Zum Abschied noch "ein super Jahr"

Zum Abschied noch 'ein super Jahr'

Von Thomas Senger

Gaggenau - Besser kann es für den Standort immer werden, doch hätte Dr. Matthias Jurytko keinen besseren Zeitpunkt finden können, um vom Mercedes-Benz-Werk Gaggenau ins Lkw-Werk nach Wörth zu wechseln. "Ein super Jahr" sei 2018 gewesen mit einem Spitzenniveau bei der Auslastung. Und für 2019 dürfe man immerhin "verhalten optimistisch" sein. Von stehendem Beifall berichten Teilnehmer der gestrigen Betriebsversammlung, viel Lob gab es von seiten des Betriebsrats.

Jurytko (57) wird zum 1. April neuer Chef des Daimler-Lkw-Werks in Wörth mit rund 10 300 Mitarbeitern. Sein Nachfolger am Standort Gaggenau (rund 6 800 Beschäftigte) wird Thomas Twork (47), derzeit verantwortlich für die Produktion von Nutzfahrzeugmotoren im Werk Mannheim.

Mit Jurytko hat der Standort sein Gesicht verändert, sichtbar für Außenstehende an den neuen Gebäuden entlang der Gaggenauer Hauptstraße und natürlich am neuen Presswerk in Kuppenheim. Deutlich für die rund 6 800 Mitarbeiter unter anderem durch die "Standortstrategie 2018". Sie hat in Gaggenau, Kuppenheim und im Werkteil Rastatt zahlreiche Veränderungen bewirkt. 50 000 Quadratmeter Produktionsfläche wurden neu oder umgestaltet, 300 Produktionsanlagen umgewidmet, "und das alles in einem stetig wachsenden Programm mit ständiger Qualitätssteigerung", bilanziert der scheidende Chef.

Eines hätte er noch gerne in Angriff genommen: Den Abriss von Bau 50 bei Tor 6 an der Michelbacher Straße in Gaggenau. Seit zwei Jahrzehnten liegen die Pläne bereit, ergänzt Michael Brecht, der Betriebsratsvorsitzende. Nun werde dieses Jahr mit dem Abriss begonnen - "ein gutes Zeichen". Künftig sollen auf dieser Fläche "Klappenteile" gefertigt und lackiert werden, also Türen oder Kofferraumdeckel. Auch dies ein Beitrag zur Diversifizierung der Produktpalette - und somit ein Beitrag zum Projekt "Zukunft Gaggenau",

In dieses Vorhaben werden die Vorschläge aus dem "Masterplan 2.0" des Betriebsrats einfließen, erläutert Brecht. Auch hierbei manifestiere sich das sehr gute Miteinander zwischen Chefetage und Mitarbeitervertretung.

Jurytko formuliert dies so: "Nach konstruktiven Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern haben wir uns auf ein gemeinsames Zukunftspaket für den Standort Gaggenau verständigt." Neben der Stärkung des Kerngeschäfts schwere Getriebe werde man sich verstärkt den alternativen Antriebsformen widmen. Künftig werde man so in Gaggenau auch Antriebskomponenten für den elektrisch betriebenen schweren Lkw Actros fertigen.

Das Alltagsgeschäft wird nach derzeitigem Stand auf hohem Niveau betrieben, aber man werde "nicht zu euphorisch" werden, betonen Brecht und Jurytko. Viele Unwägbarkeiten werden das Vertrauen in die Wirtschaft und damit die Investitionen beeinflussen.

Im Pkw-Bereich habe Daimler gerade zwei schwächere Monate gehabt; immerhin habe man im Nutzfahrzeugbereich weiter stabile Auslastung.

Dank der Vielfalt der Produkte und der Kundensegmente sei der Standort optimal aufgestellt, betont Jurytko. "Nichts Schlimmes" sei es, wenn nicht mehr überall 18 oder 19 Schichten pro Woche gearbeitet werde, sondern man in einen Normalbetrieb mit 15 oder 16 komme. Schließlich sei auch dies eine Folge der Investitionen der Standortstrategie.

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