Gaggenauer Poller ohne Ende: "Und dann kracht es"

Gaggenauer Poller ohne Ende: 'Und dann kracht es'

Von Ulrich Jahn

Gaggenau/Baden-Baden - Die Poller am Bahnhofsplatz zu Gaggenau - eine unendliche Geschichte. Nicht nur die rund 25 Schadensfälle innerhalb von zwei Jahren und die Überlegungen der Stadt, die Anlage durch Hochsicherheitspoller zu ersetzen, sorgen für Diskussionen. Jetzt befasst sich auch das Landgericht Baden-Baden in einer Güteverhandlung mit der Anlage und einem Vorkommnis vom Rosenmontag vergangenen Jahres.

Gastronom gegen die Stadt - die Stadt gegen den Gastronomen - so kann man die Angelegenheit auf den Punkt bringen. Was ist geschehen? Die Poller funktionieren nicht zuverlässig, meint Imad Yassine, Inhaber des nahegelegenen Asia-Restaurants "Miu Miu". An besagtem 12. Februar 2018 wollte er die Anlage mit seinem Audi passieren. Täglich fährt er dort mindestens fünfmal entlang, kennt sich also mit den beiden Pollern und ihrer Funktionsweise aus. Wie er vor Gericht schilderte, fuhr er auf die im Boden befindliche Induktionsschleife. Die Anlage reagierte, die Poller, die von der Warteposition nicht zu sehen sind, senkten sich. Die rote Ampel neben den Pollern erlosch, die kleine Ampel rechts zeigte Grün. Also das Signal, dass er losfahren kann. "Und dann kracht es."

Fakt war, dass er irgendwo dagegen gefahren ist. Er bremste natürlich sofort ab und blieb stehen. Die Stoßstange an seinem Auto wurde beschädigt, der Schaden wird auf 1 400 Euro geschätzt. Und die Ampel zeigte immer noch Grün, so Yassine: Nur der rechte Poller habe aus dem Boden geragt, was für ihn nicht erkennbar gewesen sei. Er ist seither beschädigt (der Kopf abgerissen). Der andere Poller sei komplett im Boden versunken gewesen. Mit seinem Handy drehte er ein Video von dem Vorkommnis. Über die Notruftaste an der Polleranlage informierte er den städtischen Bauhof. Zwei Mitarbeiter waren etwa 20 Minuten später vor Ort und bestätigen in der Gerichtsverhandlung, dass die Ampel Grün anzeigte.

Imad Yassine sieht nicht ein, weshalb er den Schaden an seinem Auto über seine Vollkaskoversicherung regulieren soll. Schon vor längerer Zeit hatte es einen Schaden an einem Fahrzeug des Unternehmens gegeben, den Yassine selbst beglichen hatte. Jetzt fordert er Schadenersatz von der Stadt Gaggenau. Die Reaktion der Verwaltung: Sie verlangt ihrerseits vom Gastronomen 1 700 Euro, weil dieser mit seinem Auto die Anlage beschädigt habe. Eine Forderung, die der Rechtsbeistand von Yassine, Sebastian Adam von der Kanzlei Riedel in Baden-Baden, in der Verhandlung als "unverschämt" bezeichnete. Einen Vergleichsvorschlag des Gerichts habe man deshalb nicht angenommen.

"Der Poller war unten, die Kappe abgefahren", schilderte ein Energieanlagenelektroniker als Zeuge, der, nachdem er das Video bekommen hatte, auf Bitten der Stadt einen "kurzen Bericht" geschrieben hatte. "Gaggenau ist ein Sonderfall", meinte er hinsichtlich der zahlreichen Schäden an den Pollern. Ein Grund könnten die örtlichen Gegebenheiten sein. So viel er weiß, sei die Anlage in Ordnung gewesen, meinte der Zeuge. Er verwies mit Blick auf die häufigen Schäden darauf, dass wenn nur ein Poller beschädigt und somit erneuert wird, die Laufzeiten des Absenkens unterschiedlich sein könnten.

Sachverständiger



wird eingeschaltet

Richterin Bräuer konnte auch nach der Beweisaufnahme zu keiner Entscheidung kommen. Aus diesem Grund soll ein Sachverständiger eingeschaltet werden. Sie gab aber zu bedenken, dass auch dieser unter Umständen zu keinem eindeutigen Ergebnis komme - und dass keiner der beiden Parteien Geld zugesprochen werde. Es werde nur einen Beweisbeschluss geben, kein Urteil. Im März treffen sich beide Parteien somit wieder vor dem Landgericht Baden-Baden.

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