Erste positive Erfahrungen im Praxistest

Erste positive Erfahrungen im Praxistest

Von Stephan Juch

Gaggenau/Ötigheim - "Tolles Fahrgefühl": Rainer Schmitt lächelt am Steuer des eActros bei einer entspannten Testfahrt. Die kurze Runde vom Werksgelände seines Logistik-Unternehmens durch das Industriegebiet in Ötigheim vermittelt einen Eindruck davon, wie man sich den Güternahverkehr der Zukunft vorstellen kann - oder besser soll: weitgehend emissionsfrei, geräuscharm, möglichst gespeist aus regenerativer Energiegewinnung. Seit drei Wochen ist bei Schmitt Logistik der eActros von Mercedes-Benz im Praxistest. Erste Erfahrungen seien vielversprechend, wie eine Expertenrunde in Ötigheim betont.

Von der dortigen Industriestraße verkehrt der elektrisch angetriebene 25-Tonner zwischen dem Lager von Logistik Schmitt und dem rund sieben Kilometer entfernten Werkteil Rastatt des Mercedes-Benz-Werks Gaggenau. Der eActros wird anstelle eines konventionellen Diesel-Lkw beim Transport von Getriebegehäusen eingesetzt und bewältigt mit rund 200 Kilometern Reichweite eine Tagesstrecke von etwa 168 Kilometern im Dreischicht-Betrieb. Der eActros transportiert dabei bis zu zwölf Tonnen Gewicht. Aufgeladen wird er über eine mobile Ladestation während der Be- und Entladungsvorgänge auf dem Werksgelände, erklärt Schmitt.

Dr. Manfred Schuckert, Leiter Emissionen und Sicherheit Daimler Nutzfahrzeuge, beleuchtet die politischen Rahmenbedingungen, unter denen man quasi gezwungen sei, alternative Antriebsmodelle zu erforschen, im Realbetrieb zu testen und natürlich auch einzusetzen. Die EU verlangt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 im Mittel der Mitgliedsstaaten um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 zu verringern. "Damit das möglich ist, schauen wir derzeit alles an und machen detaillierte Untersuchungen bis auf die Schraube", erklärt Schuckert. Ein wichtiges Element dabei sei der Praxistest mit dem eActros. Aus den Erfahrungen will Daimler aufbauen - auch im Vergleich zum Oberleitungsprojekt eWayBW.

"Der Transport wird



wesentlich teurer"

Wenn der Warentransport auf der B 462 mit dem Betrieb von Diesel-Hybrid-Oberleitungs-Lkw teilweise elektrifiziert wird, beliefert Logistik Schmitt in der zweiten Projektphase mit einer weiterentwickelten Version des eActros das gut 14 Kilometer entfernte Mercedes-Benz-Werk Gaggenau mit Achskomponenten - hauptsächlich über die B 462. Diese Strecke entspricht zum Großteil der von eWayBW. Die etwa ein Jahr andauernde Parallelfahrt von eActros und Oberleitungs-Lkw liefere die wichtigsten Daten und Erkenntnisse für den Vergleich beider Konzepte, beispielsweise zur Einsatz-Eignung der Fahrzeuge.

Bei Daimler macht man keinen Hehl daraus, dass man die Oberleitungstechnologie für nicht zukunftsweisend hält - vor allem hinsichtlich des Ziels, ab dem Jahr 2021 einen lokal emissionsfreien Lieferverkehr mit schweren Serien-Lkw zu ermöglichen. Als globaler Hersteller arbeite man an Lösungen, die weltweit eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung haben - diese sieht das Unternehmen im Augenblick bei der Oberleitung aufgrund ihrer hohen Infrastrukturkosten nicht, auch angesichts der rapiden Entwicklung der Batterie- und Brennstoffzelle.

"Ich bin total davon überzeugt, dass wir genau wie beim Dieselmotor auch in der Batterie-Technik gewaltige Fortschritte sehen werden", meint Martin Zeilinger, Head of Advanced Engineering bei Daimler Trucks, der die technischen Details zum eActros vorstellt (Stichwort). Von daher sei er "ein Stück weit stolz", dass von Schmitt Logistik schon drei Wochen nach Beginn der Testphase mit dem eActros eine so positive Resonanz erfolge. Stolz ist man auch in Ötigheim, "dass wir diese Teststrecke haben", wie Bürgermeister Frank Kiefer betont.

Er verweist auf interkommunale Klimaschutzkonzepte und die Erwartungen der Bevölkerung hinsichtlich Umwelt- und auch Lärmschutz. Mit solchen Projekten signalisiere man: "Da passiert was." Kiefer greift bei einer an die Daimler-Verantwortlichen gerichteten Frage nach der ökonomischen Seite des eActros ein und verweist darauf, dass man davon ausgehen müsse, dass die Kommunen irgendwann von sich aus sagen werden: "Wir wollen das!" Dieselfahrverbote wie in Stuttgart seien auf lange Sicht wohl erst der Anfang.

Das deckt sich mit den Argumenten von Manfred Schuckert, der erklärt, die Nutzfahrzeugbranche werde zur Elektromobilität gewissermaßen gezwungen. "Aber eins ist sicher: Um die Ziele zu erreichen, die die Politik vorgibt, wird der Transport teurer werden - und zwar wesentlich teurer."

zurück