schwer produzieren.

Rund 180 000 schwere Getriebe können pro Jahr am Standort gefertigt werden, bilanzierte Matthias Jurytko; rund zehn Stunden dauere die Produktion jedes einzelnen.

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