"Typischer Jahrgang für unsere Verhältnisse"

'Typischer Jahrgang für unsere Verhältnisse'

Von Lukas Gangl

Gernsbach - Man "muss wohl schon ein Narr sein, wenn einer glaubt, er hat immer nur Vollernte", merkt Rainer Iselin lachend an. Beim Gernsbacher Winzer begann am gestrigen Montag die Weinlese im Grossenberg.

"Den Klimawandel merkt man in der Landwirtschaft natürlich als erstes", sagt Iselin. Dennoch sei die Qualität der Trauben "absolut okay". Er erwartet einen "typischen Jahrgang für unsere Verhältnisse". Obwohl die Traube das sich verändernde Wetter besser wegstecke als andere Pflanzen, schlügen sich diese Veränderungen auch im Wein nieder. Seiner Meinung nach werde sich der Stil des deutschen Weins wandeln - gerade weil sich die Geschmacksrichtungen und Alkoholgrade ändern.

Iselin erwartet für dieses Jahr wieder mehr "junge, leichte und fruchtige" Weine als im vergangenen Jahr. All dem blicke der Winzer mit Vorfreude entgegen. "Es ist spannend, was sich so ermöglicht dadurch", betont der Bio-Winzer. Dementsprechend stelle er sich auf die Launen der Natur ein. Denn: "Man lernt nie aus. Es hat sich bei uns noch nie ein Jahrgang wiederholt. Jedes Jahr aufs Neue machen wir aus dem, was die Natur uns bietet, das Bestmögliche."

Witterungsbedingt habe er an seinem Weinberg in Staufenberg im Mai einige Verluste hinnehmen müssen. Zur Zeit der Rebblüte seien die Nächte zu kalt gewesen und es habe zuviel Niederschläge gegeben. Das habe nicht nur zu unzureichender Bestäubung geführt, der viele Regen habe auch einen Pilzbefall hervorgerufen. Diesen bekämpfte der Bio-Winzer mit Kupfer, aber das habe seine Grenzen. Er erwarte nun eine eher kleine Ernte, jedoch bereite ihm das keine Sorgen. "2018 war eine super Ernte, das wird sich somit jetzt ausgleichen", analysiert Iselin die Situation. Das Wetter werde sich seiner Meinung nach eher im Burgunder als im Riesling bemerkbar machen. Ebenso könne man kleinstklimatische Veränderungen bereits innerhalb des Weinbergs beobachten. Je nach direktem Standort gehe es den Reben unterschiedlich gut.

Eine Ankündigung konnte Rainer Iselin noch machen: Am Freitag, 20. September, und Samstag, 21. September (jeweils ab 19 Uhr), wird es im Alten Rathaus in Gernsbach eine Premiere geben. Ein Jahr lang hat Andreas Andris, Regisseur für Royal Spirits Media GmbH, mit einem Filmteam den Winzer und seine Familie begleitet und eine 45-minütige Dokumentation mit dem Titel "Poesie im Glas" produziert. Der Weinbau im 21. Jahrhundert, Informationen über den Wein und die Region sowie "Einblicke in den letzten regionalen landwirtschaftlichen Familienbetrieb im Haupterwerb" erwarten die Zuschauer.

Die Arbeit mit den Kameras beschreibt Iselin als "entspannt, spontan und authentisch". Der Film soll bei Filmfestspielen präsentiert und an interessierte Fernsehsender verkauft werden. "Das eröffnet uns eine neue Ebene, eine ganz neue Perspektive. Der Wein erschafft uns neue Möglichkeiten", freut sich Iselin, der Interessierte zur Filmpremiere einlädt. Anmeldungen nimmt seine Frau Sara entgegen per E-Mail an welcome@weingutiselin.com oder unter (0 72 24) 16 66. Abgerundet wird die Filmvorführung mit einer gemütlichen Weinprobe.

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