"Gesindel" sucht idyllischen Treffpunkt heim

'Gesindel' sucht idyllischen Treffpunkt heim

Von Stephan Juch

Gernsbach - Einbrüche, Diebstahl, Vandalismus, blinde Zerstörungswut: Der Bauwagen in Obertsrot wird seit etwa einem Jahr immer wieder von ungebetenen "Gästen" heim gesucht. Leidtragende sind die Jugendlichen, die den Ort als Treffpunkt nutzen und ihn mit viel Herzblut in Schuss halten. Die entstandenen Schäden haben sie bisher aus der eigenen Tasche reguliert. Nach der jüngsten bösen Überraschung, als vergangene Woche ein Fenster des Bauwagens mit einem Stein eingeschmissen wurde, haben sie Hilfe bei Ortsvorsteher Walter Schmeiser gesucht. Er hat jetzt eine Strafanzeige gegen unbekannt in die Wege geleitet.

"Es handelt sich um mutwillige Zerstörungen mit erheblichen Kostenfolgen für die Allgemeinheit", bedauert Schmeiser die Vorfälle. Seit dem Jahr 2012 steht der im städtischen Eigentum befindliche Bauwagen auf der Wiese zwischen Schwimmbad und Sportplatz. Den Standort bezeichnet Schmeiser als ideal: Er ist nicht zu weit weg vom Schuss, aber dennoch abgelegen. Früher, als der Jugendtreffpunkt noch neben dem Obertsroter Spielplatz war, hatte es oft Beschwerden gegeben - zum einen, weil nicht alle Bauwagen-Generationen pfleglich und verantwortungsvoll genug damit umgegangen sind, zum anderen wegen Lärmbelästigungen. Das gehört der Vergangenheit an: Seit dem Umzug habe es diesbezüglich keine Klagen mehr gegeben. "Ich muss die jungen Leute wirklich loben. Sie sind alle friedlich und umgänglich, hier sieht es immer sauber aus, auch im Außenbereich", freut sich Schmeiser über die zuverlässigen Jugendlichen. Dass die Bevölkerung den Bauwagen akzeptiert, zeigen auch die Brennholzspenden, über die sich die Nutzer sehr freuen.

Jugendliche investieren Geld und Mühen

Aus Sicht des Ortsvorstehers hat die Bauwagenjugend von Obertsrot zumindest einen Zuschuss von der Stadt für die entstandenen Schäden verdient. Er sei gerade dabei, das abzuklären. Die Jugendlichen können schließlich nichts dafür, dass "Gesindel" dort sein Unwesen treibt und ihnen bereits eine Stereo-Anlage aus dem Bauwagen und eine Satellitenschüssel geklaut, zudem Brennholz und Leergut entwendet hat. Im vergangenen Jahr haben die ungebetenen Gäste Scherben auf dem benachbarten Beachvolleyballfeld des Schwimmbads hinterlassen, auch auf dem Kiosk-Dach der Freizeiteinrichtung sollen sie sich schon rumgetrieben haben.

Dass es noch nie jemand gesehen hat, wenn Einbrecher und Vandalen ihr Unwesen am Bauwagen treiben, wundert die insgesamt 14 bis 16 Leute starke Clique. Fast täglich seien schließlich einige von ihnen am Bauwagen. In dem treffen sie sich nicht nur regelmäßig, sondern sie stecken auch Arbeit und Geld in ihr Domizil: So haben die Jugendlichen mit Unterstützung eines Elternteils die zerstörte Tür erneuert, Steckdosen verlegt, den Bauwagen samt Grillplatz halten sie in Schuss, zudem mähen sie die umliegende Wiese. Im BT-Gespräch schütteln Jacqueline Mai, Sandro Ciadamidaro, Marwin Fieting, Jannis Krieg und Sven Siebert den Kopf, als sie darauf angesprochen werden, ob denn im Bauwagen irgendwas zu holen sei.

Nicht mal Getränke gebe es, die bringen die Jugendlichen zum Treffen immer selber mit. Wer dort einbricht, kann nur Schäden und Unrat hinterlassen, klauen könne man dort nichts.

Aufgrund der jüngsten Vorfälle ist der sieben, acht Leute umfassende harte Kern des Bauwagenteams noch regelmäßiger vor Ort; trotzdem bitten sie auch andere, die da vorbeikommen, um erhöhte Aufmerksamkeit, falls sich dort zu ungewohnten Zeiten jemand aufhalten sollte.

Wer Hinweise zu den Einbrüchen und Vandalismusvorfällen geben kann, möge sich an Ortsvorsteher Schmeiser wenden: (01 52) 29 51 54 28.

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