Span um Span zum zweiten Gesicht

Span um Span zum zweiten Gesicht

Von Winfried Förderer

Gernsbach - Schon in der Barockzeit gehörten Holzmasken zur Fastnacht. Seit der 1935 neu geschaffenen Holzmaske der Offenburger Hexe erhält die Verbreitung von Holzmasken in der alemannischen Fastnacht starken Zulauf.

Daher sind auch heute im Murgtal Holzmaskengruppen fester Bestandteil des Brauchtums. Die Baiersbronner Köhlerhexen, die Fürig Barthel aus Hörden und die Griesbich von Steinmauern stehen neben anderen beispielhaft für die Ausdehnung entlang der Murg.

Bei den Holzmasken werden zwei Arten unterschieden, die furchterregenden, dämonenhaften Schreckmasken und die polierten schönen Glattlarven. In der Fastnachtszeit darf der Maskenträger nicht nur der Obrigkeit ungeschminkt die Meinung sagen, auch Scherze und Neckereien werden ihm zugestanden. Er kann sich dabei sicher sein, nicht "entlarvt" zu werden. Maskenschnitzer sind heute wesentlicher Zweig der Volkskunst und stark nachgefragt. Sie brauchen besonderes handwerkliches Können und stilistisches Einfühlungsvermögen.

Einer, der in besonderem Maße diese notwendigen Fähigkeiten besitzt, ist der Maskenschnitzer Ludwig Merkel. Der in seinem Berufsleben stets als Schreiner tätige Gernsbacher blieb dem ihm vertrauten Werkstoff Holz treu und schnitzt seit 1996 Holzmasken. Betritt man seine Werkstatt, spürt man gleich, dass hier ein engagierter "Holzwurm wirk.

Das Schnitzen einer Holzmaske geschieht in mehreren Arbeitsschritten. Zuerst spannt Merkel einen Lindenholzklotz in den Schraubstock, um die Form und das Gesicht grob herauszuschälen. Mit immer feineren Schneideisen werden nun das Gesicht der Maske, Augen, Nase, Mund und Lippen herausgearbeitet. Danach wird die eingespannte Innenseite mit dem Holzklöpfel und dem Schweizer Messer ausgehöhlt. Wichtig ist, dass die Innenmaße stimmig sind, damit die Maske nicht aufs Gesicht drückt und stundenlang getragen werden kann, erklärt der Experte. Nun bemalt der Schnitzer die Maske und trägt zum Schluss einen Schutzlack auf und verhilft ihr so zum endgültigen Aussehen. Er verwendet hierbei Künstler-Acryl-Farbe und Holzbeize mit verschiedenen Farbtönen. Je nach Schwierigkeitsgrad sind für eine Holzmaske bis zu vier Arbeitstage notwendig.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Beratung von Gruppierungen bei der Entwicklung und Gestaltung von neuen Holzmasken. Dutzendfach liegen kunstvolle Einzellexemplare von Holzmasken auf dem Präsentiertisch in der Werkstatt. Die Krätzeketscher Forbach, die Waldschädder Gernsbach, verschiedene Ottenauer Gruppen, die Holzschuhbohrer Freiolsheim, die Gaggenauer Uhus und die Keschdeigel Oberweier wissen das Kunsthandwerk von Ludwig Merkel zu schätzen und tragen seine Masken.

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